Die European Energy Exchange in Leipzig ist keine Aktienbörse, sondern der Handelsplatz für Strom, Gas und Emissionsrechte. Die dort festgestellten Preise bestimmen mit, was Haushalte und Unternehmen für Energie zahlen.
Das Wichtigste in Kürze
| Land | 🇩🇪 Deutschland |
| Sitz | Leipzig |
| Gegründet | 2002 aus den Strombörsen Leipzig und Frankfurt |
| Eigentümer | mehrheitlich Deutsche Börse |
| Gehandelt | Strom, Gas, Emissionsrechte, Fracht, Agrarprodukte |
| Bedeutung | führende Energiebörse Europas |
| Zugang | Unternehmen und Händler, nicht für Privatanleger |
Was dort gehandelt wird
| Markt | Inhalt | Bedeutung |
|---|---|---|
| Spotmarkt Strom | Lieferung für den nächsten Tag oder innerhalb des Tages | bestimmt den kurzfristigen Strompreis |
| Terminmarkt Strom | Lieferung Monate oder Jahre im Voraus | Grundlage der Preise in Lieferverträgen |
| Gas | Spot- und Terminhandel | Referenz für europäische Gaspreise |
| Emissionsrechte | Zertifikate des EU-Handelssystems | Preis für den Ausstoß einer Tonne CO2 |
| Agrarprodukte | Milch, Kartoffeln und weitere | Absicherung für Erzeuger |
Der Spotmarkt für Strom ist der bekannteste Teil. Dort wird für jede Stunde des Folgetags ein Preis ermittelt – aus Angebot und Nachfrage. Weht viel Wind und scheint die Sonne, fällt er; bei Flaute und hoher Last steigt er.
Wie der Strompreis für den Folgetag entsteht
Jeden Mittag geben Erzeuger und Abnehmer ihre Gebote für die 24 Stunden des nächsten Tages ab. Für jede Stunde wird ein eigener Preis ermittelt.
| Schritt | Was geschieht |
|---|---|
| Gebote | Erzeuger nennen Mengen und Mindestpreise, Abnehmer Mengen und Höchstpreise |
| Sortierung | die Angebote werden nach Preis geordnet, von günstig nach teuer |
| Schnittpunkt | wo Angebot und Nachfrage sich treffen, entsteht der Preis |
| Einheitspreis | alle Erzeuger erhalten diesen Preis, auch die günstigeren |
Der letzte Punkt erklärt ein oft kritisiertes Prinzip: Das teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle. Das setzt Anreize, günstig zu produzieren – führt aber dazu, dass ein hoher Gaspreis den gesamten Strompreis hebt, auch wenn der Strom aus Wind stammt.
Geschichte
Vor der Liberalisierung des Strommarkts gab es keinen Börsenhandel: Versorger belieferten ihre Gebiete zu regulierten Preisen. Mit der Öffnung des Markts entstanden 2000 zwei konkurrierende Strombörsen in Leipzig und Frankfurt, die 2002 zur EEX fusionierten.
Seither ist die Börse gewachsen – durch Zukäufe in Frankreich, den Niederlanden, Österreich und den USA sowie durch neue Produktbereiche wie Fracht und Agrarprodukte. Mehrheitseigentümerin ist die Deutsche Börse, die auch Xetra betreibt.
Warum negative Strompreise entstehen
Gelegentlich sinkt der Preis unter null – Abnehmer bekommen dann Geld dafür, Strom zu verbrauchen. Das klingt widersinnig, hat aber einen technischen Grund.
Manche Kraftwerke lassen sich nicht kurzfristig abschalten, und erneuerbare Anlagen produzieren, wenn Wind und Sonne da sind. Übersteigt das Angebot die Nachfrage, ist es für Betreiber günstiger, für die Abnahme zu zahlen, als die Anlage herunterzufahren.
Solche Stunden häufen sich mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Sie sind ein Hinweis darauf, dass Erzeugung und Verbrauch zeitlich auseinanderfallen – das Kernproblem der Energiewende.
Der CO2-Preis
Über die EEX werden die Zertifikate des europäischen Emissionshandels versteigert. Wer in Industrie oder Energiewirtschaft CO2 ausstößt, muss für jede Tonne ein Zertifikat vorlegen.
Die Menge ist politisch begrenzt und sinkt jährlich. Der Preis entsteht am Markt – und beeinflusst, welche Kraftwerke sich noch lohnen. Ein hoher CO2-Preis verteuert Kohlestrom stärker als Gasstrom.
Woraus sich der Strompreis zusammensetzt
| Bestandteil | Anteil an der Rechnung |
|---|---|
| Beschaffung und Vertrieb | der an der Börse gebildete Preis plus Marge |
| Netzentgelte | Kosten für Transport und Verteilung |
| Steuern und Abgaben | Stromsteuer, Umsatzsteuer, Umlagen |
| Konzessionsabgabe | Entgelt an die Kommune für die Wegenutzung |
Der Börsenpreis macht damit nur einen Teil der Rechnung aus. Selbst kräftige Bewegungen am Markt schlagen deshalb gedämpft auf die Verbraucherpreise durch – und mit Verzögerung, weil Versorger langfristig einkaufen.
Was der Terminmarkt verrät
Am Terminmarkt wird Strom für künftige Jahre gehandelt. Diese Preise zeigen, was der Markt mittelfristig erwartet – und sind die Grundlage, auf der Versorger ihre Tarife kalkulieren.
Wer wissen möchte, ob Strom in zwei Jahren teurer wird, findet dort einen belastbareren Hinweis als in Prognosen: Es sind Preise, zu denen tatsächlich Verträge geschlossen werden.
Für Anleger
Ein direkter Zugang besteht nicht: Die EEX ist ein Markt für Unternehmen, Versorger und Händler. Privatanleger können sich dem Thema nur indirekt nähern – über Aktien von Versorgern oder über Zertifikate auf Energiepreise.
Interessant sind die Daten dennoch. Wer wissen will, warum ein Versorger gute oder schlechte Zahlen meldet, findet in den Termin- und Spotpreisen der EEX die Erklärung. Eine Übersicht der Rohstoffe bietet die Rubrik Rohstoffe.
Häufige Fragen
Bestimmt die EEX meinen Strompreis?
Nur zum Teil. Der Börsenpreis ist ein Bestandteil; hinzu kommen Netzentgelte, Steuern und Abgaben, die den größeren Teil der Rechnung ausmachen.
Kann ich Emissionsrechte kaufen?
Nicht direkt an der Börse. Es gibt Zertifikate von Banken, die den Preis abbilden – mit den üblichen Risiken solcher Produkte.
Einordnung
Die EEX ist eine Börse, deren Preise fast jeden betreffen, die aber kaum jemand direkt nutzt.
Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt der Blick auf ihre Notierungen vor allem bei Versorgeraktien und energieintensiven Industriewerten – dort entscheiden diese Preise über die Margen. Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Seite Handelsplätze.
Quellen
- European Energy Exchange, Marktbereiche und Produkte
- Bundesnetzagentur – Daten zu Strommarkt und Preisbestandteilen
- Europäische Kommission – Emissionshandelssystem
Stand: 25. September 2026. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.