Der Euro-Lira-Kurs zeigt, wie viele türkische Lira ein Euro kostet. Kaum ein anderes Währungspaar hat sich in den vergangenen Jahren so stark bewegt – die Lira verlor seit 2018 den weitaus größten Teil ihres Werts gegenüber dem Euro.
Kursverlauf
Umrechnung Euro in Türkische Lira
| Euro | Türkische Lira |
|---|---|
| 1 Euro | 51,74 TRY |
| 5 Euro | 258,70 TRY |
| 10 Euro | 517,40 TRY |
| 50 Euro | 2.587,00 TRY |
| 100 Euro | 5.174,00 TRY |
| 500 Euro | 25.870,00 TRY |
| 1.000 Euro | 51.740,00 TRY |
| 5.000 Euro | 258.700,00 TRY |
| 10.000 Euro | 517.400,00 TRY |
Kurs 1 Euro = 51,74 TRY, Referenzkurs vom 28.09.2026. Beim Umtausch kommen Gebühren und ein Aufschlag auf den Marktkurs hinzu. Wegen der starken Schwankungen lohnt ein Blick auf den aktuellen Chart.
Warum die Lira so stark abwertet
Die Inflationsdifferenz. Das ist der entscheidende Punkt. In der Türkei stiegen die Verbraucherpreise zuletzt um rund 30 bis 32 Prozent im Jahr, im Euroraum um etwa zwei Prozent.
Wenn Geld in einem Land deutlich schneller an Kaufkraft verliert als im anderen, gleicht der Wechselkurs diese Lücke über die Jahre aus. Genau das zeigt der Langfristchart – eine fast ununterbrochene Aufwärtsbewegung des Euro.
Die Geldpolitik. Der Leitzins der türkischen Notenbank liegt bei rund 37 Prozent. Was hoch klingt, liegt real kaum über der Inflationsrate. Hinzu kamen mehrere abrupte Kurswechsel, die das Vertrauen internationaler Anleger beschädigt haben.
Eingriffe am Devisenmarkt. Die Notenbank stützt die Lira durch Verkäufe von Fremdwährung. Das bremst den Verfall, verbraucht aber Reserven.
Politische Einflussnahme. Die Unabhängigkeit der Notenbank gilt als eingeschränkt. Personalwechsel an der Spitze folgten mehrfach auf geldpolitische Entscheidungen, die der Regierung missfielen.
Was das praktisch bedeutet
Für Reisende. Urlaub in der Türkei wird für Euro-Zahler tendenziell günstiger – allerdings nicht in dem Maß, wie der Wechselkurs vermuten lässt. Hotels und Restaurants in Touristengebieten passen ihre Preise an die Inflation an, teils sogar in Euro oder Dollar.
Für Bargeld gilt: Nicht in Deutschland tauschen, sondern vor Ort. Die Kurse sind dort in aller Regel besser. Noch günstiger ist die Abhebung am Automaten mit einer Karte ohne Fremdwährungsgebühr.
Für Überweisungen. Wer regelmäßig Geld in die Türkei sendet, sollte auf den Zeitpunkt achten – bei dieser Schwankungsbreite machen wenige Tage einen spürbaren Unterschied.
Für Anleger. Türkische Aktien und Anleihen können nominal hohe Renditen bringen, die die Abwertung aber häufig aufzehrt. Ein Beispiel dafür ist die BBVA, die über ihre türkische Tochter erhebliche Währungsrisiken trägt.
Die Entwicklung seit 2018
Wie dramatisch der Wertverlust ausfiel, zeigt der Blick auf einzelne Jahre. Die Tabelle nennt ungefähre Jahresendkurse:
| Jahr | 1 Euro entspricht | Veränderung |
|---|---|---|
| 2017 | rund 4,50 TRY | — |
| 2019 | rund 6,70 TRY | Lira verliert deutlich |
| 2021 | rund 15,20 TRY | Zinssenkungen trotz hoher Inflation |
| 2022 | rund 19,90 TRY | Inflation über 80 Prozent |
| 2023 | rund 32,60 TRY | Kurswechsel der Notenbank |
| 2024 | rund 38,00 TRY | Stabilisierungsversuche |
| 2025 | rund 47,00 TRY | Abwertung setzt sich fort |
| 2026 | rund 51,70 TRY | Tempo verlangsamt sich |
Wer 2017 tausend Euro in Lira tauschte und das Geld liegen ließ, hält heute einen Gegenwert von weniger als hundert Euro. Das ist der Kern dessen, was Währungsrisiko bedeutet.
