Boeing ist neben Airbus der einzige Hersteller großer Verkehrsflugzeuge weltweit – ein Duopol, das kaum angreifbar ist. Trotzdem gehört die Aktie zu den problematischsten Werten im Dow Jones. Der Grund liegt in einer Serie von Krisen, die das Unternehmen seit 2019 nicht loslässt.
Unternehmensprofil
| Unternehmen | The Boeing Company |
| Ticker | BA (NYSE) |
| Sitz | Arlington, Virginia, USA |
| Gegründet | 1916 |
| Branche | Luft- und Raumfahrt |
Das Geschäft steht auf drei Säulen. Commercial Airplanes baut Verkehrsflugzeuge, vor allem die Baureihen 737, 787 und 777. Defense, Space and Security liefert Militärflugzeuge, Hubschrauber, Satelliten und Raumfahrttechnik. Global Services übernimmt Wartung, Ersatzteile und Schulung – die stabilste und margenstärkste Sparte.
Die Auftragsbücher reichen Jahre in die Zukunft. Bei Boeing ist deshalb nicht die Nachfrage das Problem, sondern die Fähigkeit, die bestellten Maschinen in ausreichender Zahl und Qualität auszuliefern.
Indexzugehörigkeit
Boeing ist Mitglied im Dow Jones Industrial Average und im S&P 500, über die USA-Gewichtung auch im MSCI World.
Im Dow war Boeing über Jahre der schwerste Wert überhaupt – wegen der Preisgewichtung, die allein auf den nominalen Aktienkurs abstellt. Als der Kurs nach 2019 einbrach, sank dieses Gewicht entsprechend. Der Fall zeigt exemplarisch, wie stark die Konstruktion des Dow einzelne Kursverläufe verstärkt.
Kursverlauf
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Dividende
Boeing hat die Dividende im März 2020 ausgesetzt und seitdem nicht wieder aufgenommen. Zuvor galt der Konzern als verlässlicher Zahler mit langer Steigerungshistorie.
Auch die Aktienrückkäufe wurden gestoppt. Hintergrund sind die hohe Verschuldung und negative Mittelzuflüsse in mehreren Jahren. Eine Wiederaufnahme setzt voraus, dass der Konzern dauerhaft freien Cashflow erwirtschaftet und die Schulden zurückführt – das ist eine Frage von Jahren, nicht Quartalen.
Für Einkommensanleger ist Boeing damit ungeeignet. Die Aktie ist eine reine Wette auf die operative Erholung.
Was den Kurs bewegt
Auslieferungszahlen. Die wichtigste Kennzahl überhaupt. Boeing erhält den Großteil des Kaufpreises erst bei Übergabe der Maschine. Jede Produktionsstörung verschiebt Einnahmen unmittelbar in die Zukunft.
Aufsichtsbehörden. Nach den beiden Abstürzen der 737 MAX 2018 und 2019 und weiteren Qualitätsvorfällen steht die Produktion unter besonderer Beobachtung der US-Luftfahrtbehörde FAA. Produktionsobergrenzen begrenzen direkt den möglichen Umsatz.
Zulieferkette und Arbeitskonflikte. Ein Streik legt die Fertigung still, ein ausgefallener Zulieferer ebenso. Beides hat in den vergangenen Jahren wiederholt zu Produktionsunterbrechungen geführt.
Rüstungsaufträge. Die Verteidigungssparte wirkt als Gegengewicht zur Zivilluftfahrt: Sie hängt an Regierungsbudgets statt an der Reisenachfrage und stabilisiert das Ergebnis in Phasen schwacher Auslieferungen.
Einordnung
Boeing besitzt eine Marktposition, die praktisch nicht angreifbar ist: Neue Wettbewerber im Großraumflugzeugbau sind wegen der Zulassungshürden und Kapitalanforderungen auf Jahrzehnte unwahrscheinlich. Die Auftragsbestände sichern Beschäftigung weit in die Zukunft.
Aus Sicht der Marktteilnehmer steht dem ein Unternehmen gegenüber, das über Jahre Geld verloren, keine Dividende gezahlt und erhebliche Schulden aufgebaut hat. Wer die Aktie beurteilen will, sollte monatliche Auslieferungszahlen und freien Cashflow verfolgen – nicht die Auftragseingänge, die ohnehin gut aussehen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Nachfrage besteht, sondern ob Boeing sie bedienen kann.
Dieses Portrait dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.