Abonnieren

Dividende: Was sie ist, wie sie besteuert wird und was die Rendite wirklich aussagt

von user

Die Dividende ist für viele Anleger der greifbarste Teil des Aktienbesitzes: Geld, das ohne Zutun auf dem Konto landet. Genau diese Anschaulichkeit führt aber auch zu Fehlschlüssen – vor allem bei der Dividendenrendite, die oft als Qualitätsmerkmal gelesen wird, obwohl sie das Gegenteil bedeuten kann.

Was ist eine Dividende?

Eine Dividende ist der Teil des Gewinns, den ein Unternehmen an seine Aktionäre ausschüttet. Wer Aktien hält, ist Miteigentümer – und wird am Erfolg beteiligt. Der Rest des Gewinns bleibt als einbehaltener Gewinn im Unternehmen und finanziert Investitionen oder Schuldenabbau.

In Deutschland schlägt der Vorstand die Höhe vor, die Hauptversammlung beschließt sie. Deutsche Unternehmen zahlen traditionell einmal jährlich, US-Konzerne meist quartalsweise. Ein Anspruch auf Dividende besteht nicht: Sie kann jederzeit gekürzt oder gestrichen werden.

Ex-Dividende: warum der Kurs am Auszahlungstag fällt

Dieser Punkt wird am häufigsten missverstanden. Am Tag nach der Hauptversammlung – dem Ex-Dividenden-Tag – eröffnet die Aktie rechnerisch um den Ausschüttungsbetrag niedriger.

Der Grund ist einfach: Das ausgeschüttete Geld verlässt das Unternehmen. Eine Firma, die drei Euro je Aktie auszahlt, ist danach drei Euro je Aktie weniger wert. Sie erhalten die Dividende, aber Ihr Depotwert sinkt im selben Moment um denselben Betrag.

Eine Dividende ist also kein Zusatzertrag, sondern eine Umschichtung von Unternehmenswert in Ihre Tasche. Der Ertrag entsteht erst, wenn der Kurs die Lücke wieder aufholt – was von der Geschäftsentwicklung abhängt, nicht von der Ausschüttung.

Deshalb geht die Strategie, kurz vor dem Stichtag zu kaufen und danach zu verkaufen, nicht auf. Nach Steuern und Gebühren bleibt ein Verlust.

Die Dividendenrendite richtig lesen

Die Dividendenrendite setzt die Ausschüttung ins Verhältnis zum Aktienkurs: Dividende geteilt durch Kurs, mal hundert. Bei drei Euro Dividende und einem Kurs von 60 Euro sind das fünf Prozent.

Die Formel hat einen Haken: Der Kurs steht im Nenner. Fällt er, steigt die Rendite – ohne dass das Unternehmen einen Cent mehr zahlt. Eine auffällig hohe Dividendenrendite ist deshalb häufig kein Qualitätsmerkmal, sondern das Ergebnis eines Kurssturzes.

Im Fachjargon heißt das Dividendenfalle: Die Rendite sieht attraktiv aus, doch der Markt preist bereits ein, dass die Ausschüttung nicht zu halten ist. Kommt die Kürzung, verliert der Anleger doppelt – Dividende und Kurs.

Aussagekräftiger ist die Ausschüttungsquote: Welcher Anteil des Gewinns wird ausgezahlt? Werte bis etwa 60 Prozent gelten als nachhaltig. Liegt die Quote über 100 Prozent, zahlt das Unternehmen mehr aus, als es verdient – aus Rücklagen oder auf Kredit. Das hält keine Firma lange durch.

Besteuerung in Deutschland

Dividenden zählen zu den Kapitalerträgen und unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Depotbank führt sie automatisch ab.

Bis zum Sparer-Pauschbetrag bleiben Kapitalerträge steuerfrei – vorausgesetzt, Sie haben einen Freistellungsauftrag erteilt. Ohne ihn zieht die Bank die Steuer ab, und das Geld muss über die Steuererklärung zurückgeholt werden.

Bei ausländischen Aktien kommt die Quellensteuer des Herkunftslandes hinzu. Ein Teil wird auf die deutsche Steuer angerechnet, der Rest lässt sich unter Umständen zurückfordern – ein Verfahren, das je nach Land aufwendig ist. Diese Angaben ersetzen keine Steuerberatung.

Dividendenstrategie: für wen sie passt

Wer regelmäßige Einkünfte braucht, etwa im Ruhestand, findet in ausschüttenden Werten ein planbares Instrument. Wer dagegen Vermögen aufbaut, fährt mit thesaurierenden ETFs oft besser: Dort wird automatisch wieder angelegt, ohne dass bei jeder Ausschüttung Steuern anfallen.

Regional gibt es deutliche Unterschiede. Der FTSE 100 mit seinen Rohstoff- und Finanzwerten weist traditionell hohe Ausschüttungen aus, während US-Technologiekonzerne wenig oder gar nichts zahlen – Amazon etwa seit dem Börsengang 1997 keinen einzigen Cent.

Beachten sollten Anleger außerdem, dass Dividendenstrategien fast automatisch zu einer Übergewichtung bestimmter Branchen führen: Versorger, Telekommunikation, Banken, Rohstoffe. Wachstumssektoren fehlen dann weitgehend.

Fazit

Die Dividende ist ein echter Bestandteil der Aktienrendite und über lange Zeiträume ein erheblicher dazu. Als Signal für Verlässlichkeit taugt eine lange, ununterbrochene Zahlungshistorie durchaus etwas.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist die Dividendenrendite allein aber die am häufigsten falsch gelesene Kennzahl überhaupt. Wer sie nutzt, sollte immer die Ausschüttungsquote danebenlegen – und sich fragen, warum der Kurs so tief steht, dass die Rendite überhaupt so attraktiv aussieht.

Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.

You may also like