Benzinpreis: Aktuelle Kraftstoffpreise und wie er sich zusammensetzt

von user

Der Benzinpreis setzt sich zu mehr als der Hälfte aus Steuern zusammen. Was an der Zapfsäule steht, hängt deshalb nur zum Teil vom Ölmarkt ab – und schwankt im Tagesverlauf um mehrere Cent.

Aktuelle Kraftstoffpreise

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Quelle: Tankerkönig / Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K), Lizenz CC BY 4.0. Durchschnitt der geöffneten Tankstellen im Stadtumkreis.

Woraus sich der Preis zusammensetzt

Bei einem Literpreis von rund 1,75 Euro für Super E10 verteilen sich die Bestandteile ungefähr so:

BestandteilAnteilBemerkung
Energiesteuer65,45 Centfester Betrag je Liter, unabhängig vom Ölpreis
Mehrwertsteuer19 % auf allesalso auch auf die Energiesteuer
CO₂-Abgaberund 15 Centsteigt schrittweise weiter
Produkt und Rohöl35 bis 50 Centfolgt dem Ölpreis
Transport, Lager, Marge8 bis 15 CentAnteil der Tankstelle

Wie sich die Energiesteuer aufschlüsselt

Die Energiesteuer ist ein fester Betrag je Liter und ändert sich nicht mit dem Ölpreis. Sie besteht aus zwei historischen Schichten:

BestandteilBenzinDiesel
Mineralölsteuer (Stand 1998)50,11 Cent31,70 Cent
Ökosteuer-Stufen 1999 bis 200315,34 Cent15,34 Cent
Energiesteuer gesamt65,45 Cent47,04 Cent

Die Ökosteuer ist keine eigene Abgabe. Sie steht nicht neben der Energiesteuer, sondern ist vollständig in ihr aufgegangen – auf keiner Tankquittung taucht sie getrennt auf. Bei beiden Kraftstoffen fiel die Erhöhung mit 15,34 Cent identisch aus.

Der Unterschied von 18,41 Cent zwischen Benzin und Diesel stammt aus dem niedrigeren Grundbetrag und wird als Dieselprivileg bezeichnet. Ursprünglich sollte er den gewerblichen Güterverkehr entlasten; seit Jahren wird über seine Abschaffung diskutiert.

Auf die Energiesteuer wird zusätzlich die Mehrwertsteuer erhoben. Bei Benzin sind das weitere 12,44 Cent allein auf die Steuer – zusammen knapp 78 Cent, bevor überhaupt Kraftstoff im Preis enthalten ist.

Die Besonderheit: Die Mehrwertsteuer wird auf den Gesamtbetrag erhoben – also auch auf die Energiesteuer. Der Staat besteuert damit seine eigene Steuer. Zusammen machen Abgaben rund 55 bis 60 Prozent des Literpreises aus.

Das erklärt, warum der Preis an der Säule weniger stark schwankt als der Rohölpreis: Der größte Teil ist ein fester Betrag, der sich nicht bewegt.

Die Ökosteuer: Woher die hohe Energiesteuer stammt

Die heutige Energiesteuer von 65,45 Cent je Liter Benzin ist zu einem erheblichen Teil das Ergebnis der ökologischen Steuerreform, die 1999 begann.

StufeErhöhung je LiterSumme
April 19996 Pfennigrund 3 Cent
Januar 20006 Pfennigrund 6 Cent
Januar 20016 Pfennigrund 9 Cent
Januar 20026 Pfennigrund 12 Cent
Januar 20033,07 Cent15,35 Cent gesamt

In fünf Stufen stieg die Mineralölsteuer damit um gut 15 Cent je Liter. Seit 2003 wurde der Satz nicht mehr erhöht – die Energiesteuer ist seither unverändert.

Der eigentliche Zweck war nicht der Umweltschutz allein: Die Einnahmen flossen überwiegend in die Rentenversicherung, um die Beitragssätze zu senken. Der Beitrag sank dadurch um etwa 1,7 Prozentpunkte. Die Ökosteuer war damit ebenso sehr Sozial- wie Umweltpolitik.

Weil es sich um einen festen Betrag je Liter handelt, verliert die Steuer durch die Inflation an Gewicht: Real ist die Belastung heute niedriger als 2003.

Die CO₂-Abgabe: Seit 2021 und weiter steigend

Am 1. Januar 2021 kam eine zweite Abgabe hinzu. Grundlage ist das Brennstoffemissionshandelsgesetz von Dezember 2019, das einen nationalen Handel mit Emissionszertifikaten einführte.

Anders als die Energiesteuer richtet sie sich nach dem CO₂-Ausstoß: Ein Liter Benzin setzt rund 2,37 Kilogramm frei, ein Liter Diesel rund 2,65 Kilogramm. Deshalb belastet sie Diesel stärker.

