Pfandbrief: Warum er seit 250 Jahren nicht ausgefallen ist

Der Pfandbrief ist das älteste standardisierte Wertpapier Deutschlands und gilt als besonders sicher: Hinter ihm steht nicht nur die Bank, sondern zusätzlich ein Deckungsstock aus Immobilienkrediten oder Forderungen an die öffentliche Hand.

Das Wichtigste in Kürze

EmittentBanken mit Pfandbrieflizenz
BesicherungDeckungsstock aus Hypotheken oder Staatskrediten
Gesetzliche GrundlagePfandbriefgesetz
Bonitätmeist Bestnote, oft besser als die Bank selbst
Laufzeiten2 bis 10 Jahre, teils länger
Renditeetwas über Bundesanleihen, unter Unternehmensanleihen
Historieseit 1769, kein einziger Ausfall bis heute
BedeutungReferenz für die Zinsen der Baufinanzierung

Die doppelte Sicherheit

Ein normaler Gläubiger einer Bank hat im Insolvenzfall nur einen Anspruch gegen deren Vermögensmasse. Beim Pfandbrief kommt eine zweite Ebene hinzu.

EbeneWas sie bedeutet
Die Bankhaftet mit ihrem gesamten Vermögen
Der Deckungsstockein separater Bestand an Krediten, der nur den Pfandbriefgläubigern zusteht
Im Insolvenzfallder Deckungsstock fällt nicht in die Insolvenzmasse
Treuhänderüberwacht den Bestand laufend und unabhängig

Die Deckungsmasse muss die ausgegebenen Pfandbriefe jederzeit übersteigen. Fällt ihr Wert, muss die Bank nachschießen. Zusätzlich gelten strenge Grenzen: Immobilien dürfen nur bis zu 60 Prozent ihres Beleihungswerts als Deckung dienen.

Diese Konstruktion erklärt, warum Pfandbriefe oft ein besseres Rating tragen als die Bank, die sie ausgibt – und warum in über 250 Jahren kein deutscher Pfandbrief ausgefallen ist, auch nicht in den Weltkriegen oder der Finanzkrise.

Die Arten

ArtDeckungAnteil am Markt
HypothekenpfandbriefImmobilienkrediteder größte Teil
Öffentlicher PfandbriefKredite an Staat, Länder und Kommunenzweitgrößter Bereich
SchiffspfandbriefSchiffshypothekenNischenprodukt
FlugzeugpfandbriefFlugzeugfinanzierungensehr klein

Für Anleger sind die ersten beiden relevant. Hypothekenpfandbriefe hängen an der Entwicklung des Immobilienmarkts, öffentliche Pfandbriefe an der Bonität staatlicher Schuldner.

Die Geschichte

1769 erließ Friedrich der Große eine Order, mit der verschuldete Gutsbesitzer sich über Landschaften genannte Kreditgenossenschaften finanzieren konnten. Die dabei ausgegebenen Papiere waren durch die Güter selbst besichert – das Grundprinzip des Pfandbriefs.

Im 19. Jahrhundert übernahmen Hypothekenbanken das Modell für den städtischen Wohnungsbau. 1900 regelte das Hypothekenbankgesetz die Anforderungen erstmals einheitlich, 2005 löste das heutige Pfandbriefgesetz es ab.

Bemerkenswert ist die Durchgängigkeit: Durch alle politischen Umbrüche hinweg blieb die Konstruktion erhalten. Kein deutscher Pfandbrief fiel aus – ein Befund, auf den der Markt seine Reputation bis heute stützt.

Wer Pfandbriefe kauft

GruppeMotiv
Versicherersichere Anlage mit planbaren Zahlungen
BankenLiquiditätsreserve mit besserer Rendite als Staatsanleihen
NotenbankenTeil der Währungsreserven, zeitweise auch Ankaufprogramme
FondsBaustein für sicherheitsorientierte Rentenfonds
Privatanlegerüberwiegend indirekt über Fonds

Die Europäische Zentralbank kaufte über Jahre gezielt Covered Bonds, um den Markt zu stützen. Das drückte die Renditen und verengte den Abstand zu Staatsanleihen – ein Effekt, der sich mit dem Ende der Programme wieder umkehrte.

