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Broker in Deutschland: Arten, Prüfkriterien und versteckte Kosten

von user

In Deutschland gibt es rund zwanzig Anbieter, über die Privatanleger Wertpapiere handeln können. Sie unterscheiden sich weniger im Angebot als in der Struktur dahinter – und genau die entscheidet oft über Kosten und Sicherheit.

Die drei Arten von Anbietern

ArtMerkmale
Filialbankeneigene Banklizenz, persönliche Beratung, höhere Gebühren
Direktbankeneigene Banklizenz, kein Filialnetz, mittlere Gebühren, breites Angebot
Neobrokermeist ohne eigene Verwahrlizenz, App-basiert, sehr niedrige Gebühren, eingeschränktes Angebot

Der wichtigste Unterschied betrifft die Verwahrung. Viele Neobroker sind reine Vermittler – die Wertpapiere liegen bei einer Partnerbank, oft bei der Baader Bank. Das ist kein Nachteil, sollte aber bekannt sein.

Die Anbieter im Überblick

Die Übersicht nennt Strukturmerkmale, keine Bewertungen. Sie ersetzt keine eigene Prüfung – Konditionen und Partnerbanken ändern sich, maßgeblich sind allein die Angaben des jeweiligen Anbieters.

AnbieterArtVerwahrungBesonderheit
comdirectDirektbankCommerzbank-Tochter, eigene Banklizenzbreites Angebot, Filialzugang über die Mutter
ING DeutschlandDirektbankeigene BanklizenzTeil der niederländischen ING Group
DKBDirektbankeigene Banklizenzgehört zur BayernLB
ConsorsbankDirektbankeigene BanklizenzTeil von BNP Paribas
S BrokerDirektbankeigene BanklizenzAnbieter der Sparkassen-Gruppe
flatexDirektbankeigene Banklizenzbörsennotiert als flatexDEGIRO
Trade RepublicNeobrokereigene BanklizenzApp-basiert, Vollbank seit 2023
Scalable CapitalNeobrokerPartnerbankauch als Vermögensverwalter tätig
finanzen.net zeroNeobrokerBaader BankAbleger des Finanzportals
Smartbroker+NeobrokerBaader Bankbreite Handelsplatzauswahl
justTRADENeobrokerPartnerbankauch Kryptowerte handelbar

Daneben bieten alle Filialbanken – Sparkassen, Volksbanken, Deutsche Bank, Commerzbank – Wertpapierdepots an. Sie sind in der Regel teurer, dafür gibt es einen Ansprechpartner vor Ort.

Ausländische Anbieter wie Interactive Brokers oder eToro stehen deutschen Anlegern ebenfalls offen. Dort fehlt allerdings meist die automatische Steuerabführung, was eine eigene Erklärung nötig macht – siehe Abgeltungsteuer.

Stand: September 2026. Ohne Gewähr auf Vollständigkeit oder Aktualität.

Weitere Anbieter am Markt

AnbieterArtVerwahrungBesonderheit
maxblueDirektbankDeutsche BankDepotangebot der Deutschen Bank
PostbankFilialbankeigene Banklizenzgehört zur Deutschen Bank Gruppe
TargobankFilialbankeigene BanklizenzTeil der französischen Crédit Mutuel
1822direktDirektbankFrankfurter SparkasseDirektbank-Tochter einer Sparkasse
onvista bankDirektbankCommerzbankgehört wie comdirect zur Commerzbank
Traders PlaceNeobrokerPartnerbankAbleger eines Börsenmaklers

Hinzu kommen die Depots der Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Fondsplattformen wie ebase oder die FIL Fondsbank, die überwiegend über Vermittler zugänglich sind.

Anbieter mit Sitz im Ausland

Diese Anbieter stehen deutschen Anlegern offen, unterliegen aber der Aufsicht ihres Sitzlandes. Das betrifft vor allem zwei Punkte: die Einlagensicherung und die Steuer.

AnbieterSitzSchwerpunkt
Interactive BrokersUSA / Irlandsehr breiter Marktzugang, Terminhandel, Fremdwährungskonten
LYNXNiederlandeZugang über Interactive Brokers, deutschsprachiger Service
CapTraderDeutschland / IBVermittler mit Zugang zur Infrastruktur von Interactive Brokers
XTBPolenSchwerpunkt auf Differenzkontrakten und Hebelprodukten
Trading 212Bulgarien / GroßbritannienApp-basiert, Hebelprodukte und Wertpapiere
eToroIsrael / ZypernSchwerpunkt auf Kopieren fremder Depots und Kryptowerten
Freedom24ZypernZugang zu US-Börsengängen als Besonderheit

Wichtig bei ausländischen Anbietern: Sie führen die Abgeltungsteuer in der Regel nicht automatisch ab. Gewinne müssen selbst in der Steuererklärung angegeben werden, ein Freistellungsauftrag greift dort nicht.

Einige dieser Anbieter haben ihren Schwerpunkt bei Differenzkontrakten – Produkten mit Hebel, bei denen Verluste schnell entstehen. Die europäische Aufsicht schreibt deshalb Warnhinweise vor, die den Anteil verlierender Konten nennen. Ein Blick darauf lohnt sich.

Woran Sie einen Anbieter prüfen

Zulassung. Jeder Anbieter muss in der Unternehmensdatenbank der BaFin eingetragen sein. Der Abgleich dauert eine Minute und schließt die häufigste Betrugsform aus.

Verwahrstelle. Wer führt das Depot tatsächlich? Bei Vermittlern steht das in den Vertragsunterlagen, nicht auf der Startseite.

Handelsplätze. Manche Anbieter bieten nur einen einzigen Platz an. Das ist günstig, nimmt aber die Wahlmöglichkeit – siehe Tradegate und Börse Stuttgart.

