Fonds: Arten, Kosten und der Unterschied zwischen offen und geschlossen

von user

Ein Fonds sammelt das Geld vieler Anleger und legt es gemeinsam an. Das klingt einfach, umfasst aber sehr verschiedene Produkte – vom günstigen Indexfonds bis zum geschlossenen Beteiligungsmodell mit Totalverlustrisiko.

Das Wichtigste in Kürze

Was es istgemeinschaftliche Vermögensanlage vieler Anleger
RechtsformSondervermögen, getrennt vom Vermögen der Gesellschaft
VerwaltungKapitalverwaltungsgesellschaft, beaufsichtigt von der BaFin
Verwahrungeine unabhängige Verwahrstelle hält die Wertpapiere
Mindestanlageoft ab 25 Euro im Sparplan
Kostenvon 0,05 Prozent bei Indexfonds bis über 2 Prozent bei aktiven Fonds
BesteuerungAbgeltungsteuer auf Erträge und Kursgewinne
Wichtigste Unterscheidungoffen oder geschlossen, aktiv oder passiv

Der wichtigste Schutz: das Sondervermögen

Das Geld in einem offenen Fonds gehört rechtlich nicht der Fondsgesellschaft, sondern den Anlegern gemeinsam. Es wird getrennt vom Vermögen der Gesellschaft verwahrt.

Geht die Gesellschaft insolvent, fällt das Fondsvermögen nicht in die Insolvenzmasse. Die Anteile bleiben erhalten und können übertragen oder ausgezahlt werden.

Dieser Schutz gilt für offene Investmentfonds und damit auch für ETFs. Er gilt ausdrücklich nicht für geschlossene Beteiligungen – ein Unterschied, der im Ernstfall über alles entscheidet.

Die Arten von Fonds

ArtWas enthalten istTypisches Risiko
AktienfondsAnteile an Unternehmenhohe Schwankung, langfristig höchste Renditechance
RentenfondsAnleihen von Staaten und UnternehmenZinsänderungs- und Bonitätsrisiko
MischfondsAktien und Anleihen kombiniertabhängig von der Gewichtung
Geldmarktfondssehr kurz laufende Papieregering, Alternative zum Tagesgeld
ImmobilienfondsGebäude und GrundstückeBewertungs- und Liquiditätsrisiko
DachfondsAnteile an anderen Fondsdoppelte Kostenebene
IndexfondsAbbildung eines Indexentspricht dem Marktrisiko

Aktiv oder passiv

Die folgenreichste Entscheidung betrifft nicht die Anlageklasse, sondern die Art der Verwaltung.

MerkmalAktiver FondsIndexfonds
Zielden Markt schlagenden Markt abbilden
Kostenmeist 1,5 bis 2,0 Prozent im Jahr0,05 bis 0,50 Prozent
Ausgabeaufschlagbis zu 5 Prozententfällt
Handeleinmal täglich zum Anteilswertbörsentäglich fortlaufend
Erfolgsbilanzdie Mehrheit bleibt langfristig hinter dem Indexfolgt dem Index abzüglich Kosten

Untersuchungen zeigen seit Jahrzehnten dasselbe Bild: Über lange Zeiträume schafft es nur eine Minderheit der aktiv verwalteten Fonds, den Vergleichsindex nach Kosten zu übertreffen. Welche Fonds das sein werden, lässt sich vorher nicht bestimmen.

Das ist kein Urteil über die Fähigkeiten der Manager, sondern eine Folge der Kostenstruktur – nachzurechnen im ETF-Rechner.

Wie ein Fonds aufgebaut ist

Hinter jedem Fonds stehen drei getrennte Beteiligte. Diese Trennung ist der Grund, warum das Geld auch bei einer Insolvenz geschützt bleibt.

BeteiligterAufgabe
Kapitalverwaltungsgesellschaftlegt den Fonds auf und trifft die Anlageentscheidungen
Verwahrstelleverwahrt die Wertpapiere und überwacht die Gesellschaft
Aufsichtprüft Zulassung, Regeleinhaltung und Berichtspflichten
Anlegerhalten gemeinsam das Sondervermögen

Die Verwahrstelle ist dabei mehr als ein Lagerort: Sie muss prüfen, ob die Gesellschaft die Anlagegrenzen einhält, und kann Geschäfte beanstanden. Diese Kontrolle ist gesetzlich vorgeschrieben.

Der Anteilswert

Einmal täglich wird der Wert aller Positionen ermittelt und durch die Zahl der Anteile geteilt. Das Ergebnis ist der Anteilswert, zu dem klassische Fonds ausgegeben und zurückgenommen werden.

Bei börsengehandelten Indexfonds gibt es zusätzlich einen fortlaufenden Börsenkurs, der um den Anteilswert schwankt. Marktmacher sorgen dafür, dass beide Werte nicht weit auseinanderlaufen.

Die Anlagegrenzen

Gesetzliche Vorgaben begrenzen das Risiko: Kein einzelner Wert darf beliebig hoch gewichtet werden, und ein Fonds muss über eine Mindestzahl von Positionen streuen.

Die bekannteste Regel begrenzt einzelne Emittenten auf zehn Prozent des Fondsvermögens, wobei alle Positionen über fünf Prozent zusammen 40 Prozent nicht übersteigen dürfen. Damit ist ein Mindestmaß an Streuung immer gesichert.

Offen oder geschlossen

Diese Unterscheidung wird oft übersehen, ist aber die wichtigste beim Risiko.

Offene Fonds geben laufend neue Anteile aus und nehmen sie zurück. Das Vermögen ist Sondervermögen, der Anleger kann in der Regel jederzeit verkaufen.

