Bitcoin ist die erste und mit Abstand bekannteste Kryptowährung. Für die einen ist er digitales Gold, für die anderen reine Spekulation. Unstrittig ist nur: Er verhält sich anders als alles andere in einem klassischen Depot.
Was Bitcoin ist
Bitcoin wurde 2008 in einem Konzeptpapier unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto beschrieben und 2009 gestartet. Es handelt sich um ein dezentrales Zahlungssystem ohne Bank und ohne Notenbank.
Alle Transaktionen werden in einer öffentlichen Datenbank festgehalten, der Blockchain. Sie wird von tausenden Rechnern weltweit parallel geführt. Neue Einträge werden durch Rechenaufwand bestätigt – das sogenannte Mining –, und wer einen Block findet, erhält neue Bitcoin als Belohnung.
Die Menge ist auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Etwa alle vier Jahre halbiert sich die Ausgabe neuer Bitcoin – das Halving. Diese festgelegte Knappheit ist der Kern des Arguments, Bitcoin sei ein Wertspeicher.
Der entscheidende Unterschied zur Aktie
Eine Aktie verbrieft einen Anteil an einem Unternehmen, das Umsätze erzielt, Gewinne erwirtschaftet und Dividenden zahlen kann. Eine Anleihe zahlt Zinsen und wird zurückgezahlt.
Bitcoin erzeugt keine Zahlungsströme. Es gibt keinen Gewinn, keine Ausschüttung, keinen Rückzahlungstermin. Der Preis ergibt sich ausschließlich daraus, was andere bereit sind zu zahlen.
Daraus folgt: Klassische Bewertungsmethoden funktionieren nicht. Ein KGV lässt sich nicht berechnen, weil es keinen Gewinn gibt. Wer Bitcoin bewertet, bewertet Erwartungen – nicht Zahlen.
Die Risiken
- Schwankungsbreite. Kursrückgänge von 50 Prozent und mehr sind in der Geschichte von Bitcoin mehrfach vorgekommen – nicht als Ausnahme, sondern regelmäßig.
- Regulierung. Staaten können den Handel einschränken oder besteuern. Was heute erlaubt ist, kann sich ändern.
- Verwahrung. Wer die privaten Schlüssel selbst hält und verliert, verliert die Bitcoin endgültig. Wer sie einer Handelsplattform anvertraut, trägt deren Insolvenzrisiko – mehrere große Plattformen sind in der Vergangenheit zusammengebrochen.
- Keine Einlagensicherung. Anders als beim Tagesgeld gibt es keinen staatlichen Schutz.
Besteuerung in Deutschland
Kryptowährungen gelten steuerlich nicht als Kapitalanlage, sondern als anderes Wirtschaftsgut. Gewinne fallen daher nicht unter die Abgeltungsteuer, sondern unter die privaten Veräußerungsgeschäfte.
Das bedeutet: Nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr sind Gewinne steuerfrei. Innerhalb eines Jahres werden sie mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert, sofern eine Freigrenze überschritten wird. Es gibt also keine Bank, die automatisch abführt – die Erklärung liegt beim Anleger. Das ist eine Frage für die Steuerberatung, nicht für einen Ratgeberartikel.
Wie Anleger investieren können
Direkt über eine Handelsplattform mit eigener Verwahrung, oder über börsengehandelte Produkte. In Europa sind das meist ETNs – Schuldverschreibungen, die den Kurs abbilden. Sie sind kein Sondervermögen wie ein ETF, sondern tragen ein Emittentenrisiko, das durch hinterlegte Bitcoin gemindert wird.
Wichtig ist die Positionsgröße. Wer überhaupt investiert, sollte einen Anteil wählen, dessen vollständiger Verlust das Gesamtvermögen nicht gefährdet.
Fazit
Bitcoin ist eine technisch bemerkenswerte Konstruktion mit einer festen Obergrenze und einem Netzwerk, das seit über fünfzehn Jahren ohne zentrale Instanz läuft.
Aus Sicht der Marktteilnehmer bleibt er trotzdem eine Spekulation auf die Erwartung anderer, nicht eine Beteiligung an Wirtschaftsleistung. Wer das akzeptiert und die Position entsprechend klein hält, kann ihn beimischen. Als Fundament für den Vermögensaufbau taugt er nicht – dafür fehlt ihm genau das, was Aktien und Anleihen ausmacht: ein Zahlungsstrom.
Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowerte sind mit erheblichen Risiken bis zum Totalverlust verbunden.