Sparplanangebot. Wie viele ETFs sind sparplanfähig, und was kostet die Ausführung? Bei monatlichen Raten macht das über Jahre erhebliche Unterschiede – siehe ETF-Sparplan.

Steuerabwicklung. Deutsche Anbieter führen die Abgeltungsteuer automatisch ab und berücksichtigen den Freistellungsauftrag. Bei ausländischen Brokern müssen Sie selbst erklären.

Haftung und Absicherung

Viele Anleger glauben, ihr Depot sei bis 100.000 Euro geschützt. Das trifft nur auf Guthaben zu – bei Wertpapieren greift ein ganz anderer, meist besserer Mechanismus.

Was betroffen istSchutzmechanismusUmfang
Guthaben auf dem Verrechnungskontogesetzliche Einlagensicherung100.000 € je Kunde und Institut
Wertpapiere im DepotEigentum des Anlegers, kein Teil der Insolvenzmasseder Höhe nach unbegrenzt
Wertpapiere, die nicht herausgegeben werden könnenAnlegerentschädigung90 Prozent, höchstens 20.000 €
Guthaben über 100.000 €freiwilliger Sicherungsfonds, sofern das Institut angeschlossen istje nach Institut sehr unterschiedlich
Depot bei ausländischem AnbieterSicherung nach dem Recht des Sitzlandesabweichende Beträge und Verfahren

Warum Wertpapiere besser geschützt sind als Bargeld

Eine Bank verwahrt Wertpapiere lediglich – Eigentümer bleibt der Anleger. Geht das Institut insolvent, werden die Bestände herausgegeben oder auf ein anderes Depot übertragen. Ein Verlust entsteht dadurch nicht, unabhängig von der Höhe.

Guthaben ist anders: Wer Geld auf ein Konto einzahlt, gibt es der Bank als Darlehen. Deshalb braucht es dort eine Einlagensicherung – und deshalb endet sie bei 100.000 Euro.

Praktisch bedeutet das: Größere Beträge, die nur auf dem Verrechnungskonto liegen, sind schlechter geschützt als dieselbe Summe in Wertpapieren. Mehr dazu im Beitrag zum Wertpapierdepot.

Wofür niemand haftet

Keine Sicherung greift bei Kursverlusten. Wer Aktien kauft, die fallen, trägt das allein – das ist kein Versagen des Brokers, sondern das Wesen der Anlage.

Ebenso wenig geschützt sind Zertifikate bei Insolvenz des Emittenten. Sie sind Schuldverschreibungen, kein Sondervermögen – der Unterschied ist im Beitrag zu Wikifolio erklärt.

Und bei nicht zugelassenen Anbietern gibt es gar keinen Schutz. Deshalb lohnt der Abgleich mit der Unternehmensdatenbank der BaFin vor jeder Kontoeröffnung.

Die Kostenfallen

Die beworbene Ordergebühr ist selten der ganze Preis. Hinzu kommen:

  • Die Geld-Brief-Spanne am Handelsplatz – bei kleinen Orders oft teurer als die Gebühr selbst
  • Fremdkostenpauschalen bei Auslandsorders
  • Gebühren für Dividendenzahlungen ausländischer Aktien bei manchen Anbietern
  • Kosten für Depotüberträge, wenn Sie später wechseln wollen

Ein Anbieter mit null Euro Ordergebühr kann teurer sein als einer mit fünf Euro, wenn die Spanne am einzigen verfügbaren Handelsplatz breiter ausfällt.

Was Bewertungen im Netz aussagen

Sternebewertungen auf Portalen sind mit Vorsicht zu lesen. Zufriedene Kunden schreiben selten, verärgerte fast immer – schon deshalb fällt das Bild schlechter aus, als es der Realität entspricht.

Hinzu kommt, dass viele Beschwerden Marktereignisse betreffen, nicht den Anbieter: An Tagen mit starken Kursbewegungen sind Apps überlastet, was bei allen Anbietern passiert.

Aussagekräftiger als die Durchschnittsnote ist die Art der Beschwerden. Wiederkehrende Berichte über nicht erreichbaren Support, verzögerte Depotüberträge oder fehlerhafte Steuerbescheinigungen sind ernst zu nehmen – Einzelmeinungen zur Farbgestaltung der App nicht.

Welcher Anbieter zu wem passt

Für Sparplan-Anleger zählt vor allem, wie viele ETFs kostenfrei besparbar sind. Die Ordergebühr für Einzelkäufe spielt kaum eine Rolle, wenn monatlich automatisch gekauft wird.

Für aktive Anleger zählen Handelsplatzauswahl, Ordergebühren und die Verfügbarkeit in Stressphasen.

Für Einsteiger mit kleinen Beträgen sind Neobroker attraktiv, weil feste Mindestgebühren entfallen. Bei fünfzig Euro im Monat wären fünf Euro Ordergebühr zehn Prozent Kosten.

Wer Beratung möchte, findet sie bei Filialbanken – und zahlt dafür. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie viel man selbst entscheiden möchte.

Fazit

Den besten Broker gibt es nicht, weil die Anforderungen zu unterschiedlich sind. Es gibt aber Kriterien, die sich objektiv prüfen lassen: Zulassung, Verwahrstelle, Handelsplätze, Sparplanangebot und die vollständigen Kosten.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist der häufigste Fehler, nur auf die Ordergebühr zu schauen. Wer die Spanne am Handelsplatz einrechnet, kommt bei kleinen Beträgen regelmäßig zu einem anderen Ergebnis als jede Werbetabelle.

Praktische Hinweise stehen im Depot-Vergleich und im Beitrag Depot eröffnen. Grundlagen finden Sie unter Finanzwissen.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung einzelner Anbieter dar. Angaben ohne Gewähr.

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