Die Entwicklung im Überblick

JahrPreis je Tonne CO₂Aufschlag je Liter Benzin
202125 €rund 7 Cent
202230 €rund 8 Cent
202330 €rund 8 Cent
202445 €rund 11 Cent
202555 €rund 13 Cent
202655 bis 65 € (Versteigerung)13 bis 15 Cent
2027voraussichtlich unverändert13 bis 15 Cent
ab 2028europäischer Handel, frei am Marktoffen

Was sich 2026 geändert hat: Der feste Preis wurde durch eine Versteigerung ersetzt. Die Zertifikate werden an der Leipziger Energiebörse EEX innerhalb eines Korridors von 55 bis 65 Euro je Tonne gehandelt.

Bei den ersten Auktionen wurde durchgehend der Höchstpreis von 65 Euro erreicht – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage die Menge übersteigt. Wer dort nicht zum Zug kommt, kann Zertifikate zum Festpreis von 68 Euro nachkaufen.

Die Erhöhung für 2027 wurde ausgesetzt

Ursprünglich sollte der Preis 2027 an den europäischen Emissionshandel gekoppelt werden. Am 12. August 2026 beschloss das Kabinett jedoch, den Korridor von 55 bis 65 Euro beizubehalten.

Der Grund liegt in Brüssel: Der europäische Handel für Verkehr und Gebäude, der 2027 starten sollte, wurde auf 2028 verschoben. Die Beratungen im Bundestag laufen im Herbst 2026.

Ab 2028 wird es unberechenbar

Mit dem Start des europäischen Systems endet die nationale Preissteuerung. Der Preis bildet sich dann frei an der Börse – ohne Ober- und Untergrenze.

Prognosen für 2030 reichen von 120 bis 150 Euro je Tonne. Das entspräche einem Aufschlag von 28 bis 36 Cent je Liter Benzin, also gut das Doppelte des heutigen Betrags.

Für einen Haushalt mit 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung und acht Litern Verbrauch je hundert Kilometer bedeutet das eine Mehrbelastung von rund 180 Euro gegenüber heute.

Zum Klimageld: Als Ausgleich war eine Rückzahlung an die Bürger vorgesehen. Ausgezahlt wurde sie bis heute nicht.

Der Zusammenhang mit dem Ölpreis

Als Faustregel gilt: Steigt Rohöl um zehn Dollar je Barrel, verteuert sich der Kraftstoff um vier bis sechs Cent je Liter – mit zwei bis sechs Wochen Verzögerung.

Hinzu kommt der Wechselkurs. Öl wird in Dollar gehandelt, getankt wird in Euro. Ein schwächerer Euro verteuert den Kraftstoff, auch wenn der Ölpreis unverändert bleibt – Hintergründe im Beitrag zum Euro-Dollar-Kurs.

Die dritte Größe sind die Raffineriemargen. Sind Kapazitäten knapp oder stehen Anlagen für Wartungen still, steigt der Aufschlag auf den Rohölpreis unabhängig vom Ölmarkt.

Die Zwölf-Uhr-Regel

Seit April 2026 gilt in Deutschland das sogenannte Österreich-Modell: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich anheben, und zwar um zwölf Uhr. Senkungen bleiben jederzeit möglich.

Vorher waren zwanzig und mehr Preisänderungen am Tag üblich. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 100.000 Euro.

Für Autofahrer bedeutet das: Der Preis kann im Tagesverlauf nur noch fallen, nicht steigen. Der späte Abend bleibt damit die günstigste Zeit, während der frühe Morgen seinen bisherigen Vorteil verloren hat.

Wann Tanken am günstigsten ist

ZeitpunktPreisniveau
Früher Morgenhoch, da noch der Vortagespreis gilt
Vormittagfallend
MittagAnhebung um zwölf Uhr möglich
Nachmittaguneinheitlich
Abend zwischen 18 und 22 Uhrmeist am günstigsten

Der Unterschied zwischen teuerster und günstigster Tageszeit liegt bei zehn bis fünfzehn Cent je Liter. Bei einer Tankfüllung von fünfzig Litern sind das fünf bis sieben Euro.

Größer ist oft der Unterschied zwischen den Tankstellen selbst: Autobahntankstellen verlangen regelmäßig zwanzig bis dreißig Cent mehr je Liter als Stationen wenige Kilometer abseits.

Woher die Daten stammen

Tankstellenbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, jede Preisänderung in Echtzeit an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt zu melden.

Diese Stelle betreibt selbst keinen Dienst für Verbraucher, sondern gibt die Daten an zugelassene Anbieter weiter. Die Preise auf dieser Seite stammen über die Tankerkönig-Initiative aus dieser Quelle und werden beim Aufruf der Seite geladen.

Quellen

  • Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt
  • Tankerkönig – Spritpreisdaten unter CC BY 4.0
  • Energiesteuergesetz und Brennstoffemissionshandelsgesetz
  • Kraftstoffpreisanpassungsgesetz, gültig seit April 2026

Stand: 28. September 2026. Preisangaben ohne Gewähr.

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