Der Zusammenhang mit den Bauzinsen

Banken refinanzieren Immobilienkredite überwiegend über Pfandbriefe. Was sie dafür am Kapitalmarkt zahlen müssen, bestimmt direkt, was ein Bauherr für seine Finanzierung zahlt.

Deshalb folgen die Bauzinsen nicht dem Leitzins der Zentralbank, sondern den Renditen langlaufender Pfandbriefe – und diese wiederum orientieren sich an den Bundesanleihen plus einem kleinen Aufschlag.

Wer die Entwicklung der Bauzinsen abschätzen will, schaut also auf die Pfandbriefrenditen mit zehnjähriger Laufzeit. Sie laufen den Angeboten der Banken um wenige Wochen voraus.

Für Anleger

Die Rendite liegt typischerweise 0,2 bis 0,6 Prozentpunkte über Bundesanleihen gleicher Laufzeit – ein Aufschlag für die etwas geringere Liquidität, nicht für ein höheres Ausfallrisiko.

Die Stückelung ist die praktische Hürde. Viele Emissionen richten sich an institutionelle Anleger und werden erst ab 100.000 Euro gehandelt. Für Privatanleger bleiben einzelne kleinere Papiere oder Fonds.

Der Handel ist weniger lebhaft als bei Bundesanleihen. Die Spannen fallen entsprechend weiter aus, ein Limit ist angebracht.

Die Einlagensicherung greift nicht. Ein Pfandbrief ist ein Wertpapier, kein Bankguthaben – die Sicherheit kommt aus dem Deckungsstock, nicht aus einem Sicherungsfonds.

Der internationale Vergleich

Nach deutschem Vorbild entstanden ähnliche Produkte in vielen Ländern: Covered Bonds in Großbritannien, Obligations Foncières in Frankreich, Cédulas in Spanien.

Die Ausgestaltung unterscheidet sich allerdings erheblich. Der deutsche Pfandbrief gilt wegen der strengen gesetzlichen Vorgaben und der Trennung des Deckungsstocks als Maßstab – andere Länder erlauben höhere Beleihungsgrenzen oder weniger strikte Überwachung.

Wer in europäische Covered-Bond-Fonds investiert, sollte deshalb wissen, welche Länder enthalten sind. Die Bezeichnung allein sagt wenig über die tatsächliche Sicherheit.

Häufige Fragen

Sind Pfandbriefe sicherer als Bankeinlagen?

Sie sind anders gesichert. Einlagen bis 100.000 Euro je Bank deckt die Einlagensicherung, Pfandbriefe der Deckungsstock. Bei größeren Beträgen kann der Pfandbrief die stabilere Lösung sein.

Was passiert, wenn Immobilienpreise fallen?

Die Bank muss den Deckungsstock aufstocken. Weil nur 60 Prozent des Beleihungswerts angerechnet werden, besteht ein erheblicher Puffer, bevor das relevant wird.

Wo finde ich Pfandbriefrenditen?

Die Bundesbank veröffentlicht Zinsstatistiken, der Verband deutscher Pfandbriefbanken Marktdaten. Für einzelne Papiere gelten die Kurse an den Börsen.

Kann ich Pfandbriefe im Sparplan kaufen?

Einzeln in der Regel nicht. Über Fonds oder ETFs auf Covered Bonds ist das möglich – Grundlagen unter Anleihen-ETF.

Einordnung

Der Pfandbrief besetzt eine Lücke zwischen Staatsanleihe und Unternehmensanleihe: etwas mehr Rendite als der Bund, ohne dessen Sicherheitsniveau nennenswert zu unterschreiten.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist die lückenlose Historie ohne Ausfall bemerkenswert – sie umfasst zwei Weltkriege, zwei Währungsreformen und mehrere Finanzkrisen. Für Privatanleger bleibt die Stückelung die praktische Hürde, weshalb der Zugang meist über Fonds führt. Grundlagen zur Anlageklasse stehen im Beitrag Anleihen.

Quellen

Stand: 26. September 2026. Renditeangaben sind Richtwerte. Keine Anlageberatung.

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