Bemerkenswert ist die Phase ab 2021: Während die Inflation stieg, senkte die Notenbank die Zinsen – gegen alle geldpolitische Lehre. Die Folge war ein Absturz der Lira innerhalb weniger Monate.
Der geldpolitische Kurswechsel
Nach den Wahlen 2023 wurde die Führung der Notenbank ausgetauscht und der Leitzins in mehreren Schritten drastisch angehoben – von 8,5 auf zeitweise 50 Prozent.
Der Schritt zeigte Wirkung: Die Inflation ging von über 80 Prozent auf rund 30 Prozent zurück, die Abwertung verlangsamte sich. Inzwischen senkt die Notenbank wieder vorsichtig, der Leitzins liegt bei etwa 37 Prozent.
Der offene Punkt: Bei rund 30 Prozent Inflation und 37 Prozent Leitzins ist der reale Zins nur schwach positiv. Für eine dauerhafte Stabilisierung halten viele Ökonomen das für zu wenig.
Warum hohe Zinsen die Lira nicht retten
Auf den ersten Blick müsste ein Zins von 37 Prozent Anleger anziehen. Tatsächlich fließt ausländisches Kapital aber nur zurückhaltend – aus drei Gründen:
| Hindernis | Wirkung |
|---|---|
| Realzins kaum positiv | Inflation zehrt den Zinsvorteil auf |
| Abwertungsrisiko | Kursverlust kann Zinsgewinn übersteigen |
| Politische Unsicherheit | Kurswechsel sind jederzeit möglich |
| Kapitalverkehr | Eingriffe und Beschränkungen sind vorgekommen |
Das erklärt, warum die Lira trotz nominal hoher Zinsen unter Druck bleibt. Wer investiert, verlangt eine Risikoprämie, die über dem Zinsabstand liegt.
Was Türkei-Reisende beachten sollten
Wo tauschen
Der Umtausch in Deutschland ist fast immer teurer als vor Ort. Wechselstuben in der Türkei bieten meist bessere Kurse als Banken, Flughafenschalter die schlechtesten.
Am günstigsten fährt, wer mit einer Karte ohne Fremdwährungsgebühr am Automaten abhebt. Wichtig: Wird am Automaten die Abrechnung in Euro angeboten, sollte man ablehnen – der dabei verwendete Kurs ist regelmäßig schlechter.
Preise vor Ort
In Touristengebieten werden Preise häufig in Euro oder Dollar ausgezeichnet oder täglich an den Kurs angepasst. Der Abwertungsvorteil kommt dort kaum an.
Deutlich spürbar ist er außerhalb der Tourismusgebiete – bei Lebensmitteln, Verkehrsmitteln und Dienstleistungen, deren Preise der Inflation hinterherlaufen.
Immobilienkäufe
Immobilien in der Türkei werden überwiegend in Fremdwährung gehandelt, häufig in Dollar. Der Lira-Kurs spielt beim Kauf deshalb eine geringere Rolle als oft vermutet.
Laufende Kosten wie Nebenkosten, Steuern und Verwaltung fallen dagegen in Lira an – dort wirkt die Abwertung zugunsten von Euro-Einkommen.
Die Aussichten
Prognosen für dieses Paar sind mit Vorsicht zu behandeln. Im Umlauf sind Werte von 60 bis über 130 Lira je Euro für die kommenden Jahre – eine Spanne, die vor allem zeigt, dass niemand es weiß.
Belastbar ist nur die Richtung: Solange die Inflationslücke zwischen der Türkei und dem Euroraum bestehen bleibt, spricht alles für eine weitere Abwertung. Wie schnell, hängt an politischen Entscheidungen, die sich nicht berechnen lassen.
Den Gegenpol bildet der Schweizer Franken – Einzelheiten im Beitrag Euro-Franken-Kurs.