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Diversifikation: Warum Streuung wirkt und wo sie nur so aussieht

von user

Diversifikation gilt als der einzige kostenlose Vorteil an den Kapitalmärkten: Man senkt das Risiko, ohne auf Rendite zu verzichten. Das stimmt – aber nur, wenn die Streuung echt ist. In vielen Depots sieht sie nur so aus.

Zwei Arten von Risiko

Das unsystematische Risiko betrifft einzelne Unternehmen: ein Produktrückruf, ein Rechtsstreit, ein Führungswechsel. Es lässt sich durch Streuung nahezu vollständig beseitigen, weil solche Ereignisse unabhängig voneinander eintreten.

Das systematische Risiko betrifft den gesamten Markt: Zinserhöhungen, Rezessionen, geopolitische Krisen. Es bleibt bestehen, egal wie viele Titel Sie halten. Dafür werden Anleger langfristig mit einer Risikoprämie entlohnt.

Diversifikation zielt also auf den ersten Teil. Wer 30 bis 50 Aktien aus unterschiedlichen Branchen hält, hat den größten Teil des unsystematischen Risikos beseitigt. Jeder weitere Titel bringt kaum noch Zusatznutzen.

Der entscheidende Faktor: Korrelation

Streuung wirkt nur, wenn sich die Bestandteile unterschiedlich verhalten. Zwanzig Bankaktien sind zwanzig Titel, aber keine Diversifikation – sie fallen gemeinsam, wenn der Sektor unter Druck gerät.

Sinnvoll gestreut wird über mehrere Ebenen: Branchen, Regionen, Unternehmensgrößen und Anlageklassen. Ein Depot aus deutschen Industriewerten ist in allen vier Dimensionen einseitig, auch wenn es dreißig Positionen umfasst.

Eine unangenehme Eigenschaft sollte man kennen: In schweren Krisen steigen die Korrelationen. Werte, die normalerweise unabhängig laufen, fallen dann gemeinsam. Diversifikation schützt im Alltag zuverlässig – im Extremfall weniger, als die Statistik vermuten lässt.

Wo Streuung nur so aussieht

Drei Fälle begegnen einem immer wieder.

Doppelte Indizes. Wer einen DAX-ETF und einen TecDAX-ETF kombiniert, kauft dieselben Konzerne zweimal – seit der Reform von 2018 stehen Werte in beiden Indizes gleichzeitig. Ähnlich bei MSCI World und einem separaten USA-ETF.

Länderkonzentration im Weltindex. Der MSCI World gilt als Inbegriff der Streuung, entfällt aber zu rund 72 Prozent auf die USA. Wer ihn hält, hat keine gleichmäßige Weltverteilung, sondern eine US-lastige Aktienanlage mit internationaler Beimischung.

Der Arbeitgeber im Depot. Mitarbeiteraktien fühlen sich sicher an, sind aber das Gegenteil: Gerät das Unternehmen in Schwierigkeiten, sind Arbeitsplatz und Vermögen gleichzeitig betroffen.

Streuung über Anlageklassen

Innerhalb von Aktien lässt sich das Einzelwertrisiko beseitigen, das Aktienmarktrisiko nicht. Dafür braucht es andere Anlageklassen: Anleihen, Tagesgeld, Immobilien, Rohstoffe.

Für die meisten Privatanleger ist die Aufteilung zwischen Aktien und sicherem Teil die wichtigste Einzelentscheidung überhaupt – wichtiger als die Auswahl einzelner Produkte. Sie bestimmt, wie stark das Depot schwankt und ob man in einer Krise durchhält.

Als Orientierung dient die Frage, welchen Rückgang Sie aushalten, ohne zu verkaufen. Wer bei minus 30 Prozent nachts wach liegt, hat einen zu hohen Aktienanteil – unabhängig davon, was Renditerechner nahelegen.

Rebalancing

Über die Zeit verschiebt sich die Aufteilung: Läuft der Aktienteil gut, wächst sein Anteil – und mit ihm das Risiko. Rebalancing stellt die ursprüngliche Gewichtung wieder her.

Üblich ist eine jährliche Überprüfung oder eine Schwelle von etwa fünf Prozentpunkten Abweichung. Wer regelmäßig einzahlt, kann allein über die Verteilung neuer Beiträge nachjustieren – das vermeidet Verkäufe und damit Steuern.

Fazit

Diversifikation ist das wirksamste Instrument der Risikosteuerung, das Privatanlegern zur Verfügung steht – und es kostet nichts außer Disziplin.

Aus Sicht der Marktteilnehmer kommt es dabei weniger auf die Zahl der Positionen an als auf ihre Unabhängigkeit voneinander. Ein Depot aus fünf grundverschiedenen Bausteinen ist besser gestreut als eines aus dreißig Titeln derselben Branche.

Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.

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