Die CME Group in Chicago ist die größte Terminbörse der Welt. Dort entstehen die Referenzpreise für Weizen, Rohöl, Kupfer und Gold – und dort handeln Banken ihre Erwartungen an die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank.
Das Wichtigste in Kürze
| Land | 🇺🇸 USA |
| Sitz | Chicago |
| Entstanden | 2007 aus Chicago Mercantile Exchange und Chicago Board of Trade |
| Ursprung | Getreidehandel, CBOT gegründet 1848 |
| Gehandelt | Terminkontrakte und Optionen auf Rohstoffe, Zinsen, Indizes, Währungen |
| Handelszeiten | nahezu rund um die Uhr, sonntags bis freitags |
| Bekannte Märkte | COMEX für Metalle, NYMEX für Energie |
Warum Chicago
Im 19. Jahrhundert war Chicago der Umschlagplatz für das Getreide des Mittleren Westens. Bauern und Händler standen vor demselben Problem: Zur Ernte fiel der Preis, im Frühjahr stieg er. 1848 gründeten sie das Chicago Board of Trade, um Lieferungen im Voraus zu vereinbaren.
Aus diesen Vorverträgen entwickelten sich standardisierte Terminkontrakte mit festen Mengen, Qualitäten und Lieferterminen. Das Prinzip ist bis heute dasselbe – nur die Basiswerte haben sich erweitert.
Die vier Marktbereiche
| Markt | Inhalt | Bekannte Kontrakte |
|---|---|---|
| CME | Zinsen, Indizes, Währungen, Vieh | Terminkontrakte auf den S&P 500 |
| CBOT | Agrarrohstoffe und Staatsanleihen | Weizen, Mais, Sojabohnen |
| NYMEX | Energie | Rohöl der Sorte WTI, Erdgas |
| COMEX | Metalle | Gold, Silber, Kupfer |
Für Anleger ist die COMEX der wichtigste Teil: Dort entsteht der amerikanische Referenzpreis für Gold. Anders als an der Shanghai Gold Exchange werden über 95 Prozent der Kontrakte bar abgerechnet – physische Lieferung ist die Ausnahme.
Wie ein Terminkontrakt funktioniert
Ein Future verpflichtet beide Seiten: Der eine liefert zu einem festen Termin zu einem festen Preis, der andere nimmt ab. Beim Abschluss fließt kein Kaufpreis, sondern nur eine Sicherheitsleistung – meist wenige Prozent des Kontraktwerts.
Daraus entsteht der Hebel: Mit wenig Kapital lässt sich eine große Position steuern. Bewegt sich der Preis gegen die Position, fordert die Börse täglich Nachschuss. Wer nicht zahlt, wird glattgestellt.
Für Privatanleger sind Futures deshalb selten geeignet. Der Hebel wirkt in beide Richtungen, und Verluste können die eingesetzte Sicherheit übersteigen.
Die Rolle der Clearingstelle
Bei jedem Abschluss tritt die Börse zwischen die Parteien: Sie wird zum Käufer für jeden Verkäufer und zum Verkäufer für jeden Käufer. Fällt ein Teilnehmer aus, springt sie ein.
Abgesichert wird das über Sicherheitsleistungen, tägliche Verrechnung der Gewinne und Verluste sowie einen gemeinsamen Ausfallfonds der Mitglieder. Dieses Verfahren erklärt, warum der Terminhandel auch in Krisen funktioniert hat, während außerbörsliche Geschäfte 2008 reihenweise scheiterten.
Für Anleger ist das indirekt relevant: Die Zuverlässigkeit dieser Abwicklung ist der Grund, warum sich die Chicagoer Preise als globale Referenz durchgesetzt haben.
Zinserwartungen aus Chicago
Neben Rohstoffen werden dort Terminkontrakte auf amerikanische Leitzinsen gehandelt. Aus ihren Preisen lässt sich ablesen, welche Zinsschritte der Markt für die kommenden Sitzungen der Notenbank erwartet.
