Der MDAX steht seit fast drei Jahrzehnten im Schatten des DAX – zu Unrecht. In ihm stecken die mittelgroßen deutschen Unternehmen, darunter zahlreiche Weltmarktführer aus Maschinenbau, Chemie, Rüstung und Spezialtechnik. Für Anleger ist er der direkteste Zugang zur zweiten Reihe der deutschen Wirtschaft.
Gleichzeitig ist er volatiler als der Leitindex und folgt einem Regelwerk, das viele nicht kennen. Hier die wichtigsten Punkte.
Was ist der MDAX?
Der MDAX (abgeleitet von Mid-Cap-DAX) bildet die Wertentwicklung der 50 größten deutschen Unternehmen ab, die hinsichtlich Streubesitz-Marktkapitalisierung und Orderbuchumsatz auf die 40 Werte des DAX 40 folgen. Er gehört zur DAX-Indexfamilie und wird an der Frankfurter Börse über Xetra berechnet.
Eingeführt wurde er am 19. Januar 1996, acht Jahre nach dem DAX. Die Indexbasis liegt jedoch – wie bei DAX und SDAX – bei 1.000 Punkten zum 30. Dezember 1987, mit Rückrechnung bis zu diesem Datum. Dadurch sind die drei Indizes über den gesamten Zeitraum direkt vergleichbar.
Wie beim DAX ist in den Medien üblicherweise der Performanceindex gemeint, der Dividenden einrechnet. Ein Kursindex wird parallel berechnet, spielt in der Berichterstattung aber kaum eine Rolle.
Die Größe des Index hat mehrfach gewechselt
| Zeitraum | Anzahl Werte | Anlass |
|---|---|---|
| 1996 bis 2003 | 70 | Einführung |
| März 2003 bis 2018 | 50 | Neugestaltung der Indexfamilie |
| September 2018 bis 2021 | 60 | Aufnahme bisheriger reiner TecDAX-Werte |
| seit September 2021 | 50 | DAX-Erweiterung von 30 auf 40 Werte |
Der letzte Schritt ist der wichtigste für das Verständnis: Als der DAX 2021 von 30 auf 40 Werte erweitert wurde, stiegen zehn Unternehmen aus dem MDAX auf. Der Index verlor damit auf einen Schlag einen erheblichen Teil seiner Marktkapitalisierung – ein Bruch, der bei Langfristvergleichen zu beachten ist.
Auswahlregeln: 100/100, Fast Entry und Fast Exit
Die Zusammensetzung wird viermal jährlich überprüft – im März, Juni, September und Dezember. Maßgeblich sind zwei Kennzahlen: die Marktkapitalisierung des Streubesitzes und der Orderbuchumsatz an der Xetra.
Für den Verbleib gilt die 100/100-Regel: Ein Wert scheidet aus, wenn er in beiden Kennzahlen nicht mehr zu den 100 größten Titeln hinter dem DAX zählt. Daneben greifen die weiter gefassten Regeln Fast Entry (85/85) und Fast Exit (105/105), über die Unternehmen auch außerplanmäßig auf- oder absteigen können.
Entscheidend ist dabei ausschließlich der Streubesitz. Ein Familienunternehmen mit hohem Börsenwert, von dem nur ein kleiner Teil frei handelbar ist, kann deshalb trotz Größe unterhalb der Aufnahmeschwelle bleiben. Diese Systematik unterscheidet den MDAX grundlegend vom kursgewichteten Dow Jones, bei dem ein Komitee frei entscheidet.
MDAX, DAX und SDAX im Vergleich
| DAX 40 | MDAX | SDAX | |
|---|---|---|---|
| Werte | 40 | 50 | 70 |
| Segment | Large Caps | Mid Caps | Small Caps |
| Standardvariante | Performanceindex | Performanceindex | Performanceindex |
| Basis | 1.000 Punkte (30.12.1987) | 1.000 Punkte (30.12.1987) | 1.000 Punkte (30.12.1987) |
| Schwankungsbreite | moderat | höher | am höchsten |
Die gemeinsame Indexbasis ist für Anleger praktisch: Weil alle drei Indizes zum selben Stichtag bei 1.000 Punkten starteten, lässt sich ihre Entwicklung über Jahrzehnte direkt nebeneinanderlegen, ohne umrechnen zu müssen.
Warum Mid Caps stärker schwanken
MDAX-Unternehmen sind im Schnitt konjunktursensibler als DAX-Konzerne. Sie haben oft eine engere Produktpalette, eine geringere geografische Streuung und weniger Spielraum, um Nachfrageeinbrüche in einem Markt anderswo auszugleichen. In Abschwüngen trifft es sie deshalb härter.
In Aufschwungphasen wirkt derselbe Hebel umgekehrt: Wachstumsschübe schlagen bei mittelgroßen Unternehmen prozentual stärker durch als bei einem breit diversifizierten Konzern. Hinzu kommt eine geringere Handelsliquidität, die Kursausschläge verstärkt.
Ein weiterer Punkt, den Anleger häufig übersehen: Der MDAX ist ein rein deutscher Index. Wer ihn zu einem Depot hinzufügt, das bereits einen DAX-Anteil enthält, erhöht damit das Länderrisiko deutlich – im Unterschied zu einem global gestreuten Baustein wie dem MSCI World.
Wie Anleger in den MDAX investieren
Es gibt mehrere ETFs auf den MDAX, allerdings deutlich weniger als auf den DAX. Die laufenden Kosten liegen meist etwas höher als bei den großen Standardindizes, was an der geringeren Fondsgröße und den höheren Handelskosten der Mid Caps liegt. Sparpläne sind bei den gängigen Online-Brokern verfügbar.
Alternativ lassen sich Einzelwerte gezielt kaufen. Das ist im Mid-Cap-Segment verbreiteter als bei Blue Chips, weil hier noch echte Bewertungsunterschiede zu finden sind – erfordert aber deutlich mehr Analyse und ein Depot, das Einzeltitelrisiken verkraftet.
In beiden Fällen gilt: Ordergebühren, Sparplankosten und Fremdkostenpauschalen des Depots wirken sich unmittelbar auf die Nettorendite aus und unterscheiden sich zwischen Anbietern erheblich.
Fazit
Der MDAX ist ein klar geregelter, transparenter Index für das deutsche Mid-Cap-Segment mit quartalsweiser Überprüfung und nachvollziehbaren Auf- und Abstiegskriterien. Er bietet Zugang zu Unternehmen, die im DAX keinen Platz finden, in ihren Nischen aber oft global führend sind.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist er eine Beimischung, kein Kern: höhere Schwankungen, volle Konzentration auf einen einzigen Wirtschaftsraum und eine enge Kopplung an die deutsche Konjunktur. Wer diese Wette bewusst eingehen will, findet hier den passenden Index – wer Stabilität sucht, sollte zuerst die globale Basis aufbauen.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.