Ethereum wird oft in einem Atemzug mit Bitcoin genannt, verfolgt aber ein grundlegend anderes Ziel. Bitcoin will Geld sein. Ethereum will eine Plattform sein, auf der Programme laufen.
Die Idee dahinter
Ethereum startete 2015 und wurde maßgeblich von Vitalik Buterin entwickelt. Die Blockchain speichert nicht nur Überweisungen, sondern auch ausführbaren Programmcode – sogenannte Smart Contracts.
Ein Smart Contract ist ein Vertrag, der sich selbst ausführt: Tritt Bedingung A ein, erfolgt automatisch Zahlung B. Kein Notar, keine Bank, keine Vollstreckung. Darauf aufbauend entstanden Anwendungen für Kreditvergabe, Handelsplätze und digitale Sammlerstücke.
Die Währungseinheit heißt Ether. Sie dient nicht in erster Linie als Zahlungsmittel, sondern als Treibstoff: Jede Rechenoperation im Netzwerk kostet Gebühren in Ether, im Fachjargon Gas genannt.
Der Wechsel zu Proof of Stake
2022 vollzog Ethereum eine technische Umstellung, die als The Merge bezeichnet wird. Statt durch Rechenaufwand wie bei Bitcoin werden Transaktionen seitdem durch hinterlegtes Kapital abgesichert.
Wer Ether hinterlegt – staked –, hilft das Netzwerk zu sichern und erhält dafür Erträge. Der Energieverbrauch sank dadurch drastisch, um mehr als 99 Prozent.
Das ist ein bemerkenswerter Unterschied zu Bitcoin: Ether kann eine Art Rendite erzeugen. Damit rückt es näher an eine Anlageklasse mit Zahlungsstrom – wobei diese Erträge in Ether anfallen, nicht in Euro, und der Kurs weiterhin stark schwankt.
Kein fester Deckel
Anders als Bitcoin mit seinen 21 Millionen Einheiten hat Ether keine feste Obergrenze. Dafür werden bei jeder Transaktion Gebühren dauerhaft vernichtet. Je stärker das Netzwerk genutzt wird, desto mehr Ether verschwinden – in Phasen hoher Aktivität kann die Menge sogar schrumpfen.
Die Knappheit hängt hier also an der Nutzung, nicht an einer festen Regel. Das macht Ether stärker abhängig vom Erfolg der Anwendungen, die darauf laufen.
Risiken
Zu den Risiken von Bitcoin – Schwankungsbreite, Regulierung, Verwahrung, fehlende Einlagensicherung – kommen bei Ethereum weitere hinzu.
Technisches Risiko. Smart Contracts sind Programme, und Programme haben Fehler. In der Vergangenheit wurden über Programmierfehler Beträge in Milliardenhöhe entwendet.
Wettbewerb. Ethereum ist nicht die einzige Plattform für Smart Contracts. Konkurrenten werben mit schnelleren und günstigeren Transaktionen.
Steuerliche Unklarheit beim Staking. Erträge aus dem Hinterlegen von Ether werden anders behandelt als reine Kursgewinne, und die Haltefristen können sich dadurch verändern. Das ist ein Fall für die Steuerberatung.
Fazit
Ethereum ist technisch ambitionierter als Bitcoin und verfolgt einen anderen Zweck: nicht digitales Geld, sondern eine Infrastruktur für Anwendungen.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist es damit auch die schwerer zu beurteilende Anlage. Der Wert hängt davon ab, ob sich diese Infrastruktur durchsetzt – eine Wette auf eine Technologie, deren Wettbewerbsumfeld sich schnell verändert. Wer investiert, sollte dieselbe Regel anwenden wie bei Bitcoin: nur ein Anteil, dessen Totalverlust verkraftbar wäre. Für den breit gestreuten Vermögensaufbau bleiben Aktien und Anleihen das Fundament.
Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowerte sind mit erheblichen Risiken bis zum Totalverlust verbunden.