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SDAX: Die 70 deutschen Small Caps und die 165/165-Regel

von user

Der SDAX ist der unbekannteste der vier großen deutschen Auswahlindizes – und zugleich der interessanteste für Anleger, die abseits der ausgetretenen Pfade suchen. In ihm stehen 70 kleinere börsennotierte Unternehmen, die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorkommen, in ihren Nischen aber oft erstaunlich stark sind.

Wer ihn verstehen will, muss die 165/165-Regel kennen. Sie entscheidet darüber, wer drin ist und wer fliegt.

Was ist der SDAX?

Der SDAX – kurz für Small-Cap-DAX – wurde am 21. Juni 1999 von der Deutschen Börse eingeführt. Er ist der Auswahlindex für 70 kleinere Unternehmen, die den Werten des MDAX hinsichtlich Streubesitz-Marktkapitalisierung und Handelsvolumen folgen. In der Rangfolge der deutschen Börsenunternehmen belegen sie damit ungefähr die Plätze 91 bis 160.

Berechnet wird er von der Deutschen Börse auf Basis der Xetra-Kurse, als Kurs- und als Performanceindex. In den Medien ist wie beim DAX die Performancevariante gemeint. Die Indexbasis liegt beim 30. Dezember 1987 mit 1.000 Punkten – identisch zu DAX und MDAX, was den direkten Langfristvergleich der drei Indizes ermöglicht.

Eine Besonderheit für Spätaufsteher: Zwischen 17:45 und 20:00 Uhr berechnet die Deutsche Börse den L-SDAX, einen Late-Index als Indikator für die Entwicklung der Small Caps nach Xetra-Schluss.

Die 165/165-Regel

Das Auswahlverfahren ist streng regelbasiert. Aufgenommen werden kann nur ein Unternehmen, das bei beiden Kriterien – Streubesitz-Marktkapitalisierung und Orderbuchumsatz – zu den 165 größten im Prime Standard notierten Werten gehört. Dieselbe Schwelle gilt umgekehrt für den Ausschluss: Wer sie dauerhaft oder deutlich verfehlt, fliegt raus.

Überprüft wird vierteljährlich, Anfang März, Juni, September und Dezember. Die regulären Anpassungen der Zusammensetzung erfolgen üblicherweise halbjährlich zum März und September.

Entscheidend ist auch hier der Streubesitz. Der gesamte Börsenwert eines Unternehmens spielt keine Rolle – nur der Anteil, der tatsächlich frei handelbar ist. Gerade im Small-Cap-Bereich, wo Gründerfamilien und Ankerinvestoren häufig große Pakete halten, führt das zu Ergebnissen, die auf den ersten Blick überraschen: Ein bekanntes Unternehmen kann trotz beachtlicher Größe außerhalb des Index stehen.

Von 100 auf 50 auf 70 Werte

ZeitraumAnzahl WerteAnlass
1999 bis 2002100Einführung, Ablösung des SMAX
2003 bis 201850Neugestaltung der Indexfamilie
seit September 201870Aufnahme bisheriger reiner TecDAX-Werte

Die Erweiterung 2018 hängt direkt mit der Reform zusammen, die auch den TecDAX betraf: Die Trennung zwischen klassischen Branchen und Technologie wurde aufgehoben, und die bis dahin ausschließlich im TecDAX geführten Werte rückten zusätzlich in MDAX und SDAX ein. Seitdem kann ein Unternehmen gleichzeitig im SDAX und im TecDAX stehen.

Die deutsche Indexfamilie auf einen Blick

DAX 40MDAXSDAX
Werte405070
SegmentLarge CapsMid CapsSmall Caps
Rang in DeutschlandPlätze 1 bis 40etwa 41 bis 90etwa 91 bis 160
Schwellenregel100/100165/165
Überprüfungquartalsweisequartalsweisequartalsweise

Die gemeinsame Indexbasis vom 30. Dezember 1987 ist dabei mehr als eine Formalie. Weil alle drei Indizes am selben Stichtag bei 1.000 Punkten starteten, lassen sich ihre Punktestände über Jahrzehnte unmittelbar vergleichen, ohne Umrechnung.

Was Small Caps für Anleger bedeuten

Drei Eigenschaften unterscheiden den SDAX von den größeren Indizes.

  • Höhere Schwankungen. Kleinere Unternehmen hängen stärker an einzelnen Produkten, Kunden und Märkten. Nachrichten schlagen prozentual deutlich kräftiger durch.
  • Geringere Liquidität. Die Handelsumsätze sind niedriger, die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs breiter. In turbulenten Phasen verstärkt das die Ausschläge.
  • Weniger Analysten. Große Häuser beobachten Small Caps seltener. Das schafft Informationslücken – für manche eine Chance, für andere ein Risiko.

Hinzu kommt die Länderkonzentration. Der SDAX ist ein rein deutscher Index; in Kombination mit DAX oder MDAX im selben Depot steigt die Abhängigkeit von der deutschen Konjunktur deutlich. Ein global gestreuter Baustein wie der MSCI World wirkt hier als Gegengewicht.

Wie Anleger investieren können

ETFs auf den SDAX existieren, sind aber deutlich kleiner als die auf den DAX. Die laufenden Kosten liegen höher, weil die Abbildung von 70 wenig liquiden Titeln aufwendiger ist. Sparpläne sind bei den gängigen Online-Brokern möglich.

Der Direktkauf einzelner Werte ist im Small-Cap-Segment verbreiteter als bei Blue Chips, gerade weil die geringere Analystenabdeckung Bewertungsunterschiede entstehen lässt. Das erfordert allerdings echte Recherche und die Bereitschaft, Kursrückgänge von 30 Prozent und mehr auszusitzen.

In beiden Fällen schlagen Ordergebühren, Sparplankosten und Fremdkostenpauschalen des Depots unmittelbar auf die Nettorendite durch – bei kleinen Sparraten umso stärker.

Fazit

Der SDAX ist ein transparent geregelter Index mit nachvollziehbaren Auf- und Abstiegskriterien. Er öffnet den Zugang zu einem Segment, das in der Berichterstattung untergeht, in dem aber ein erheblicher Teil der deutschen Wirtschaftskraft steckt.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist er die schwankungsreichste der drei DAX-Stufen und gleichzeitig die mit dem engsten Fokus auf einen einzigen Wirtschaftsraum. Als bewusst gewählte Beimischung zu einem global aufgestellten Depot kann das aufgehen – als Kern ist er die falsche Wahl.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.

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