Wenn in Deutschland über „die europäische Börse“ gesprochen wird, ist meist der Euro Stoxx 50 gemeint. Er bündelt die 50 größten börsennotierten Unternehmen der Eurozone und dient Banken, Fondsgesellschaften und Zertifikate-Emittenten als Standard-Benchmark für die Region.
Was viele Anleger unterschätzen: Der Index lässt zwei der wichtigsten europäischen Finanzplätze komplett außen vor – und er wird standardmäßig ohne Dividenden berechnet.
Was ist der Euro Stoxx 50?
Der Euro Stoxx 50 wurde am 26. Februar 1998 eingeführt und wird von der STOXX Ltd. mit Sitz in Zürich berechnet, einem Unternehmen der Deutschen Börse. Er enthält 50 große, liquide Aktien aus den Ländern des Euro-Währungsgebiets und gilt als das führende Blue-Chip-Barometer Europas.
Als Indexbasis dienen 1.000 Punkte zum 31. Dezember 1991; zurückgerechnet wurde bis Ende 1986. Nicht zu verwechseln ist er mit dem STOXX Europe 50, der auch Unternehmen aus europäischen Ländern außerhalb der Eurozone enthält.
Auswahl und Gewichtung
Anders als beim Dow Jones entscheidet kein Komitee nach Ermessen – die Auswahl ist regelbasiert. Maßgeblich ist die Marktkapitalisierung bezogen auf den Streubesitz, also nur auf die frei handelbaren Aktien. Die Zusammensetzung wird einmal jährlich im September überprüft, unterjährig greifen Regeln für außerordentliche Anpassungen etwa bei Übernahmen.
Ein wichtiges Detail: Das Gewicht eines Einzelwerts ist bei 10 Prozent gedeckelt. Damit verhindert STOXX, dass ein einzelner Konzern den Index dominiert – ein Mechanismus, den etwa der MSCI World in seiner Standardvariante nicht kennt.
Kursindex oder Performanceindex?
Der Euro Stoxx 50 wird in beiden Varianten berechnet: als Kursindex (ISIN EU0009658145) und als Performanceindex (ISIN EU0009658152). Die Konvention ist dabei genau umgekehrt zum deutschen Leitindex.
| Index | Standardvariante in den Medien | Dividenden enthalten? |
|---|---|---|
| Euro Stoxx 50 | Kursindex | nein |
| DAX 40 | Performanceindex | ja |
| Dow Jones | Kursindex | nein |
| S&P 500 | Kursindex | nein |
Daraus folgt ein Vergleichsfehler, der in der Praxis ständig passiert: Wer die Punktestände des Euro Stoxx 50 und des DAX 40 über zehn oder zwanzig Jahre nebeneinanderlegt, vergleicht einen Index ohne Dividenden mit einem Index inklusive Dividenden. Der DAX sieht dabei systematisch besser aus, als er im direkten Vergleich tatsächlich ist. Korrekt ist nur der Vergleich Performanceindex gegen Performanceindex.
Länder- und Branchenstruktur
Die 50 Werte verteilen sich auf eine überschaubare Zahl von Ländern der Währungsunion. Dominiert wird der Index von Frankreich und Deutschland, gefolgt von den Niederlanden, Spanien und Italien – dort sind schlicht die meisten europäischen Großkonzerne beheimatet.
Branchenseitig liegt der Schwerpunkt auf Industrie, Banken und Versicherungen, Luxusgütern, Energie und Halbleitern. Der Index ist damit deutlich zyklischer aufgestellt als US-Indizes, in denen Software und Plattformgeschäfte dominieren.
Was im Index fehlt
Der wichtigste Kritikpunkt ist die Abgrenzung nach Währung statt nach Kontinent. Weil der Index auf die Eurozone beschränkt ist, fehlen zwei Schwergewichte des europäischen Aktienmarkts vollständig:
- Großbritannien mit Konzernen aus Pharma, Konsumgütern, Energie und Bergbau
- Schweiz mit den Pharmariesen und den großen Nahrungsmittel- und Finanzkonzernen
Wer europäische Aktien wirklich breit abdecken will, ist mit dem STOXX Europe 600 besser bedient. Er enthält 600 Titel aus 17 europäischen Ländern – inklusive UK und Schweiz – und ist dadurch deutlich weniger konzentriert.
Hinzu kommt die reine Titelzahl: 50 Werte sind für einen Regionenindex wenig. Ein Euro-Stoxx-50-ETF ist deshalb ein gezielter Regionen-Baustein, kein Ersatz für ein diversifiziertes Depot.
Wie Anleger investieren können
Auf den Euro Stoxx 50 gibt es zahlreiche ETFs, die zu den ältesten und größten in Europa zählen. Die laufenden Kosten sind entsprechend niedrig, Sparpläne bei Online-Brokern meist ab kleinen Beträgen möglich. Daneben existieren Index-Zertifikate und Derivate, die allerdings ein Emittentenrisiko mitbringen.
Ein praktischer Vorteil für Anleger aus dem Euroraum: Da alle enthaltenen Unternehmen in Euro bilanzieren und notieren, entfällt das Währungsrisiko, das bei US- oder Weltindizes immer mitläuft. Das ist der stärkste sachliche Grund, den Index bewusst beizumischen.
Für die tatsächliche Nettorendite entscheidend bleiben die Depotkonditionen – Ordergebühren, Sparplankosten und Fremdkostenpauschalen unterscheiden sich zwischen Anbietern erheblich.
Fazit
Der Euro Stoxx 50 ist ein sauber konstruierter, regelbasierter Blue-Chip-Index mit einem sinnvollen 10-Prozent-Deckel gegen Klumpenbildung. Als Barometer für die Stimmung in der Eurozone ist er etabliert und aussagekräftig.
Aus Sicht der Marktteilnehmer bleiben zwei Einschränkungen: Die Beschränkung auf die Währungsunion blendet Großbritannien und die Schweiz aus, und 50 Titel sind eine schmale Basis. Als Ergänzung zu einem Weltportfolio ist der Index gut geeignet, als Kern eines Depots nicht.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.