Abonnieren

Was ist ein ETF? Aufbau, Kosten und Auswahl einfach erklärt

von user

ETFs haben die Geldanlage für Privatanleger verändert wie kaum ein anderes Produkt. Mit einem einzigen Kauf lässt sich das Geld auf hunderte oder tausende Unternehmen verteilen – zu Kosten, die einen Bruchteil dessen ausmachen, was klassische Fonds verlangen.

Dieser Beitrag erklärt, wie ein ETF funktioniert, worin er sich von einem aktiv verwalteten Fonds unterscheidet und worauf es bei der Auswahl tatsächlich ankommt.

Was ist ein ETF?

ETF steht für Exchange Traded Fund, auf Deutsch börsengehandelter Indexfonds. Es handelt sich um einen Investmentfonds, der einen Index möglichst genau nachbildet und fortlaufend an der Börse gehandelt wird.

Der entscheidende Unterschied zum klassischen Fonds liegt im Ansatz. Ein aktiv verwalteter Fonds beschäftigt ein Management, das Wertpapiere auswählt, um besser als der Markt abzuschneiden. Ein ETF verzichtet darauf und kauft schlicht das, was im Index steht. Weniger Personal bedeutet weniger Kosten – und genau daraus entsteht der wichtigste Vorteil.

Ein ETF auf den MSCI World hält Anteile an rund 1.300 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Wer ihn kauft, ist an allen davon beteiligt – mit einem Betrag, der unter 50 Euro liegen kann.

Sondervermögen: das Geld ist geschützt

ETFs gelten in der EU als Sondervermögen. Das eingezahlte Geld wird rechtlich getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt. Geht der Anbieter insolvent, fällt das Fondsvermögen nicht in die Insolvenzmasse – es gehört weiterhin den Anlegern.

Das unterscheidet ETFs grundlegend von Zertifikaten. Ein Zertifikat ist eine Schuldverschreibung der herausgebenden Bank; geht diese pleite, ist das Geld im Zweifel verloren. Bei ETFs besteht dieses Emittentenrisiko nicht.

Das Marktrisiko bleibt davon unberührt: Fällt der zugrundeliegende Index, fällt auch der ETF.

Physisch oder synthetisch

Bei der Abbildung gibt es zwei Verfahren.

Physische Replikation bedeutet, dass der ETF die Wertpapiere tatsächlich kauft. Bei sehr breiten Indizes geschieht das oft als optimiertes Sampling – der Fonds hält nicht jeden einzelnen Titel, sondern eine repräsentative Auswahl.

Synthetische Replikation arbeitet mit einem Tauschgeschäft: Ein Partner garantiert dem Fonds die Indexrendite, während der Fonds selbst einen anderen Wertpapierkorb hält. Das ist präziser und manchmal steuerlich günstiger, bringt aber ein Kontrahentenrisiko mit sich, das durch Sicherheiten begrenzt wird.

Für die meisten Anleger ist die physische Variante die naheliegende Wahl – sie ist leichter nachvollziehbar.

Thesaurierend oder ausschüttend

Die zweite Grundsatzfrage betrifft die Dividenden der enthaltenen Unternehmen.

ThesaurierendAusschüttend
Dividendenwerden automatisch wieder angelegtwerden ausgezahlt
Zinseszinseffektläuft ohne Zutunnur bei manueller Wiederanlage
AufwandkeinerWiederanlage selbst veranlassen
Geeignet fürVermögensaufbauregelmäßige Entnahme

Beim langfristigen Aufbau ist die thesaurierende Variante meist bequemer, weil die Wiederanlage automatisch läuft. Wer den Freistellungsauftrag gezielt ausnutzen möchte, kann mit ausschüttenden ETFs planbarer arbeiten.

Worauf es bei der Auswahl ankommt

  • Der Index. Die wichtigste Entscheidung überhaupt – sie bestimmt, worin Sie investiert sind. Ein ETF auf den DAX 40 ist etwas völlig anderes als einer auf einen Weltindex.
  • Die Gesamtkostenquote. Bei Standardindizes liegt sie meist zwischen 0,10 und 0,30 Prozent jährlich. Über Jahrzehnte macht ein Zehntelprozentpunkt einen spürbaren Unterschied.
  • Die Tracking-Differenz. Sie zeigt, wie weit der ETF tatsächlich von seinem Index abweicht – und ist aussagekräftiger als die Kostenquote allein.
  • Das Fondsvolumen. Sehr kleine ETFs werden gelegentlich geschlossen oder verschmolzen. Ab etwa 100 Millionen Euro gilt ein Produkt als tragfähig.
  • Der Fondssitz. Für deutsche Anleger sind irische und luxemburgische UCITS-Fonds Standard; die Abwicklung ist eingespielt.

Hinzu kommen die Konditionen des Depots. Ordergebühren, Sparplankosten und Fremdkostenpauschalen unterscheiden sich zwischen Anbietern erheblich und schmälern die Rendite unabhängig davon, wie günstig der ETF selbst ist.

Fazit

ETFs bieten breite Streuung zu niedrigen Kosten, sind als Sondervermögen geschützt und lassen sich jederzeit an der Börse handeln. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind sie das transparenteste Instrument, das Privatanlegern zur Verfügung steht.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist der entscheidende Punkt aber nicht die Produktauswahl, sondern der zugrundeliegende Index. Ein günstiger ETF auf einen schlecht gestreuten Index bleibt ein schlecht gestreutes Investment – die Kostenquote rettet niemanden vor einem Klumpenrisiko.

Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.

You may also like