Der Fear and Greed Index von CNN presst die Stimmung am US-Aktienmarkt in eine einzige Zahl zwischen 0 und 100. Null heißt Panik, hundert heißt Euphorie. Die Idee dahinter ist alt und stammt von Warren Buffett: Ängstlich sein, wenn andere gierig sind – und umgekehrt. Dieser Beitrag erklärt, woraus die Zahl entsteht, wie sie zu lesen ist und wo sie regelmäßig danebenliegt. Stand: 29.09.2026.
Die Skala
| Wert | Zone | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| 0 – 25 | Extreme Angst | Panikverkäufe, der Markt gilt als überverkauft |
| 26 – 45 | Angst | spürbare Nervosität, aber keine Kapitulation |
| 46 – 55 | Neutral | ausgeglichene Stimmung |
| 56 – 75 | Gier | steigende Zuversicht, erste Übertreibungen |
| 76 – 100 | Extreme Gier | Euphorie, der Markt gilt als überkauft |
Der Wert wird während der US-Handelszeiten laufend aktualisiert. Historische Vergleichswerte beziehen sich auf den Tagesschluss.
Die sieben Bestandteile
Die Zahl ist kein Meinungsbild, sondern ein Durchschnitt aus sieben Marktdaten. Jede misst Angst oder Gier über ein anderes Verhalten:
| Indikator | Was gemessen wird |
|---|---|
| Marktmomentum | Stand des S&P 500 gegenüber seinem 125-Tage-Durchschnitt |
| Kursstärke | Verhältnis der Aktien auf 52-Wochen-Hoch zu denen auf 52-Wochen-Tief an der NYSE |
| Marktbreite | McClellan Volume Summation Index: Volumen steigender gegen fallende Aktien |
| Put-Call-Verhältnis | Wie viele Absicherungen gegenüber Kaufoptionen gehandelt werden |
| Volatilität | Stand des VIX gegenüber seinem 50-Tage-Durchschnitt |
| Nachfrage nach sicheren Häfen | Wertentwicklung von Staatsanleihen gegenüber Aktien über 20 Handelstage |
| Nachfrage nach Ramschanleihen | Renditeabstand zwischen Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen |
Die letzten beiden Komponenten sind die interessantesten, weil sie den Aktienmarkt verlassen. Wenn Anleger nervös werden, fließt Geld in Staatsanleihen und aus Hochzinsanleihen heraus – der Renditeabstand weitet sich, oft bevor sich die Aktienkurse bewegen. Dass der Index über den Anleihemarkt mitliest, unterscheidet ihn von reinen Aktienindikatoren wie dem Euwax Sentiment, das nur die Positionierung deutscher Privatanleger in DAX-Hebelprodukten abbildet.
Wo der Index an seine Grenzen kommt
Der Fear and Greed Index wird gern als Kaufsignal gelesen: Extreme Angst gleich einsteigen. Das ist die Verkürzung, an der die meisten scheitern. Vier Einschränkungen sollte man kennen:
- Er ist begleitend, nicht vorauslaufend. Die Komponenten messen, was am Markt bereits passiert ist. Der Index beschreibt den Zustand, er sagt ihn nicht voraus.
- Extremwerte halten länger, als man denkt. In einem Crash bleibt die Anzeige wochenlang bei „extreme Angst“, während die Kurse weiter fallen. Wer beim ersten Extremwert kauft, kauft oft zu früh.
- Er misst nur den US-Aktienmarkt. Für DAX, Schwellenländer oder Rohstoffe ist er bestenfalls ein grober Anhaltspunkt – über die Weltmärkte sagt er nichts Eigenständiges.
- Gleichgewichtung verwischt Unterschiede. Alle sieben Komponenten zählen gleich viel. Wenn sechs neutral sind und eine extrem, verschwindet das Signal im Durchschnitt.
Sinnvoll eingesetzt ist der Index ein Korrektiv für die eigene Wahrnehmung, kein Handelssignal. Wenn die Anzeige auf „extreme Gier“ steht und man selbst gerade besonders zuversichtlich ist, lohnt die Frage, ob das eine eigene Analyse ist oder nur die Stimmung ringsum. Das ist sein eigentlicher Wert – und er ist für langfristig orientierte Anleger größer als für Trader.
Der Krypto-Fear-and-Greed-Index
Unter demselben Namen kursiert ein zweiter Index, der die Stimmung am Kryptomarkt misst und von CNN unabhängig ist. Er nutzt andere Bausteine – unter anderem Kursvolatilität, Handelsvolumen, die Dominanz von Bitcoin und Suchmaschinen-Trends – und läuft, anders als das US-Original, durchgehend. Die Skala von 0 bis 100 ist gleich, die Werte sind aber nicht vergleichbar: Der Kryptomarkt schwankt stärker, entsprechend häufiger erreicht sein Index die Extremzonen.
Häufige Fragen
Was bedeutet ein Fear and Greed Index von 20?
Der Wert liegt in der Zone „extreme Angst“. Anleger sichern ab, meiden Risiko und schichten in sichere Anlagen um. Historisch traten solche Werte häufiger in der Nähe von Tiefpunkten auf – ein Zeitpunkt lässt sich daraus nicht ableiten.
Wie oft wird der Index aktualisiert?
Während der US-Handelszeiten laufend. Für historische Vergleiche werden die Tagesschlusswerte verwendet.
Gibt es einen Fear and Greed Index für den DAX?
Kein direktes Gegenstück. Am nächsten kommen das Euwax Sentiment der Börse Stuttgart, das die Positionierung deutscher Privatanleger misst, und der VDAX-New als Volatilitätsmaß für den deutschen Markt.
Taugt der Index als Handelssignal?
Als alleiniges Signal nicht. Er ist ein begleitender Stimmungsindikator, der den Marktzustand beschreibt – Extremwerte können über Wochen bestehen bleiben, während die Kurse weiterlaufen.
Quellen
- CNN Business – Fear and Greed Index: Komponenten und Methodik
- CBOE – Berechnung des Volatilitätsindex VIX
- McClellan Financial Publications – Volume Summation Index
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.