Rentenfonds: Wie sie funktionieren und was 2022 gezeigt hat

von user

Rentenfonds haben nichts mit der Altersrente zu tun. Sie investieren in festverzinsliche Wertpapiere – der Name stammt von der Rente im Sinne einer regelmäßigen Zahlung. Das Jahr 2022 zeigte, dass sie weniger sicher sind, als viele annahmen.

Das Wichtigste in Kürze

Was enthalten istStaats- und Unternehmensanleihen
ErtragsquelleZinsen und Kursveränderungen
HauptrisikoZinsänderungen und Bonität der Schuldner
Typische Kosten0,1 Prozent bei Indexfonds, bis 1,0 Prozent bei aktiven
Schwankunggeringer als bei Aktien, aber vorhanden
Rolle im DepotSicherheitsbaustein neben Aktien
Teilfreistellungkeine, da kein Aktienanteil
AlternativeAnleihe-ETF mit niedrigeren Kosten

Wie Rentenfonds funktionieren

Der Fonds kauft Anleihen unterschiedlicher Schuldner und Laufzeiten. Die Zinsen fließen ins Fondsvermögen, auslaufende Papiere werden durch neue ersetzt.

Anders als bei einer einzelnen Anleihe gibt es kein Fälligkeitsdatum. Wer eine Anleihe direkt kauft und bis zum Ende hält, bekommt den Nennwert zurück – beim Fonds gibt es diese Garantie nicht, weil ständig umgeschichtet wird. Hintergründe im Beitrag zu Anleihen.

Die Lehre aus 2022

Jahrzehntelang galten Rentenfonds als der sichere Teil des Depots. 2022 verloren viele von ihnen zweistellig – für manche Anleger der größte Verlust ihrer Anlegerlaufbahn.

Der Grund liegt in der Mechanik: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen. Wer sechs Jahre zu einem Prozent verzinste Papiere hält, während neue drei Prozent bieten, muss beim Verkauf einen Abschlag hinnehmen.

Weil die Zinsen 2022 ungewöhnlich schnell stiegen, traf es besonders Fonds mit langen Laufzeiten. Die Verluste waren nicht Folge von Zahlungsausfällen, sondern schlicht der Zinsentwicklung.

Für Anleger ist die Lehre eindeutig: Der Sicherheitsbaustein schwankt ebenfalls – und zwar umso stärker, je länger die Laufzeiten im Fonds sind.

Die Laufzeit als Stellschraube

AusrichtungTypische RestlaufzeitKursreaktion bei Zinsanstieg
Kurzläufer1 bis 3 Jahregering
Mittlere Laufzeiten3 bis 7 Jahrespürbar
Langläuferüber 10 Jahrestark
Geldmarktfondsunter 1 Jahrkaum messbar

Die Kennzahl dafür heißt Duration. Sie gibt näherungsweise an, um wie viel Prozent der Kurs fällt, wenn die Zinsen um einen Prozentpunkt steigen. Bei einer Duration von sieben bedeutet ein Zinsanstieg um einen Punkt etwa sieben Prozent Kursverlust.

Diese Zahl steht in jedem Fondsfactsheet und ist die wichtigste Kennziffer bei der Auswahl – wichtiger als die Wertentwicklung der Vergangenheit.

Rentenfonds oder Einzelanleihe?

Beides hat seine Berechtigung, die Unterschiede sind allerdings grundlegend.

MerkmalRentenfondsEinzelne Anleihe
Endfälligkeitkeine, es wird laufend umgeschichtetfeste Rückzahlung zum Nennwert
Streuungüber hunderte Schuldnerein einziger Schuldner
Mindestanlageab wenigen Eurooft ab 1.000 Euro, teils mehr
Kursrisikodauerhaft vorhandenentfällt beim Halten bis zur Fälligkeit
AufwandkeinerWiederanlage nach Fälligkeit selbst organisieren

Wer einen festen Betrag zu einem bestimmten Zeitpunkt braucht, fährt mit einer einzelnen Anleihe besser: Die Rückzahlung steht fest, Kursschwankungen dazwischen sind gleichgültig.

