Anleihen gelten als der sichere Teil des Depots. Das stimmt – solange man sie bis zur Fälligkeit hält. Wer vorher verkauft, kann durchaus Verluste machen, und zwar ausgerechnet dann, wenn die Zinsen steigen.
Was eine Anleihe ist
Eine Anleihe ist ein Kredit, den Anleger einem Staat oder Unternehmen geben. Der Schuldner zahlt dafür über die Laufzeit einen festen Zins – den Kupon – und am Ende den Nennwert zurück.
Der Unterschied zur Aktie ist grundlegend: Als Aktionär sind Sie Miteigentümer und am Gewinn beteiligt, als Anleihegläubiger sind Sie Kreditgeber mit festem Anspruch. Bei einer Insolvenz werden Gläubiger vor Aktionären bedient – dafür gibt es keine Beteiligung am Erfolg.
Anleihen werden an der Börse gehandelt. Der Kurs wird in Prozent des Nennwerts angegeben: 98 bedeutet, dass die Anleihe unter ihrem Rückzahlungswert notiert.
Der Zusammenhang von Kurs und Zins
Das ist der Punkt, der die meisten überrascht: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen.
Der Grund ist einfach. Eine alte Anleihe zahlt zwei Prozent, neue Anleihen zahlen vier. Niemand kauft die alte zum vollen Preis, wenn es anderswo das Doppelte gibt. Ihr Kurs sinkt so weit, bis die verbleibende Rendite wieder marktgerecht ist.
Je länger die Restlaufzeit, desto stärker dieser Effekt – eine Anleihe mit zwanzig Jahren Restlaufzeit reagiert vielfach empfindlicher als eine mit zwei. Das Maß dafür heißt Duration.
Für Anleger, die bis zur Fälligkeit halten, ist der zwischenzeitliche Kursverlust unerheblich: Am Ende gibt es den Nennwert. Wer aber einen Anleihe-ETF hält, hat keine feste Fälligkeit – dort schlagen Kursverluste voll durch. Genau das haben viele in der Zinswende erlebt, als vermeintlich sichere Rentenfonds zweistellig verloren.
Welche Arten es gibt
| Art | Schuldner | Risiko |
|---|---|---|
| Staatsanleihen | Staaten | bei soliden Emittenten gering |
| Unternehmensanleihen | Konzerne | je nach Bonität mittel |
| Hochzinsanleihen | schwächere Schuldner | hoch, Ausfälle kommen vor |
| Pfandbriefe | Banken, besichert | gering |
Ratingagenturen bewerten die Bonität mit Buchstabencodes. Ab BBB beziehungsweise Baa spricht man von Investment Grade, darunter von Hochzinsanleihen. Die höhere Verzinsung dort ist kein Geschenk, sondern der Preis für ein reales Ausfallrisiko – in Krisen fallen solche Papiere ähnlich stark wie Aktien.
Welche Rolle sie im Depot spielen
Anleihen dienen der Risikosteuerung. Sie schwanken weniger als Aktien und liefern planbare Zahlungen. Wer den Aktienanteil reduzieren will, ohne alles auf dem Tagesgeldkonto zu parken, nutzt sie als zweite Säule.
Die oft genannte Gegenläufigkeit zu Aktien funktioniert allerdings nicht immer. In Phasen steigender Inflation können beide Anlageklassen gleichzeitig verlieren – die Erfahrung der Zinswende hat das deutlich gemacht.
Für Privatanleger ist der Zugang über ETFs am einfachsten. Wichtig ist der Blick auf die durchschnittliche Restlaufzeit: Kurzlaufende Papiere schwanken kaum, langlaufende deutlich. Alternativ gibt es Anleihe-ETFs mit fester Fälligkeit, die sich wie eine Einzelanleihe verhalten.
Fazit
Anleihen sind kein Ersatz für Aktien, sondern ihr Gegengewicht: planbare Zahlungen, geringere Schwankung, klarer Rückzahlungstermin.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist der entscheidende Unterschied der zwischen Einzelanleihe und Anleihe-ETF. Die eine hat einen Termin, an dem der Nennwert zurückkommt – der andere hat keinen. Wer das verwechselt, hält den sicheren Teil seines Depots für sicherer, als er ist.
Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.