Geschlossene Fonds sammeln einmalig Kapital für ein bestimmtes Projekt – ein Schiff, eine Immobilie, eine Windkraftanlage. Anleger werden unternehmerisch beteiligt, haften also mit ihrem Einsatz und können ihn vollständig verlieren. Ein Verkauf vor Laufzeitende ist meist kaum möglich.

Wer Fonds anbietet

Der deutsche Markt wird von wenigen großen Gesellschaften geprägt, die unterschiedlichen Gruppen zugeordnet sind.

GesellschaftZugehörigkeitSchwerpunkt
Union InvestmentVolksbanken und Raiffeisenbankenaktive Fonds für Privatkunden
DekaSparkassenaktive Fonds und eigene ETFs
DWSDeutsche Bankaktive Fonds, ETF-Marke Xtrackers
Allianz Global InvestorsAllianzaktive Fonds, institutionelles Geschäft
BlackRockeigenständigweltgrößter Vermögensverwalter, ETF-Marke iShares
VanguardeigenständigPionier der Indexfonds, genossenschaftlich organisiert
AmundiCrédit Agricolegrößter europäischer Vermögensverwalter

Für Anleger ist die Zugehörigkeit relevant, weil sie den Vertriebsweg bestimmt: Fonds von Union Investment und Deka werden überwiegend in Filialen verkauft, Indexfonds dagegen über Broker und Direktbanken.

Das erklärt auch den Kostenunterschied. Wo beraten wird, fällt ein Ausgabeaufschlag an, der die Beratung vergütet – im Selbstentscheid entfällt er.

Was Fonds kosten

KostenartWirkung
Ausgabeaufschlageinmalig beim Kauf, mindert sofort den Anlagebetrag
Laufende Kostenjährlich aus dem Fondsvermögen entnommen
Erfolgsabhängige Gebührzusätzlich bei Überschreiten einer Messlatte
Transaktionskostenentstehen im Fonds beim Umschichten
Depotgebührenbeim Broker, unabhängig vom Fonds

Die laufenden Kosten sind der entscheidende Posten, weil sie jedes Jahr anfallen. Ein Unterschied von einem Prozentpunkt kostet über dreißig Jahre einen erheblichen Teil des Endvermögens.

Wie Fonds besteuert werden

Seit der Reform von 2018 gilt für alle Fonds dasselbe Verfahren, unabhängig davon, wo sie aufgelegt sind.

VorgangBesteuerung
AusschüttungenAbgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Zuschläge
Kursgewinne beim Verkaufebenso, fällig erst bei Realisierung
Thesaurierende Fondsjährliche Vorabpauschale als Vorauszahlung
Teilfreistellungein Teil der Erträge bleibt steuerfrei, je nach Aktienanteil
FreibetragSparerpauschbetrag über den Freistellungsauftrag

Die Teilfreistellung ist der wichtigste Punkt für Anleger: Bei Aktienfonds mit mindestens 51 Prozent Aktienanteil bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei. Bei Immobilienfonds sind es je nach Ausrichtung 60 oder 80 Prozent.

Diese Regelung gleicht die Steuern aus, die der Fonds bereits auf Ebene der Anlagen gezahlt hat. Praktisch bedeutet sie, dass die effektive Steuerlast unter dem Nominalsatz von 25 Prozent liegt.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn die Fondsgesellschaft pleitegeht? Bei offenen Fonds nichts: Das Sondervermögen bleibt erhalten und wird übertragen oder ausgezahlt.

Kann ein Fonds geschlossen werden? Ja, bei zu geringem Volumen werden Fonds aufgelöst oder verschmolzen. Der Anteilswert wird ausgezahlt, ein Verlust entsteht dadurch nicht – der Verkauf wird allerdings steuerlich wirksam.

Was bedeutet der Ausgabeaufschlag? Ein einmaliger Aufschlag beim Kauf, oft bis zu fünf Prozent. Über Direktbanken entfällt er häufig ganz oder teilweise.

Wie findet man die Kosten? Im Basisinformationsblatt, das jeder Anbieter bereitstellen muss. Dort stehen laufende Kosten, einmalige Gebühren und eine Modellrechnung zur Wirkung.

Einordnung

Fonds lösen ein Problem, das Privatanleger allein kaum bewältigen: die Streuung über viele Werte mit überschaubaren Beträgen. Ob sich die Anlage lohnt, entscheidet sich an den Kosten und an der Frage, ob offen oder geschlossen investiert wird.

Aus Sicht der Marktteilnehmer hat sich die Antwort in den vergangenen zwanzig Jahren verschoben: Für den breiten Vermögensaufbau sind Indexfonds die Standardlösung geworden, aktive Fonds behaupten sich vor allem in Nischen.

Die Entwicklung des Marktes

Der deutsche Fondsmarkt verwaltet Vermögen im Billionenbereich. Die Gewichte haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben.

EntwicklungBefund
Indexfondsstarkes Wachstum, vor allem bei Privatanlegern
Aktive Publikumsfondsstagnierend bis rückläufig bei Neuanlagen
SparpläneMillionen laufender Verträge, überwiegend auf ETFs
Nachhaltige Fondsnach starkem Zulauf zuletzt verhaltene Entwicklung
Geldmarktfondsdeutliche Zuflüsse seit der Zinswende

Der Wandel hat weniger mit Anlagetheorie zu tun als mit Vertriebswegen. Wo früher die Bankfiliale entschied, wählen Anleger heute selbst im Depot – und dort fallen Kostenunterschiede unmittelbar auf.

Für die Fondsgesellschaften bedeutet das Druck auf die Margen. Mehrere Anbieter haben eigene Indexfondsreihen aufgelegt, um im Selbstentscheider-Geschäft mitzuhalten.

Quellen

Stand: 27. September 2026. Kostenangaben sind Richtwerte. Keine Anlageberatung.

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