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Tradegate: Handelszeiten, Kursstellung und worauf Anleger achten

von FNE-Redaktion

Tradegate ist der Handelsplatz, über den ein Großteil der Privatanleger-Orders in Deutschland läuft – oft ohne dass die Anleger es bemerken. Viele Broker leiten Aufträge standardmäßig dorthin.

Was Tradegate ist

Hinter dem Namen stehen zwei Dinge, die häufig verwechselt werden.

Tradegate Exchangeeine staatlich beaufsichtigte Wertpapierbörse mit Sitz in Berlin
Tradegate AGdas Unternehmen dahinter, das als Marktmacher auftritt

Die Börse ist speziell auf Privatanleger ausgerichtet: lange Handelszeiten, keine Mindestordergröße, Ausführung in Sekunden. Seit dem 1. Januar 2026 bilden die Tradegate Exchange und die Börse Berlin gemeinsam die Tradegate Berlin Stock Exchange, kurz Tradegate BSX; der klassische Parketthandel der Börse Berlin wurde dabei eingestellt. Einen Überblick über alle deutschen Börsen gibt die Seite Handelsplätze in Deutschland. Die Deutsche Börse hält eine Beteiligung an der Tradegate AG – siehe das Portrait zur Deutschen Börse.

Handelszeiten

Der entscheidende Vorteil gegenüber Xetra sind die Öffnungszeiten. Tradegate handelt an Werktagen von 7.30 bis 22 Uhr – Xetra dagegen nur von 9 bis 17.30 Uhr.

Wer abends nach Feierabend handeln will oder auf US-Nachrichten reagieren möchte, die nach deutschem Börsenschluss eintreffen, kann das über Tradegate tun. Genau darin liegt für Berufstätige der praktische Nutzen.

Wie die Kursstellung funktioniert

Anders als bei einer klassischen Börse treffen bei Tradegate nicht einfach Käufer und Verkäufer aufeinander. Ein Marktmacher stellt laufend Preise – er kauft und verkauft gegen das eigene Buch.

Daraus ergibt sich die Geld-Brief-Spanne: Der Verkaufspreis liegt stets etwas über dem Ankaufspreis. Diese Differenz ist der Verdienst des Marktmachers – und für den Anleger ein Kostenfaktor, der neben den Ordergebühren des Brokers anfällt.

In den Haupthandelszeiten ist die Spanne meist eng und orientiert sich am Xetra-Kurs. Früh morgens, spät abends und in hektischen Marktphasen wird sie breiter.

Worauf Anleger achten sollten

Limit statt Market. Eine unlimitierte Order wird zum nächstbesten Preis ausgeführt – bei breiter Spanne kann das teuer werden. Ein Limit legt fest, welchen Preis Sie höchstens zahlen.

Randzeiten meiden. Zwischen 9 und 17.30 Uhr, wenn Xetra parallel läuft, sind die Kurse am verlässlichsten. Um 8 Uhr morgens oder um 21 Uhr fehlt dieser Referenzpreis.

Gesamtkosten rechnen. Ein Broker mit günstigen Ordergebühren nützt wenig, wenn die Spanne am gewählten Handelsplatz breit ist. Mehr dazu im Depot-Vergleich.

Tradegate oder Xetra?

TradegateXetra
Handelszeit7.30 bis 22 Uhr9 bis 17.30 Uhr
PreisbildungMarktmacher stellt KurseOrderbuch aller Teilnehmer
ZielgruppePrivatanlegeralle, auch institutionelle
Handelsvolumenviele kleine Ordershöchste Liquidität

Für kleinere Beträge in den Kernzeiten macht der Unterschied selten viel aus. Bei größeren Summen oder wenig gehandelten Werten ist Xetra wegen der höheren Liquidität meist die bessere Wahl.

Tradegate Exchange und Tradegate AG: nicht dasselbe

Der häufigste Irrtum: „Tradegate“ bezeichnet zwei verschiedene Dinge. Die Tradegate Exchange ist ein regulierter Handelsplatz im Freiverkehr der Börse Berlin – mit Handelsüberwachung, Mistrade-Regeln und Börsenaufsicht. Die Tradegate AG Wertpapierhandelsbank ist das Unternehmen, das als Market Maker dort die Kurse stellt. Mehrheitlich gehört sie zur Deutsche-Börse-Gruppe.