Diese abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten werden täglich in Finanznachrichten zitiert. Sie sind keine Prognose der Notenbank, sondern die kollektive Erwartung der Marktteilnehmer – und ändern sich mit jeder Konjunkturzahl. Wie Zinsentscheidungen wirken, beschreibt der Beitrag zum Leitzins.
Wozu die Preise dienen
Die in Chicago festgestellten Notierungen sind weltweite Bezugsgrößen. Eine Mühle in Europa kalkuliert mit dem Weizenpreis des CBOT, eine Raffinerie mit dem Ölpreis der NYMEX, ein Schmuckhersteller mit dem Goldpreis der COMEX.
Auch Anleger begegnen diesen Kursen täglich, ohne es zu merken: Wenn Nachrichten vom Ölpreis berichten, meinen sie meist den nächstfälligen WTI-Kontrakt aus Chicago. Eine Übersicht der Rohstoffe bietet die Rubrik Rohstoffe.
Wer dort handelt
| Gruppe | Motiv |
|---|---|
| Erzeuger | sichern künftige Ernten oder Fördermengen zu heutigen Preisen ab |
| Verarbeiter | sichern Einkaufspreise für Rohstoffe |
| Banken und Fonds | handeln Zins- und Preiserwartungen |
| Handelsfirmen | stellen Liquidität und verdienen an kleinen Spannen |
| Indexfonds | bilden Rohstoffindizes über Terminkontrakte ab |
Die ersten beiden Gruppen sind der ursprüngliche Zweck der Börse: Absicherung. Ein Landwirt, der im Frühjahr den Herbstpreis fixiert, kann kalkulieren – unabhängig davon, wie der Markt sich später entwickelt.
Die übrigen Teilnehmer machen diese Absicherung erst möglich, weil jemand die Gegenseite übernehmen muss. Ohne sie gäbe es zu wenige Kontrakte, um die Preise verlässlich zu stellen.
Der Rollverlust bei Rohstoffprodukten
Wer über einen ETC oder Fonds in Rohstoffe investiert, hält meist keine Ware, sondern Terminkontrakte. Läuft ein Kontrakt aus, wird in den nächsten gewechselt – das Rollen.
Ist der spätere Kontrakt teurer als der auslaufende, kostet jeder Wechsel Geld. Über Jahre kann dieser Effekt die Rendite stärker beeinflussen als die Preisentwicklung des Rohstoffs selbst. Bei physisch hinterlegten Produkten wie Gold-ETCs entfällt er, weil dort echtes Metall lagert – siehe Gold.
Häufige Fragen
Kann ich als Privatanleger dort handeln?
Technisch ja, über spezialisierte Broker. Sinnvoll ist es selten – schon ein einzelner Goldkontrakt umfasst 100 Unzen. Für die meisten Anleger sind ETCs oder Fonds der passendere Weg.
Was bedeutet Rollen eines Kontrakts?
Terminkontrakte laufen aus. Wer die Position halten will, muss in den nächsten Termin wechseln. Je nach Marktlage kostet das Geld oder bringt welches ein – ein Effekt, der die Rendite von Rohstoffprodukten erheblich beeinflusst.
Einordnung
Die CME Group ist keine Aktienbörse, sondern die Preisfindungsstelle für die Rohstoffe und Zinsen der Weltwirtschaft.
Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt der Blick dorthin auch ohne eigenen Terminhandel: Die dortigen Kurse zeigen, was der Markt für die kommenden Monate erwartet – bei Zinsen ebenso wie beim Öl. Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Seite Handelsplätze.
Quellen
- CME Group, Kontraktspezifikationen und Handelszeiten
- Commodity Futures Trading Commission – Aufsicht über den amerikanischen Terminhandel
Stand: 25. September 2026. Terminkontrakte bergen durch den Hebel besondere Risiken, Verluste können die Einlage übersteigen. Keine Anlageberatung.