DAX-Future: Kontrakt, Handelszeiten und Margin erklärt

Wenn morgens um sieben Uhr auf Finanzportalen ein DAX-Stand steht, obwohl Xetra erst um neun öffnet, kommt diese Zahl fast immer vom DAX-Future. Er ist der wichtigste Terminkontrakt auf den deutschen Leitindex, handelt fast rund um die Uhr an der Eurex – und ist für Privatanleger deutlich größer dimensioniert, als die meisten erwarten. Dieser Beitrag erklärt Kontrakt, Handelszeiten, die kleineren Varianten und was der Future als Indikator taugt. Stand: 29.09.2026.

Was ein DAX-Future ist

Ein Future ist ein verbindlicher Terminkontrakt: Zwei Parteien vereinbaren heute einen Preis für einen künftigen Zeitpunkt. Beim DAX-Future gibt es nichts zu liefern – der Index ist kein Gegenstand. Deshalb wird in bar abgerechnet: Am Verfallstag wird die Differenz zwischen vereinbartem und tatsächlichem Indexstand ausgeglichen.

Gehandelt wird an der Eurex, der Terminbörse der Deutsche-Börse-Gruppe. Anders als bei Zertifikaten oder CFDs steht kein Emittent als Gegenpartei dahinter, sondern eine zentrale Gegenpartei (Clearingstelle) – das Ausfallrisiko eines einzelnen Hauses entfällt.

Die drei Kontraktgrößen

Der klassische FDAX ist für die meisten Privatanleger zu groß. Die Eurex hat deshalb zwei kleinere Varianten aufgelegt:

KontraktKürzelWert je IndexpunktKleinste KursbewegungGegenwert bei 24.000 Punkten
DAX-FutureFDAX25 Euro1 Punkt = 25 Euro600.000 Euro
Mini-DAX-FutureFDXM5 Euro1 Punkt = 5 Euro120.000 Euro
Micro-DAX-FutureFDXS1 Euro1 Punkt = 1 Euro24.000 Euro

Die letzte Spalte ist die entscheidende Zahl. Ein einziger FDAX-Kontrakt bewegt bei einem DAX-Stand von 24.000 Punkten einen Gegenwert von 600.000 Euro. Bewegt sich der Index um 100 Punkte – ein gewöhnlicher Tag –, sind das 2.500 Euro Gewinn oder Verlust je Kontrakt. Hinterlegt werden muss dafür nur die Sicherheitsleistung.

Margin: der eigentliche Hebel

Beim Future zahlt man nicht den Kontraktwert, sondern eine Margin – eine Sicherheitsleistung, die die Clearingstelle risikobasiert festlegt und börsentäglich anpasst. Sie liegt beim FDAX typischerweise im niedrigen fünfstelligen Bereich je Kontrakt, ändert sich aber mit der Marktlage und steigt in turbulenten Phasen deutlich.

Daraus ergibt sich ein Hebel von grob 40 bis 60 zum Kontraktwert. Und anders als bei CFDs für Privatkunden gibt es beim Future keine gesetzlich garantierte Verlustbegrenzung auf das Kontoguthaben. Reicht die Margin nicht mehr, kommt der Nachschussaufruf – wer nicht nachschießt, dessen Position wird glattgestellt. Ein Verlust über das eingezahlte Kapital hinaus ist bei Terminkontrakten möglich.

Handelszeiten und Verfall

Handelszeiten1:10 bis 22:00 Uhr (MEZ), Montag bis Freitag
VerfallmonateMärz, Juni, September, Dezember
Letzter Handelstagdritter Freitag des Verfallmonats
Handelsschluss am Verfallstag13:00 Uhr, mit Beginn der Xetra-Schlussauktion
AbrechnungBarausgleich zum Auktionspreis der Xetra-Schlussauktion
Erfüllungerster Börsentag nach dem letzten Handelstag

Die langen Handelszeiten sind der Grund, warum der Future als Frühindikator dient: Er reagiert nachts auf die asiatischen Märkte und abends auf die US-Börsen, während Xetra längst geschlossen ist. Der vielzitierte „vorbörsliche DAX“ ist in Wahrheit der Future-Kurs. Die regulären Handelszeiten der Kassabörsen sind erheblich kürzer.

