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Value und Growth: Zwei Anlagestile und was sie unterscheidet

von user

Value und Growth sind die beiden großen Lager der Aktienanlage. Der eine sucht Unternehmen, die unter Wert gehandelt werden. Der andere sucht Unternehmen, die stark wachsen – und zahlt dafür auch mehr. Welcher Ansatz besser läuft, wechselt in Zyklen von Jahren.

Value: kaufen, was günstig bewertet ist

Der Value-Ansatz geht auf Benjamin Graham zurück und wurde durch Warren Buffett bekannt. Die Idee: Der Markt bewertet Unternehmen zeitweise unter ihrem inneren Wert. Wer solche Papiere findet und geduldig hält, profitiert von der späteren Korrektur.

Typische Merkmale sind ein niedriges KGV, ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis und oft eine überdurchschnittliche Dividendenrendite. Man findet solche Werte vor allem in Branchen wie Banken, Versicherungen, Energie, Rohstoffen und klassischer Industrie.

Das Risiko liegt in der Unterscheidung zwischen einem zu Unrecht günstigen Unternehmen und einem zu Recht günstigen. Ein niedriges KGV kann bedeuten, dass der Markt bereits sinkende Gewinne einpreist.

Growth: kaufen, was schnell wächst

Der Growth-Ansatz sucht Unternehmen mit überdurchschnittlichem Umsatz- und Gewinnwachstum. Die aktuelle Bewertung spielt eine untergeordnete Rolle – entscheidend ist, was in fünf oder zehn Jahren verdient wird.

Solche Firmen zahlen selten Dividenden, weil sie Gewinne reinvestieren. Amazon ist das Musterbeispiel: seit dem Börsengang 1997 keine Ausschüttung, stattdessen konsequenter Ausbau von Logistik und Cloud-Geschäft.

Das Risiko ist die hohe Bewertung. Wird das erwartete Wachstum nicht geliefert, fallen die Kurse deutlich – weil der Preis die Zukunft bereits vorweggenommen hatte.

Der Einfluss der Zinsen

Warum die Zyklen wechseln, lässt sich mit einer einzigen Größe erklären: dem Zinsniveau.

Bei niedrigen Zinsen sind weit in der Zukunft liegende Gewinne heute viel wert – Growth läuft. Steigen die Zinsen, werden künftige Gewinne stärker abgezinst, und näher liegende Erträge gewinnen an Bedeutung – Value holt auf.

Das erklärt, warum Technologiewerte in Niedrigzinsphasen dominierten und bei der Zinswende überdurchschnittlich verloren.

Was das für Indizes bedeutet

Indizes haben eine eingebaute Stilneigung. Der Nasdaq 100 ist ausgeprägt wachstumslastig, der FTSE 100 mit seinen Rohstoff- und Finanzwerten deutlich value-orientiert.

Auch der MSCI World ist durch den hohen US-Technologieanteil wachstumslastiger, als der Name vermuten lässt. Wer bewusst gegensteuern will, findet Faktor-ETFs, die gezielt Value- oder Growth-Titel auswählen.

Fazit

Value und Growth sind keine Gegensätze, sondern zwei Wege, dieselbe Frage zu beantworten: Was ist ein Unternehmen wert? Der eine schaut auf das Heute, der andere auf das Morgen.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist der Versuch, zwischen beiden Stilen hin und her zu wechseln, für Privatanleger kaum erfolgversprechend – dafür müsste man Zinswenden vorhersehen. Ein breit gestreuter Index enthält ohnehin beides. Nützlich ist das Begriffspaar vor allem zur Selbsteinordnung: Wer weiß, welchen Stil sein Depot hat, versteht besser, warum es in bestimmten Marktphasen so läuft, wie es läuft.

Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.

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