Depotvergleiche vergleichen meist die Ordergebühr und fertig. Das greift zu kurz: Je nachdem, wie Sie anlegen, entscheiden ganz andere Posten darüber, was am Ende übrig bleibt. Diese sieben Kriterien sollten Sie prüfen.
1. Depotführungsgebühr
Bei Direktbanken und Neobrokern ist die Depotführung meist kostenlos, teilweise gekoppelt an Bedingungen wie regelmäßige Sparpläne oder eine Mindestzahl von Orders. Filialbanken verlangen oft dreistellige Jahresbeträge.
Prüfen Sie, ob die Kostenfreiheit dauerhaft gilt oder nur im ersten Jahr.
2. Ordergebühr und ihre Struktur
Drei Modelle sind üblich: ein Festpreis je Order, ein prozentualer Satz vom Volumen mit Mindest- und Höchstbetrag, oder eine Kombination.
Welches günstiger ist, hängt von Ihrer Ordergröße ab. Bei 500 Euro je Kauf ist ein niedriger Festpreis besser, bei 20.000 Euro ein gedeckelter Prozentsatz. Rechnen Sie mit Ihrer realistischen Ordergröße, nicht mit dem Beispiel aus der Werbung.
3. Sparplankosten
Für alle, die monatlich anlegen, der wichtigste Posten überhaupt. Die Spanne reicht von kostenlos bis 1,5 Prozent der Rate.
Bei 200 Euro monatlich und 1,5 Prozent sind das 36 Euro im Jahr – auf zwanzig Jahre mit Zinseszinseffekt ein vierstelliger Betrag. Achten Sie außerdem darauf, ob Ihr gewünschter ETF überhaupt sparplanfähig ist und ob kostenlose Aktionen befristet sind.
4. Handelsplätze
Ein Anbieter mit nur einem Handelsplatz ist günstiger, aber unflexibler. Xetra hat die höchsten Umsätze und damit die engsten Spannen zwischen An- und Verkaufskurs.
Diese Spanne ist ein versteckter Kostenfaktor: Bei wenig gehandelten Werten aus dem SDAX kann sie mehr ausmachen als die Ordergebühr. Eine gesparte Gebühr nützt nichts, wenn der Ausführungskurs schlechter ist.
5. Fremdkostenpauschale
Der Posten, der in Vergleichstabellen fast immer fehlt. Beim Handel an ausländischen Börsen oder mit ausländischen Wertpapieren fallen zusätzliche Gebühren an, die manche Anbieter pauschal weiterreichen.
Wer US-Werte aus dem Dow Jones handeln will, sollte gezielt danach fragen.
6. Bruchstückhandel und Mindestrate
Ohne Bruchstückhandel können Sparraten nicht vollständig investiert werden, wenn der Anteilspreis über der Rate liegt. Bei kleinen Beträgen ist das entscheidend.
Prüfen Sie auch die Mindestsparrate und die möglichen Intervalle – manche Anbieter erlauben nur monatlich, andere auch wöchentlich oder quartalsweise.
7. Steuerliche Abwicklung
Deutsche Anbieter führen die Abgeltungsteuer automatisch ab und berücksichtigen den Freistellungsauftrag. Bei ausländischen Brokern müssen Sie Erträge selbst erklären – das kostet Zeit und im Zweifel Steuerberatungsgebühren.
Auch die Verlustverrechnungstöpfe führen nur inländische Anbieter. Für die meisten Privatanleger wiegt diese Bequemlichkeit mehr als ein Euro Unterschied bei der Ordergebühr.
Was für Sie zählt
| Anlegertyp | Wichtigste Kriterien |
|---|---|
| Sparplan-Anleger | Sparplankosten, Bruchstückhandel, ETF-Auswahl |
| Einmalanleger | Ordergebühr, Handelsplätze, Spanne |
| Vielhandler | Ordergebühr, Handelsplätze, Ordertypen |
| Auslandsinvestor | Fremdkostenpauschale, Währungsumrechnung |
Fazit
Das günstigste Depot gibt es nicht – es gibt nur das günstigste für ein bestimmtes Anlageverhalten. Wer monatlich spart, braucht andere Konditionen als jemand, der zweimal im Jahr größere Beträge investiert.
Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt sich, die eigene Nutzung einmal durchzurechnen: Wie oft kaufe ich, in welcher Höhe, an welchen Börsen? Mit diesen drei Zahlen lässt sich jeder Vergleich in zehn Minuten auswerten. Wie die Eröffnung danach abläuft, steht im Beitrag Depot eröffnen.
Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.