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TecDAX: Die 30 deutschen Technologiewerte und der Trick mit der Doppelnotierung

von user

Der TecDAX gilt als der deutsche Technologieindex – und sorgt regelmäßig für Verwirrung. Denn seit einer Reform im Jahr 2018 stehen Konzerne wie SAP und die Deutsche Telekom gleichzeitig im DAX und im TecDAX. Wer beide Indizes addiert, zählt dieselben Unternehmen doppelt.

Dieser Beitrag erklärt, was der TecDAX heute tatsächlich ist, nach welchen Regeln er besetzt wird und warum seine langen Kurvenverläufe mit Vorsicht zu genießen sind.

Was ist der TecDAX?

Der TecDAX wurde am 24. März 2003 von der Deutschen Börse eingeführt. Er umfasst die 30 größten Technologiewerte im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse und gehört neben DAX, MDAX und SDAX zur DAX-Indexfamilie.

Gewichtet wird nach Streubesitz-Marktkapitalisierung, berechnet wird auf Basis der Xetra-Kurse. Es gibt ihn als Kurs- und als Performanceindex; in den Medien ist üblicherweise die Performancevariante gemeint. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1997 mit 1.000 Punkten.

Für die Aufnahme müssen Unternehmen vier Bedingungen erfüllen: Zulassung zum Prime Standard, fortlaufender Handel auf Xetra, mindestens zehn Prozent Streubesitz und juristischer Sitz oder operatives Hauptquartier in Deutschland.

Die Vorgeschichte: Nemax 50 und der Neue Markt

Der TecDAX ist der Nachfolger des Nemax 50, des Leitindex des Neuen Marktes. Dessen Geschichte erklärt, warum die Deutsche Börse 2003 einen Neuanfang brauchte.

Der Nemax 50 startete Ende 1997 bei 1.000 Punkten und erreichte am 10. März 2000 seinen Höchststand von 9.694 Punkten. Dann platzte die Dotcom-Blase. Am 21. März 2003 stand der Index bei 350,95 Punkten – ein Verlust von rund 97 Prozent gegenüber dem Hoch. Hinzu kamen Insidergeschäfte und Bilanzfälschungen, die das Segment in Verruf brachten. Der Neue Markt wurde geschlossen, der Nemax 50 durch den TecDAX ersetzt.

Weil der TecDAX die Indexreihe des Nemax 50 fortsetzt, liegt seine rechnerische Basis beim 30. Dezember 1997. Für Langfristcharts heißt das: Die Kurve vor 2003 gehört zu einem Index mit völlig anderem Konzept und anderen Transparenzanforderungen. Vergleiche über diesen Bruch hinweg sind kaum belastbar.

Die Doppelnotierung seit 2018

Bis September 2018 trennte die Deutsche Börse ihre Indexfamilie strikt in klassische Branchen und Technologie. Ein Unternehmen stand entweder im DAX, MDAX oder SDAX – oder im TecDAX, nie in beiden.

Zum 24. September 2018 fiel diese Trennung weg. Die bis dahin reinen TecDAX-Werte wurden zusätzlich in DAX, MDAX und SDAX aufgenommen, MDAX und SDAX entsprechend vergrößert. Der TecDAX läuft seitdem als Parallelindex weiter.

Praktisch bedeutet das: Ein Unternehmen kann gleichzeitig im DAX 40 und im TecDAX stehen. Für Anleger folgen daraus zwei Dinge. Erstens lassen sich die Mitgliederzahlen der Indizes nicht addieren. Zweitens – und wichtiger – wer einen DAX-ETF und einen TecDAX-ETF kombiniert, kauft dieselben Schwergewichte zweimal und erhöht sein Klumpenrisiko, statt es zu senken.

Auswahl und Überprüfung

Die Rangliste nach Streubesitz-Marktkapitalisierung und Orderbuchumsatz wird monatlich erstellt. Die reguläre Anpassung der Zusammensetzung erfolgt halbjährlich mit Wirkung im März und September.

Daneben gelten Schwellenregeln: Ein Wert scheidet aus, wenn er bei Umsatz oder Marktkapitalisierung nicht mehr zu den 45 größten Technologiewerten zählt. Umgekehrt kann ein Unternehmen außerplanmäßig aufrücken, wenn es zu den 25 größten gehört. Diese Systematik entspricht im Prinzip der von MDAX und SDAX, nur mit engeren Grenzen und auf die Technologiebranche bezogen.

Der Technologiebegriff ist dabei weit gefasst. Enthalten sind Unternehmen aus Software, Halbleitern, Kommunikations- und Medizintechnik, Telekommunikation, Biotechnologie und Internetgeschäften.

TecDAX, DAX und Nasdaq 100 im Vergleich

TecDAXDAX 40Nasdaq 100
Werte3040100
Branchennur Technologiealleüberwiegend Technologie
StandardvariantePerformanceindexPerformanceindexKursindex
Überprüfunghalbjährlichhalbjährlichjährlich
Doppelmitgliedschaftja, mit DAX-Familieja, mit TecDAXnein

Der Vergleich mit dem Nasdaq 100 liegt nahe, führt aber in die Irre. Der amerikanische Index enthält Konzerne mit Billionenbewertung und globaler Marktstellung. Der TecDAX bildet eine deutlich kleinere Branche ab, in der neben wenigen großen Namen viele mittelgroße Spezialisten stehen. Die Schwankungsbreite ist entsprechend höher als beim breit aufgestellten DAX 40.

Wie Anleger investieren können

Es gibt ETFs auf den TecDAX, allerdings deutlich weniger und mit kleinerem Fondsvolumen als bei DAX oder MSCI World. Die laufenden Kosten liegen dadurch meist höher. Sparpläne sind bei den gängigen Online-Brokern verfügbar.

Zwei Punkte sollten Anleger vorher prüfen. Zum einen die bereits beschriebene Überschneidung mit einem vorhandenen DAX-Investment. Zum anderen die Konzentration: 30 Titel aus einer einzigen Branche und einem einzigen Land sind eine sehr enge Wette – im Abschwung trifft es Technologiewerte typischerweise härter als den Gesamtmarkt.

Wie immer wirken sich Ordergebühren, Sparplankosten und Fremdkostenpauschalen des Depots unmittelbar auf die Nettorendite aus.

Fazit

Der TecDAX ist ein sauber geregelter Auswahlindex mit klaren Aufnahmekriterien und monatlich aktualisierter Rangliste. Er bietet den direktesten Zugang zur deutschen Technologiebranche.

Aus Sicht der Marktteilnehmer bleiben drei Einschränkungen: die Doppelmitgliedschaft mit der übrigen DAX-Familie, die hohe Konzentration auf eine Branche in einem Land und der Bruch in der Indexhistorie vor 2003. Als Ergänzung zu einem breit gestreuten Depot ist er brauchbar, als Kernbaustein nicht geeignet.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.

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