Immobilienfonds: offen oder geschlossen und was die Krise verändert hat

Immobilienfonds bündeln Gebäude und Grundstücke in einem Fondsvermögen. Sie gelten als schwankungsarm – bis Anleger gleichzeitig aussteigen wollen. Genau das führte zwischen 2008 und 2013 zur größten Krise dieser Anlageklasse.

Das Wichtigste in Kürze

Was enthalten istüberwiegend Gewerbeimmobilien: Büros, Handel, Logistik, Hotels
ErtragsquelleMieten und Wertsteigerungen der Objekte
Bewertungdurch Gutachter, meist jährlich – nicht börsentäglich
Mindesthaltefrist24 Monate bei offenen Fonds
Rückgabefrist12 Monate Kündigungsfrist
Typische Renditeim niedrigen einstelligen Bereich
Teilfreistellung60 oder 80 Prozent der Erträge steuerfrei
HauptrisikoAussetzung der Rücknahme bei hohen Mittelabflüssen

Offen oder geschlossen: der entscheidende Unterschied

Die beiden Varianten haben außer dem Namen wenig gemeinsam.

MerkmalOffener FondsGeschlossener Fonds
RechtsstellungSondervermögen, geschütztunternehmerische Beteiligung
Objekteviele, breit gestreutmeist ein einzelnes Projekt
Laufzeitunbegrenztfest, oft 10 bis 20 Jahre
Rückgabenach Fristen möglichkaum vor Laufzeitende
Mindestanlageab wenigen Eurooft ab 10.000 Euro
Verlustrisikobegrenzt auf WertverlusteTotalverlust möglich

Wer von Immobilienfonds spricht, meint meist die offene Variante. Geschlossene Fonds sind rechtlich Beteiligungen an einer Gesellschaft – der Anleger wird Mitunternehmer und haftet entsprechend.

Die Krise von 2008 bis 2013

Offene Immobilienfonds versprachen etwas, das sich nicht halten ließ: tägliche Verfügbarkeit bei einer Anlage, die sich nur über Monate verkaufen lässt.

Als in der Finanzkrise viele Großanleger gleichzeitig Anteile zurückgaben, reichten die Barmittel nicht aus. Mehrere Fonds setzten die Rücknahme aus – Anleger kamen monatelang nicht an ihr Geld.

Einige Fonds nahmen den Handel später wieder auf, andere wurden abgewickelt. Bei den abgewickelten Fonds mussten Objekte unter Zeitdruck verkauft werden, was zu Verlusten führte.

Der Gesetzgeber reagierte 2013 mit verbindlichen Fristen: 24 Monate Mindesthaltedauer und zwölf Monate Kündigungsfrist. Seither ist die tägliche Verfügbarkeit Geschichte – und das Konstruktionsproblem behoben.

Wie die Bewertung funktioniert

Anders als Aktien haben Immobilien keinen Börsenkurs. Ihr Wert wird von Sachverständigen geschätzt, in der Regel einmal jährlich je Objekt.

Das erklärt die geringe Schwankung des Anteilswerts: Er bildet nicht die Marktstimmung ab, sondern Gutachterwerte, die sich langsam anpassen.

Die Kehrseite zeigte sich zuletzt bei Büroimmobilien. Als die Zinsen stiegen und die Nachfrage nach Büroflächen sank, gaben die Marktpreise deutlich nach – in den Gutachten kam das erst mit Verzögerung an. Anleger sahen stabile Werte, während der Markt bereits gefallen war.

Woraus die Rendite entsteht

Der Ertrag eines offenen Immobilienfonds setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen, die unterschiedlich verlässlich sind.

BausteinBeitragVerlässlichkeit
MieteinnahmenHauptquelle des laufenden Ertragshoch bei langen Mietverträgen
WertänderungenAuf- oder Abwertung durch Gutachterschwankend, folgt dem Markt verzögert
Zinsen auf Barmittelein Teil des Vermögens liegt als Liquiditätabhängig vom Zinsniveau
Verkaufsgewinnebei Veräußerung einzelner Objekteunregelmäßig

Die gesetzlich vorgeschriebene Liquiditätsreserve ist dabei ein zweischneidiges Element: Sie sichert Rückgaben ab, drückt aber in Niedrigzinsphasen die Rendite, weil ein Teil des Geldes nicht in Immobilien steckt.

Die Kosten

KostenartTypische Höhe
Ausgabeaufschlagbis zu 5 Prozent, bei Direktbanken oft reduziert
Laufende Kostenetwa 0,5 bis 1,0 Prozent im Jahr
Objektbezogene KostenVerwaltung, Instandhaltung, Vermietung
Erfolgsabhängige Vergütungbei manchen Anbietern zusätzlich

Der Ausgabeaufschlag wiegt bei dieser Anlageklasse besonders schwer. Bei einer erwarteten Rendite im niedrigen einstelligen Bereich kostet ein Aufschlag von fünf Prozent mehr als einen ganzen Jahresertrag.