Der dritte Freitag im Quartalsmonat heißt umgangssprachlich Hexensabbat, weil dort Futures und Optionen auf Index und Einzelwerte gleichzeitig verfallen. Die Umsätze sind an diesen Tagen überdurchschnittlich, und kurz vor der Schlussauktion kommt es häufiger zu Kursbewegungen ohne Nachrichtenlage – ein Effekt der Positionsauflösungen, kein Marktsignal.

FDAX, X-DAX und DAX: drei Zahlen, ein Index

In Kurslisten tauchen drei Werte auf, die leicht zu verwechseln sind:

BezeichnungWas es istWann verfügbar
DAXder tatsächliche Index aus 40 Aktien9:00 – 17:30 Uhr (Xetra)
X-DAXIndikation des DAX auf Basis der Future-Kurse8:00 – 22:00 Uhr
FDAXder handelbare Terminkontrakt selbst1:10 – 22:00 Uhr

Der X-DAX ist also kein eigener Markt, sondern eine Umrechnung: Er zeigt, wo der DAX stünde, wenn er gerade berechnet würde. Abweichungen zwischen Future und Index sind normal und haben mit Zinsen und erwarteten Dividenden zu tun – der Future notiert deshalb in der Regel etwas anders als der Kassaindex. Die aktuellen Einzelwerte stehen in unserer DAX-40-Kursliste.

Wofür der DAX-Future genutzt wird

  • Absicherung. Wer ein deutsches Aktiendepot hält, kann mit einer Short-Position Kursverluste abfedern, ohne die Aktien zu verkaufen – steuerlich und transaktionskostenseitig oft günstiger.
  • Spekulation. Der Klassiker im Daytrading, wegen der Liquidität und der engen Spannen.
  • Als Indikator. Der häufigste Nutzen für Privatanleger, die den Future gar nicht handeln: Er zeigt schon vor Börsenöffnung, in welche Richtung der Tag läuft.

Für die dritte Nutzung braucht man kein Terminkonto. Wer aktiv handeln will, sollte sich die Alternativen ansehen: Zertifikate und Optionsscheine bilden ähnliche Positionen mit deutlich kleineren Beträgen ab, allerdings mit Emittentenrisiko und Aufgeld. Mehr dazu im Bereich Trading.

Was man für den Handel braucht

Futures laufen nicht über ein normales Wertpapierdepot. Nötig ist ein Broker mit Eurex-Zugang und ein separates Terminkonto; viele Anbieter verlangen zusätzlich einen Nachweis über Kenntnisse und Erfahrung im Terminhandel sowie ein Mindestkapital. Neobroker bieten das in der Regel nicht an – ein Blick in unseren Broker-Überblick lohnt vorab.

Häufige Fragen

Was kostet ein DAX-Future?

Der Kontrakt selbst wird nicht bezahlt, sondern nur die Margin hinterlegt – beim FDAX typischerweise ein niedriger fünfstelliger Betrag, der börsentäglich angepasst wird. Hinzu kommen Ordergebühren des Brokers und Börsenentgelte.

Wann verfällt der DAX-Future?

Am dritten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. Der Handel endet an diesem Tag um 13:00 Uhr mit Beginn der Xetra-Schlussauktion.

Was ist der Unterschied zwischen FDAX und Mini-DAX?

Nur die Größe. Der FDAX bewegt 25 Euro je Indexpunkt, der Mini-DAX 5 Euro und der Micro-DAX 1 Euro. Kontraktbedingungen, Verfallstermine und Handelszeiten sind identisch.

Warum zeigt der DAX-Future nachts Kurse?

Weil die Eurex ab 1:10 Uhr handelt, während Xetra geschlossen ist. Der Future verarbeitet in dieser Zeit die Bewegungen der asiatischen und amerikanischen Märkte – daher seine Rolle als Frühindikator.

Kann ich mit einem Future mehr verlieren als mein Einsatz?

Ja. Anders als bei CFDs für Privatkunden gibt es beim Terminkontrakt keine gesetzlich garantierte Begrenzung auf das Kontoguthaben. Reicht die Margin nicht, folgt ein Nachschussaufruf.

Quellen

  • Eurex – Factsheet DAX-Derivate: Kontraktspezifikationen FDAX, FDXM, FDXS
  • Eurex – Produktseiten Mini-DAX-Futures und Micro-DAX-Futures
  • Deutsche Börse – Berechnung von DAX und X-DAX

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Terminkontrakte sind hochriskant; Verluste können das eingesetzte Kapital übersteigen.

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