Der Einstieg in die Aktienanlage scheitert selten am Fachwissen, sondern an der Frage, womit man anfangen soll. Diese fünf Schritte führen in einer Reihenfolge durch, die sich in der Praxis bewährt hat.
Schritt 1: Erst die Grundlagen, dann die Börse
Bevor Geld an die Börse geht, gehören zwei Dinge geregelt. Teure Schulden – Dispo, Ratenkredite – sollten getilgt sein: Keine Aktienrendite schlägt zuverlässig zehn Prozent Dispozinsen.
Und es braucht einen Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto. Wer diese Reserve nicht hat, muss bei einer kaputten Waschmaschine womöglich Aktien verkaufen – vielleicht genau dann, wenn die Kurse unten stehen.
Schritt 2: Den Anlagehorizont klären
Geld, das in den nächsten fünf Jahren gebraucht wird, gehört nicht in Aktien. Kursrückgänge von 30 oder 40 Prozent sind normal, und ob sich der Markt in zwei Jahren erholt hat, weiß niemand.
Umgekehrt gilt: Wer fünfzehn Jahre Zeit hat, kann Schwankungen aussitzen und profitiert vom Zinseszinseffekt. Der Anlagehorizont ist die erste Entscheidung, nicht die Produktauswahl.
Schritt 3: Breit streuen statt Einzelwerte
Die häufigste Anfängerfalle ist, mit drei oder vier Einzelaktien zu beginnen – meist Unternehmen, die man kennt. Das Risiko ist enorm: Ein einzelner Wert kann die Hälfte verlieren, ohne dass am Markt etwas Besonderes passiert.
Ein ETF auf einen breiten Index verteilt das Geld auf hunderte Unternehmen. Der MSCI World ist der Klassiker – mit der bekannten Einschränkung eines USA-Anteils von rund 72 Prozent. Wer Schwellenländer einschließen will, nimmt einen Index auf Industrie- und Schwellenländer.
Einzelaktien sind später als Ergänzung möglich. Als Fundament sind sie für Einsteiger die falsche Wahl.
Schritt 4: Depot eröffnen und Sparplan einrichten
Die Depoteröffnung dauert etwa fünfzehn Minuten. Achten Sie auf die Punkte, die zu Ihrem Vorhaben passen – bei monatlichem Sparen vor allem auf die Sparplankosten, wie im Depotvergleich beschrieben.
Ein Sparplan nimmt die schwierigste Entscheidung ab: wann eingestiegen wird. Er läuft automatisch weiter, auch wenn die Nachrichtenlage abschreckend ist.
Direkt danach den Freistellungsauftrag erteilen – sonst zieht die Bank Steuern ab, die nicht anfallen müssten.
Schritt 5: Nichts tun
Das klingt banal und ist der schwierigste Teil. Der größte Renditekiller für Privatanleger ist nicht die falsche Produktwahl, sondern das Verhalten in schwachen Phasen: verkaufen, wenn die Kurse fallen, und zurückkommen, wenn sie schon gestiegen sind.
Ein Depotauszug einmal im Quartal genügt. Wer täglich schaut, erhöht nur die Versuchung zu reagieren.
Vier Fehler, die häufig passieren
- Zu kleine Orders. Bei zehn Euro Mindestgebühr kostet ein Kauf über 200 Euro bereits fünf Prozent.
- Hinterherlaufen. Was zuletzt stark gestiegen ist, wirkt attraktiv – und ist oft am teuersten.
- Scheinbare Streuung. Mehrere ETFs, die dieselben Unternehmen enthalten, sind keine Diversifikation.
- Auf Tipps hören. Wer eine Aktie empfiehlt, hat sie meist schon gekauft.
Fazit
Der Einstieg braucht keine Marktkenntnis und kein Timing. Er braucht einen Notgroschen, einen langen Horizont, breite Streuung und die Bereitschaft, den eingeschlagenen Weg auch in schlechten Jahren beizubehalten.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist das Unspektakuläre hier das Wirksame. Wer mit einem breit gestreuten Sparplan beginnt und ihn zwanzig Jahre durchhält, schlägt die große Mehrheit derer, die aktiv zu optimieren versuchen.
Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.