Für wen sie sich eignen

SituationEinschätzung
Beimischung zu Aktien und Anleihensinnvoll, andere Werttreiber
Ersatz für eine eigene Immobilieeingeschränkt, kein Eigennutzen
Kurzfristiges Parken von Geldungeeignet wegen der Fristen
Regelmäßige Erträgemöglich, Ausschüttungen erfolgen meist jährlich
Schutz vor Inflationteilweise, Mieten sind oft indexiert

Häufige Fragen

Wie schnell kommt man an sein Geld?

Nach der Mindesthaltedauer von 24 Monaten und einer Kündigungsfrist von zwölf Monaten. Wer heute kündigt, erhält das Geld also frühestens in einem Jahr.

Kann die Rücknahme wieder ausgesetzt werden?

Ja, das ist gesetzlich weiterhin möglich. Durch die Fristen ist ein plötzlicher Ansturm aber unwahrscheinlicher geworden, weil Rückgaben lange im Voraus angekündigt werden müssen.

Gibt es Immobilien-ETFs?

Ja, allerdings investieren diese nicht direkt in Gebäude, sondern in Aktien von Immobilienunternehmen. Sie schwanken deshalb wie Aktien – ein völlig anderes Risikoprofil.

Wie werden die Erträge besteuert?

Mit der Abgeltungsteuer, wobei die Teilfreistellung greift: Bei überwiegend inländischen Objekten bleiben 60 Prozent der Erträge steuerfrei, bei überwiegend ausländischen 80 Prozent.

Lohnen sie sich gegenüber einer eigenen Immobilie?

Sie ersparen Verwaltung, Instandhaltung und Klumpenrisiko, bieten aber keinen Eigennutzen und keinen Kredithebel. Wer eine Immobilie zur Selbstnutzung sucht, findet hier keinen Ersatz.

Einordnung

Offene Immobilienfonds sind nach der Reform ein anderes Produkt als vor 2013. Die Fristen nehmen ihnen die Flexibilität, lösen aber das Problem, das die Krise ausgelöst hatte.

Aus Sicht der Marktteilnehmer bleibt die Bewertungsfrage der schwierigste Punkt. Ein Anteilswert, der auf jährlichen Gutachten beruht, wirkt stabiler als der Markt tatsächlich ist – gerade in Phasen fallender Immobilienpreise. Wer das einkalkuliert, findet eine sinnvolle Beimischung; wer Stabilität mit Sicherheit verwechselt, wird enttäuscht.

Was in den Fonds steckt

Anders als viele vermuten, halten offene Immobilienfonds kaum Wohnungen. Der Schwerpunkt liegt auf gewerblich genutzten Objekten.

NutzungsartRolle im PortfolioBesonderheit
Bürogrößter Anteil in den meisten Fondslange Mietverträge, zuletzt unter Druck
HandelEinkaufszentren und Fachmärkteabhängig von der Konkurrenz durch Onlinehandel
Logistikstark gewachsenprofitiert vom Versandhandel
Hotelkleinerer Anteilkonjunkturabhängig, in der Pandemie stark betroffen
Wohnennur bei einzelnen Fondsstabile Mieten, geringere Renditen

Die Bürolastigkeit ist derzeit der wunde Punkt. Seit sich mobiles Arbeiten etabliert hat, sinkt der Flächenbedarf vieler Unternehmen – in einzelnen Städten stehen erhebliche Teile der Büroflächen leer.

Für Anleger heißt das: Ein Blick in die Objektliste lohnt sich. Fonds mit hohem Logistik- und Wohnanteil stehen anders da als solche mit Schwerpunkt auf Büroflächen in Einzelstandorten.

Die geografische Streuung

Manche Fonds investieren ausschließlich in Deutschland, andere europaweit oder weltweit. Die Streuung senkt das Risiko einzelner Märkte, bringt aber Wechselkursrisiken mit sich, wenn außerhalb des Euroraums gekauft wird.

Steuerlich macht der Unterschied ebenfalls etwas aus: Die Teilfreistellung beträgt 60 Prozent bei überwiegend inländischen und 80 Prozent bei überwiegend ausländischen Immobilien.

Quellen

  • BaFin – Vorgaben für offene Immobilienfonds und Rücknahmefristen
  • BVI – Statistiken zu Mittelzuflüssen und Fondsvermögen
  • Kapitalanlagegesetzbuch – Mindesthalte- und Kündigungsfristen

Stand: 27. September 2026. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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