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Rendite richtig rechnen: Warum Ihre tatsächliche oft niedriger ist

von user

Rendite klingt nach einer eindeutigen Zahl. Tatsächlich gibt es mehrere Arten, sie zu berechnen – und je nach Methode kommen für dasselbe Depot deutlich unterschiedliche Werte heraus. Wer die Unterschiede nicht kennt, überschätzt seinen Erfolg regelmäßig.

Kursgewinn ist nicht Rendite

Die einfachste Rechnung: gekauft für 10.000 Euro, heute 13.000 Euro wert, also 30 Prozent. Das ist der Kursgewinn – aber noch nicht die Rendite.

Zur Gesamtrendite gehören alle Zahlungsströme: Dividenden, Zinsen und Ausschüttungen kommen hinzu, Kaufgebühren, Depotkosten und Steuern gehen ab. Erst danach steht fest, was tatsächlich verdient wurde.

Dieser Unterschied erklärt auch die Sache mit den Indizes: Der DAX 40 rechnet als Performanceindex Dividenden ein, der Dow Jones als Kursindex nicht. Wer beide Kurven vergleicht, vergleicht Gesamtrendite mit reinem Kursverlauf.

Pro Jahr statt insgesamt

30 Prozent klingen gut – über zehn Jahre sind es aber nur rund 2,7 Prozent jährlich. Deshalb wird Rendite in der Regel annualisiert angegeben, also auf ein Jahr umgerechnet.

Dabei wird nicht einfach durch die Jahre geteilt, sondern der Zinseszinseffekt berücksichtigt. Das Ergebnis heißt geometrisches Mittel und liegt immer unter dem arithmetischen Durchschnitt.

Ein Beispiel dafür, warum das wichtig ist: Ein Depot verliert in einem Jahr 50 Prozent und gewinnt im nächsten 50 Prozent. Der Durchschnitt wäre null – tatsächlich stehen aber nur noch 75 Prozent des Kapitals da. Verluste wiegen schwerer als gleich große Gewinne, weil sie die Basis verkleinern.

Der Fehler bei Sparplänen

Bei einem Sparplan ist das Geld unterschiedlich lange investiert. Die erste Rate arbeitet zehn Jahre, die letzte einen Monat. Die einfache Rechnung „Depotwert minus Einzahlungen“ führt hier in die Irre.

Korrekt ist der interne Zinsfuß, oft als IRR bezeichnet. Er berücksichtigt, wann welches Geld geflossen ist. Die meisten Broker weisen ihn aus; in der Tabellenkalkulation leistet das die Funktion XINTZINSFUSS.

Praktisch bedeutet das: Wer über zehn Jahre 24.000 Euro eingezahlt hat und 30.000 Euro im Depot sieht, hat nicht 25 Prozent Rendite gemacht. Der Wert liegt je nach Verlauf bei etwa vier bis fünf Prozent jährlich.

Was am Ende abgeht

  • Kosten. Ordergebühren, Fondskosten und Depotführung schmälern die Rendite jedes Jahr – und wirken über den Zinseszins verstärkt.
  • Steuern. Auf Kapitalerträge fällt Abgeltungsteuer an. Aus sieben Prozent vor Steuern werden gut fünf danach.
  • Inflation. Was übrig bleibt, ist die nominale Rendite. Real zählt, was an Kaufkraft übrig bleibt – bei drei Prozent Inflation sind fünf Prozent nominal noch zwei Prozent real.

Diese drei Abzüge erklären, warum die gefühlte Rendite fast immer über der tatsächlichen liegt.

Rendite ohne Risiko gibt es nicht

Eine Renditeangabe ohne Angabe des eingegangenen Risikos ist wertlos. Zehn Prozent mit einem breit gestreuten Weltportfolio sind eine andere Leistung als zehn Prozent mit einer einzelnen Aktie.

Profis nutzen dafür Kennzahlen, die Rendite ins Verhältnis zur Schwankungsbreite setzen. Für Privatanleger reicht meist die ehrliche Frage, wie viel man hätte verlieren können – und ob man es ausgehalten hätte.

Fazit

Rendite ist keine einzelne Zahl, sondern hängt von der Berechnungsmethode ab. Für ein realistisches Bild braucht es die Gesamtrendite nach Kosten und Steuern, annualisiert und mit Blick auf die Inflation.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist das kein Rechenspiel, sondern der Unterschied zwischen einer Anlage, die funktioniert, und einer, die sich nur so anfühlt. Wer bei Renditeversprechen nachfragt, wie gerechnet wurde, hat die wichtigste Frage bereits gestellt.

Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.

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