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VIX: Das Angstbarometer der Wall Street und warum man es nicht kaufen sollte

von user

Der VIX ist kein Aktienindex. Er misst keine Kurse, sondern Erwartungen – genauer: wie stark der Markt in den kommenden 30 Tagen zu schwanken glaubt. Steigt er kräftig, herrscht Nervosität. Deshalb trägt er den Beinamen Angstbarometer.

Und noch etwas unterscheidet ihn von allen anderen Indizes in dieser Reihe: Man kann ihn nicht kaufen.

Was ist der VIX?

Der CBOE Volatility Index wurde 1993 von der Optionsbörse Chicago Board Options Exchange eingeführt. Er leitet aus den Preisen von Optionen auf den S&P 500 ab, welche Schwankungsbreite Marktteilnehmer für die nächsten 30 Tage erwarten.

Der Mechanismus dahinter ist einfach: Optionen sind Versicherungen gegen Kursbewegungen. Wer Angst vor einem Absturz hat, zahlt für diese Absicherung mehr. Steigende Optionspreise bedeuten also höhere erwartete Schwankung – und ein höherer VIX.

Angegeben wird das Ergebnis als annualisierte Prozentzahl. Ein Stand von 20 bedeutet, dass der Markt für die kommenden zwölf Monate eine Schwankungsbreite von rund 20 Prozent einpreist.

Wie man die Zahlen liest

VIX-StandMarktlage
unter 15ruhig bis sorglos
15 bis 20normal
20 bis 30erhöhte Nervosität
über 30Stress, deutliche Verunsicherung
über 50Panik, seltene Ausnahmesituation

Werte über 50 gab es in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige Male – in der Finanzkrise 2008 und beim Corona-Crash im März 2020. Solche Spitzen halten selten lange an.

Zwei Eigenschaften, die den VIX besonders machen

Gegenläufigkeit. Der VIX bewegt sich meist entgegengesetzt zum Aktienmarkt. Fallen die Kurse, steigt er – oft überproportional. Das macht ihn theoretisch zum idealen Absicherungsinstrument.

Rückkehr zum Mittelwert. Anders als ein Aktienindex kann der VIX nicht dauerhaft steigen. Panik ist ein Zustand, kein Trend. Nach jeder Spitze kehrt er zu seinem langfristigen Mittel zurück, das historisch bei rund 19 bis 20 liegt. Ein Aktienindex wie der Dow Jones hat dagegen eine langfristige Aufwärtstendenz.

Warum man ihn nicht kaufen kann

Der VIX ist eine berechnete Kennzahl, kein Wertpapierkorb. Es gibt keine Aktien, die man kaufen könnte, um ihn abzubilden. Handelbar sind nur Terminkontrakte – VIX-Futures – und darauf aufbauende Zertifikate und ETNs.

Genau hier liegt die Falle. Diese Produkte müssen ihre auslaufenden Futures regelmäßig in länger laufende umschichten. Weil weiter entfernte Kontrakte meist teurer sind als nahe – eine Marktlage, die Contango heißt –, entsteht bei jedem Rollvorgang ein Verlust.

Über Monate summiert sich das erheblich. Langfrist-Charts solcher Produkte zeigen deshalb einen fast kontinuierlichen Wertverfall, selbst wenn der VIX selbst unverändert notiert. Wer einen Volatilitäts-ETN kauft und liegen lässt, verliert mit hoher Wahrscheinlichkeit Geld – unabhängig davon, ob er mit seiner Markteinschätzung richtig lag.

Hinzu kommt das Gegenteil: Produkte, die auf fallende Volatilität setzen, funktionieren jahrelang und können an einem einzigen Tag nahezu vollständig verfallen. Im Februar 2018 wurde ein solches Produkt nach einem VIX-Sprung innerhalb weniger Stunden praktisch wertlos und musste eingestellt werden.

Wie Privatanleger den VIX sinnvoll nutzen

Als Instrument taugt er für die meisten nicht. Als Information ist er wertvoll.

Ein Blick auf den VIX-Stand ordnet ein, in welcher Marktphase man sich befindet. Extrem niedrige Werte über längere Zeit deuten auf Sorglosigkeit hin – historisch keine gute Ausgangslage. Sehr hohe Werte markierten in der Vergangenheit oft Phasen, in denen langfristig orientierte Anleger günstig gekauft haben.

Für den Vermögensaufbau bleibt ein breit gestreuter Baustein wie der MSCI World das Mittel der Wahl. Der VIX hilft dabei, die eigene Nervosität einzuordnen – nicht, sie zu handeln.

Fazit

Der VIX ist die bekannteste Kennzahl für Marktnervosität und ein nützlicher Stimmungsindikator, der sich in Sekunden ablesen lässt.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist er aber ein Messwert, kein Anlageobjekt. Die handelbaren Produkte darauf sind Spekulationsinstrumente mit strukturellem Wertverfall und gehören in kein Depot, das dem langfristigen Vermögensaufbau dient.

Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.

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