Für Anleger ist der Unterschied relevant, weil er die Rechtslage bestimmt: Ein Geschäft an der Tradegate Exchange ist ein Börsengeschäft, kein außerbörslicher Direkthandel. Bei einem offensichtlich falschen Kurs greifen die Mistrade-Regeln der Börse Berlin – eine Instanz, die es beim Direkthandel mit einem Emittenten nicht gibt.

Im Vergleich mit den anderen Plätzen

HandelsplatzHandelszeitenCharakter
Xetra9:00 – 17:30 UhrReferenzmarkt, höchste Liquidität bei Standardwerten
Tradegate Exchange7:30 – 22:00 UhrMarket Maker, lange Zeiten, viele Broker
gettex7:30 – 23:00 UhrMarket Maker, Börse München
LS Exchange7:30 – 23:00 UhrMarket Maker, Handelsplatz vieler Neobroker
Börse Stuttgart7:30 – 22:00 UhrStärke bei Anleihen und Derivaten
Börse Frankfurt8:00 – 22:00 UhrSpezialistenmodell, breites Gattungsspektrum

Tradegate hat unter den Market-Maker-Plätzen die größte Reichweite: Fast jeder Broker bietet ihn an, und bei vielen ist er der voreingestellte Handelsplatz. Das ist bequem, aber kein Automatismus – zwischen 9:00 und 17:30 Uhr ist Xetra bei liquiden Standardwerten häufig die bessere Wahl, weil dort das Orderbuch tiefer ist.

Wann Tradegate die bessere Wahl ist

  • Vor 9:00 und nach 17:30 Uhr, wenn Xetra geschlossen ist und man trotzdem handeln will oder muss.
  • Bei kleinen Ordergrößen, wo das Handelsplatzentgelt von Xetra prozentual stärker ins Gewicht fällt.
  • Bei ausländischen Aktien, die in Deutschland nur dünn gehandelt werden – der Market Maker stellt auch dann einen Kurs, wenn im Orderbuch nichts los ist.
  • Nicht sinnvoll bei sehr großen Orders in DAX-Werten: Dort zählt die Orderbuchtiefe, und die hat Xetra.

Unabhängig vom Platz gilt: Außerhalb der Xetra-Zeiten mit Limit arbeiten statt mit Billigst-Order. Warum das gerade in Randzeiten wichtig ist, erklärt unser Beitrag zum Spread.

Fragen und Antworten

Was sind die Handelszeiten von Tradegate?

Montag bis Freitag von 8:00 bis 22:00 Uhr. Am Wochenende und an Börsenfeiertagen findet kein Handel statt.

Ist Tradegate eine echte Börse?

Ja. Die Tradegate Exchange ist ein regulierter Handelsplatz im Freiverkehr der Börse Berlin. Die Tradegate AG ist dagegen das Handelshaus, das dort die Kurse stellt.

Tradegate oder Xetra – was ist besser?

Zwischen 9:00 und 17:30 Uhr ist Xetra bei liquiden Standardwerten meist überlegen. Außerhalb dieser Zeiten und bei marktengen Werten spielt Tradegate seine Stärke aus.

Was kostet der Handel über Tradegate?

Für Privatanleger fällt in der Regel kein eigenes Handelsplatzentgelt an. Bezahlt werden die Ordergebühren des Brokers – und der Spread, der außerhalb der Xetra-Zeiten breiter ausfällt.

Fazit

Tradegate hat den Wertpapierhandel für Privatanleger zugänglicher gemacht – vor allem durch die langen Handelszeiten und die Ausrichtung auf kleine Orders.

Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt ein Blick auf die Geld-Brief-Spanne, bevor die Order abgeschickt wird. Sie steht im Depot direkt neben dem Kurs und ist bei kleinen Beträgen oft der größere Kostenblock als die Ordergebühr selbst.

Weitere Grundlagen finden Sie unter Finanzwissen, etwa zum Wertpapierdepot und zum Aktienkauf.

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Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Auch Tradegate schließt um 22 Uhr und bleibt am Wochenende geschlossen. Welche Möglichkeiten es samstags und sonntags noch gibt, erklärt unser Beitrag zum Wochenendhandel.

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