Der Russell 2000 ist der Maßstab für amerikanische Nebenwerte. Während Dow Jones und S&P 500 die Weltkonzerne abbilden, versammelt dieser Index 2.000 kleinere US-Unternehmen – und gilt deshalb als der ehrlichere Indikator für die Verfassung der Binnenwirtschaft.
Was ist der Russell 2000?
Der Index wurde 1984 von der Frank Russell Company eingeführt und wird heute von FTSE Russell berechnet – derselben Gesellschaft, die auch hinter dem FTSE 100 steht.
Seine Konstruktion ist ungewöhnlich einfach: Ausgangspunkt ist der Russell 3000, der rund 3.000 der größten börsennotierten US-Unternehmen umfasst. Der Russell 1000 enthält davon die 1.000 größten, der Russell 2000 die verbleibenden 2.000 kleineren. Es gibt also keine Branchenquoten und keine Komiteeentscheidungen – nur eine Rangliste nach Marktkapitalisierung.
Gewichtet wird nach Streubesitz-Marktkapitalisierung. Der Index deckt zwei Drittel aller Mitglieder des Russell 3000 ab, steht aber nur für einen kleinen einstelligen Prozentsatz von dessen Gesamtwert. Das verdeutlicht, wie stark der US-Aktienmarkt an der Spitze konzentriert ist.
Die Rekonstitution im Juni
Anders als DAX oder S&P 500, die laufend angepasst werden, wird die Russell-Familie einmal jährlich vollständig neu zusammengestellt – traditionell Ende Juni. Dieser Termin heißt Rekonstitution und ist einer der umsatzstärksten Handelstage des Jahres an den US-Börsen.
Der Grund: Weil enorme Summen an Indexfonds die Russell-Indizes nachbilden, müssen diese Fonds am selben Tag ihre Bestände umschichten. Unternehmen, die aus dem Russell 1000 absteigen, werden im Russell 2000 plötzlich zu den größten Positionen. Wer aufsteigt, verschwindet aus dem Small-Cap-Index.
Für Anleger ist das relevant, weil die Zusammensetzung sich einmal jährlich spürbar ändern kann und rund um den Termin ungewöhnliche Kursbewegungen auftreten. Dass die Kandidatenliste vorab veröffentlicht wird, macht es nicht ruhiger – Marktteilnehmer positionieren sich im Vorfeld.
Was Small Caps auszeichnet
Die Unternehmen im Russell 2000 unterscheiden sich in mehreren Punkten grundlegend von Large Caps.
- Binnenorientierung. Sie erwirtschaften ihre Umsätze überwiegend in den USA. Der Index reagiert deshalb stärker auf die US-Konjunktur als auf den Welthandel – anders als der Dow Jones, dessen Mitglieder global aufgestellt sind.
- Zinssensitivität. Kleinere Unternehmen finanzieren sich häufiger über variabel verzinste Kredite statt über langfristige Anleihen. Steigende Leitzinsen schlagen bei ihnen schneller und härter durch.
- Anteil unprofitabler Firmen. Ein erheblicher Teil der Indexmitglieder schreibt keine Gewinne – darunter viele Biotechnologieunternehmen in der Entwicklungsphase. Klassische Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis sind für den Index deshalb nur eingeschränkt aussagekräftig.
Der Blick auf die Marktbreite
Profis nutzen den Russell 2000 vor allem als Gradmesser für die Marktbreite. Steigt der S&P 500, während der Russell 2000 zurückbleibt, wird die Rally von wenigen Schwergewichten getragen – ein Warnsignal. Laufen beide im Gleichschritt, ist der Aufschwung breit abgestützt.
Dieses Verhältnis lohnt die Beobachtung auch für Privatanleger, unabhängig davon, ob sie in Small Caps investiert sind. Es sagt mehr über die Gesundheit des Marktes aus als der Stand des S&P 500 allein.
Wie Anleger investieren können
ETFs auf den Russell 2000 sind in Deutschland als UCITS-Produkte handelbar, ebenso Alternativen auf den MSCI USA Small Cap. Die laufenden Kosten liegen über denen von Standardindex-ETFs, weil die Abbildung von 2.000 teils wenig liquiden Titeln aufwendiger ist.
Zwei Punkte sind zu beachten. Erstens das Währungsrisiko: Der Index notiert in US-Dollar. Zweitens die Überschneidung – im MSCI World sind US-Small-Caps nicht enthalten, der Index deckt nur Large und Mid Caps ab. Ein Small-Cap-ETF ergänzt ein Weltportfolio also tatsächlich, statt es zu verdoppeln.
Fazit
Der Russell 2000 ist ein transparent konstruierter, rein regelbasierter Index ohne Ermessensspielräume. Als Abbild der amerikanischen Binnenwirtschaft ist er aussagekräftiger als jeder Blue-Chip-Index.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist er zugleich der schwankungsreichste der großen US-Indizes und reagiert empfindlich auf Zinsänderungen. Als Beimischung zu einem global gestreuten Depot kann er echte Diversifikation bringen – als Kernbaustein ist er zu volatil.
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Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.