Der japanische Yen hat in dieser Woche kräftig zugelegt und markiert damit einen der stärksten Kursstände seit Wochen. Der Grund: Die Bank of Japan (BOJ) könnte auf ihrer Sitzung am 17. und 18. September den Leitzins anheben – und die Märkte nehmen das ernst. Für Anleger, die auf Fremdwährungen, japanische Aktien oder international gestreute ETF-Sparpläne setzen, ist das mehr als eine Randnotiz.
Was gerade passiert
Der Yen hat sich deutlich von seinem Vier-Jahrzehnte-Tief nahe der Marke von 164 Yen je US-Dollar erholt, nachdem Japans Finanzministerium im Sommer mit einer Rekord-Intervention am Devisenmarkt eingegriffen hatte. Seither preisen Händler eine steigende Wahrscheinlichkeit ein, dass die BOJ ihren geldpolitischen Kurs weiter strafft. Diese Erwartungshaltung allein hat gereicht, um den Yen spürbar zu bewegen, noch bevor überhaupt eine Entscheidung gefallen ist.
Der Weg zu diesem Punkt
Die aktuelle Situation ist das Ergebnis eines längeren geldpolitischen Kurswechsels. Nach Jahren der Nullzinspolitik hat die BOJ seit 2024 in mehreren Schritten angehoben – zunächst auf 0,25 Prozent, dann schrittweise weiter bis auf zuletzt 1,0 Prozent, den höchsten Stand seit 1995. Bei mehreren Sitzungen gab es bereits Gegenstimmen aus dem eigenen Rat, die für eine schnellere Gangart plädierten. Diese schrittweise Normalisierung war stets von der Sorge begleitet, die japanische Wirtschaft könnte eine zu schnelle Straffung nicht verkraften – ein Balanceakt, der die BOJ bislang eher vorsichtig hat agieren lassen.
Der Termin: 17./18. September
Laut Berichten von Bloomberg rechnen die Märkte nun mit einer Anhebung um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent – das wäre der höchste japanische Leitzins seit 2008. Die BOJ hatte den Zins zuletzt im Sommer bei 1,0 Prozent belassen, allerdings bereits mit einer Gegenstimme aus dem eigenen Rat, die für eine sofortige Anhebung plädierte.
Die Falken im BOJ-Rat
BOJ-Ratsmitglied Hajime Takata, einer der geldpolitischen Falken der Notenbank, hat öffentlich die Möglichkeit einer größeren oder sogar aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen ins Spiel gebracht. Auch Notenbankgouverneur Kazuo Ueda hat zuletzt betont, dass die Aufwärtsrisiken für die Inflation zunehmen – ein deutliches Signal, dass die Notenbank zum Handeln bereit ist. Die japanische Kerninflation lag zuletzt mehrere Monate in Folge über dem Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank, getrieben unter anderem von steigenden Löhnen und höheren Rohstoffpreisen.
Druck aus Washington
Auch politisch steigt der Druck: US-Finanzminister Scott Bessent macht seit Wochen deutlich, dass er von Tokio eine straffere Geldpolitik erwartet, um den Yen zu stärken. Er traf BOJ-Gouverneur Ueda zuletzt persönlich am Rande eines G20-Treffens und äußerte öffentlich sein Vertrauen darauf, dass Japans Regierung und Notenbank die „richtigen“ Schritte einleiten werden. Diese Kombination aus innenpolitischem Handlungsdruck und außenpolitischer Erwartungshaltung macht die kommende Sitzung zu einer der meistbeachteten des Jahres.
Reaktionen an den Märkten
Ein stärkerer Yen wirkt sich nicht nur auf den Wechselkurs aus. Japanische Exportunternehmen, deren Gewinne bei einem schwachen Yen tendenziell steigen, reagieren auf Zinserhöhungs-Spekulationen erfahrungsgemäß empfindlich. Gleichzeitig sind sogenannte Yen-Carry-Trades relevant: Viele institutionelle Anleger haben sich in den vergangenen Jahren günstig in Yen verschuldet, um in höher verzinste Anlagen andernorts zu investieren. Steigt der japanische Leitzins, verteuert sich diese Strategie – ein Effekt, der in der Vergangenheit bereits zu spürbaren Bewegungen an den globalen Aktienmärkten geführt hat.
Einordnung
Aus Bankkaufmann-Sicht ist bemerkenswert, wie stark Notenbank-Kommunikation und Wechselkurs mittlerweile zusammenhängen: Schon die bloße Aussicht auf eine Zinserhöhung bewegt den Yen stärker als so manche tatsächliche Entscheidung in der Vergangenheit. Für Anleger mit Fremdwährungspositionen oder international ausgerichteten ETF-Sparplänen lohnt sich in den kommenden Tagen ein genauer Blick auf die Notenbank-Kommunikation aus Tokio – Überraschungen in die eine wie die andere Richtung sind nicht ausgeschlossen. Wer in seinem Portfolio japanische Werte oder währungsgesicherte Fonds hält, sollte sich bewusst machen, dass die Volatilität rund um den 17. und 18. September spürbar höher ausfallen könnte als an einem gewöhnlichen Handelstag. Kurzfristige Kursschwankungen sind dabei kein Grund zur Panik, sondern eher ein Anlass, die eigene Strategie noch einmal in Ruhe zu überprüfen.
