Ein Aktiensplit sorgt regelmäßig für Aufregung: Aus einer Aktie werden vier, der Kurs viertelt sich. Manche Anleger halten das Papier danach für günstig. Es ist aber exakt gleich viel wert wie vorher.
Was beim Split passiert
Das Unternehmen teilt seine bestehenden Aktien in eine größere Zahl auf. Bei einem Verhältnis von 4:1 erhalten Aktionäre für jede alte Aktie vier neue, der Kurs sinkt auf ein Viertel.
Wer vorher zehn Aktien zu 800 Euro hielt, hält danach vierzig zu 200 Euro. Depotwert vorher: 8.000 Euro. Depotwert nachher: 8.000 Euro. Am Unternehmen, am Gewinn und am Anteil daran ändert sich nichts – auch die Marktkapitalisierung bleibt identisch.
Sämtliche Kennzahlen je Aktie werden entsprechend angepasst: Gewinn je Aktie, Dividende je Aktie und das KGV bleiben rechnerisch unverändert.
Warum Unternehmen splitten
Der Hauptgrund ist psychologischer Natur: Ein Kurs von 200 Euro wirkt zugänglicher als einer von 800. Vor allem Privatanleger kaufen leichter, wenn sich eine ganze Aktie ins Budget fügt.
Hinzu kommt die Handelbarkeit: Mehr Aktien im Umlauf bedeuten in der Regel engere Spannen zwischen An- und Verkaufskurs und damit günstigeren Handel.
Ein Split gilt außerdem als Signal. Unternehmen splitten meist nach längeren Kursanstiegen – das Management signalisiert damit Zuversicht. Belastbar ist dieses Signal allerdings nicht: Es folgt dem Kursanstieg, es verursacht ihn nicht.
Mit dem Aufkommen von Bruchstückhandel ist das Argument der Zugänglichkeit schwächer geworden. Wer heute einen Sparplan nutzt, kauft ohnehin Anteile statt ganzer Aktien.
Die Wirkung auf Indizes
Hier wird es interessant. In einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Index wie dem S&P 500 ändert ein Split nichts – das Gewicht bleibt gleich.
Im kursgewichteten Dow Jones dagegen halbiert oder viertelt sich das Gewicht eines Unternehmens, obwohl es exakt gleich groß geblieben ist. Apple etwa verlor durch den Split von 2020 erheblich an Einfluss auf den Index. Der Dow-Divisor wird zwar angepasst, damit der Indexstand unverändert bleibt – das relative Gewicht des gesplitteten Werts sinkt trotzdem.
Das ist eines der stärksten Argumente gegen die Kursgewichtung: Eine rein technische Maßnahme verändert die Struktur des Index.
Der umgekehrte Fall
Beim Reverse Split werden mehrere Aktien zu einer zusammengelegt, der Kurs steigt entsprechend. Auch hier ändert sich am Wert nichts.
Das Motiv ist meist ein anderes: Unternehmen mit sehr niedrigen Kursen wollen aus dem Penny-Stock-Bereich heraus, weil manche Börsen Mindestkurse verlangen und institutionelle Anleger solche Papiere meiden. Ein Reverse Split ist deshalb – anders als ein normaler Split – oft ein Warnsignal.
Fazit
Ein Aktiensplit ist eine kosmetische Maßnahme. Er verändert die Stückzahl, nicht den Wert – wer danach kauft, zahlt für denselben Unternehmensanteil exakt dasselbe wie vorher.
Aus Sicht der Marktteilnehmer bleibt nur eine praktische Konsequenz: In kursgewichteten Indizes verschieben Splits die Gewichte. Wer wissen will, wie stark ein Unternehmen den Dow bewegt, muss den aktuellen Aktienkurs kennen – nicht die Unternehmensgröße.
Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.