Wer laufend anlegen und streuen will, nimmt den Fonds – akzeptiert dafür aber, dass es keinen Termin gibt, an dem der Nennwert zurückkommt.

Die Zwischenform

Seit einigen Jahren gibt es Fonds mit festem Enddatum, sogenannte Laufzeitfonds. Sie kaufen Anleihen, die alle zu einem bestimmten Zeitpunkt fällig werden, und lösen sich danach auf.

Damit verbinden sie die Streuung eines Fonds mit der Planbarkeit einer Einzelanleihe – zu etwas höheren Kosten.

Welche Arten es gibt

ArtSchwerpunktRisiko
StaatsanleihenfondsAnleihen von Staaten guter Bonitätgering bei Ausfällen, Zinsrisiko bleibt
UnternehmensanleihenfondsAnleihen von Unternehmenhöhere Rendite, Ausfallrisiko
HochzinsfondsSchuldner schwacher Bonitätdeutlich höheres Ausfallrisiko
SchwellenländerfondsAnleihen aufstrebender StaatenWährungs- und Politikrisiko
Mischungenbreite Streuung über Segmenteausgewogen, dafür unübersichtlicher

Häufige Fragen

Warum heißen sie Rentenfonds?

Der Begriff Rente steht hier für eine regelmäßige Zahlung, nicht für die Altersversorgung. Festverzinsliche Wertpapiere heißen im Fachjargon Rentenpapiere.

Sind sie sicherer als Aktienfonds?

In der Regel schwanken sie weniger. Verlustfrei sind sie aber nicht, wie 2022 gezeigt hat – bei steigenden Zinsen können zweistellige Rückgänge auftreten.

Wie viel gehört ins Depot?

Eine verbreitete Faustregel orientiert sich am Anlagehorizont: je kürzer dieser ist, desto höher der Anleihenanteil. Für sehr lange Zeiträume sprechen die Renditen eher für Aktien – nachzurechnen im ETF-Rechner.

Was bedeutet das Rating?

Es bewertet die Zahlungsfähigkeit des Schuldners. Fonds geben meist die Durchschnittsbonität ihres Bestands an – je schwächer diese ist, desto höher Rendite und Ausfallrisiko.

Lohnen sich Hochzinsfonds?

Sie bieten deutlich höhere Zinsen, tragen aber ein Ausfallrisiko, das sich in Krisen zeigt. In schweren Abschwüngen verhalten sie sich eher wie Aktien als wie Anleihen – als Sicherheitsbaustein taugen sie deshalb nicht.

Einordnung

Rentenfonds erfüllen ihre Aufgabe als Gegengewicht zu Aktien – solange man versteht, dass auch sie schwanken. Seit der Zinswende bieten sie wieder auskömmliche Renditen, nachdem sie jahrelang kaum etwas abwarfen.

Aus Sicht der Marktteilnehmer stellt sich vor allem die Kostenfrage. Bei einer erwarteten Rendite von drei Prozent macht ein aktiver Fonds mit einem Prozent Gebühr ein Drittel des Ertrags aus. Ein günstiger Anleihe-ETF erreicht dasselbe Ziel für einen Bruchteil davon.

Worauf bei der Auswahl zu achten ist

KriteriumEmpfehlung
Laufende Kostenunter 0,25 Prozent, bei aktiven Fonds kritisch prüfen
Durationpassend zum Anlagehorizont wählen
Währungauf Euro lautend oder währungsgesichert
Durchschnittsbonitätfür den Sicherheitsbaustein im Bereich guter Ratings
Fondsvolumenausreichend groß, um Schließungen zu vermeiden

Die Währungsfrage wird oft übersehen. Ein Fonds mit amerikanischen Staatsanleihen bringt Wechselkursrisiken mit, die größer ausfallen können als die Zinserträge – bei einem Sicherheitsbaustein ist das kontraproduktiv.

Währungsgesicherte Varianten lösen das, kosten aber etwas mehr und verlieren bei Zinsunterschieden zwischen den Währungsräumen an Rendite.

Quellen

Stand: 27. September 2026. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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