Fonds oder ETF: Gebühren, Rechenbeispiele und der direkte Vergleich

Die bekanntesten deutschen Fonds kosten zwischen 0,80 und 1,63 Prozent im Jahr. Indexfonds auf dieselben Märkte liegen bei 0,08 bis 0,50 Prozent. Diese Seite rechnet vor, was der Unterschied über verschiedene Zeiträume und Anlagesummen bedeutet.

Die Gegenüberstellung im Detail

Neun Klassiker, jeweils mit dem Indexfonds, der denselben Markt abbildet. Die letzte Spalte zeigt, wie viel Gebühr pro Jahr bei 10.000 Euro Anlagesumme gespart wird.

Klassischer FondsKosten p. a.ETF-AlternativeKosten p. a.Ersparnis je 10.000 €
UniGlobal1,45 %ETF auf den MSCI World0,12 %133 € im Jahr
DWS Vermögensbildungsfonds I1,45 %ETF auf den MSCI World0,12 %133 € im Jahr
DWS Top Dividende1,45 %globaler Dividenden-ETF0,29 %116 € im Jahr
Deka Dividendenstrategie1,45 %globaler Dividenden-ETF0,29 %116 € im Jahr
UniRak1,41 %Mischungs-ETF 60/400,25 %116 € im Jahr
FvS Multiple Opportunities1,63 %Mischungs-ETF plus Gold0,30 %133 € im Jahr
UniFonds1,20 %ETF auf den DAX0,08 %112 € im Jahr
DekaFonds1,30 %ETF auf den DAX0,08 %122 € im Jahr
UniImmo Deutschland0,80 %ETF auf Immobilienaktien0,40 %40 € im Jahr

Die Ersparnis fällt jedes Jahr an, unabhängig davon, ob der Markt steigt oder fällt. Das ist der Unterschied zur Rendite: Diese ist ungewiss, die Gebühr nicht.

Alle Kostenarten im Überblick

Die laufende Gebühr ist nur ein Teil der Belastung. Sechs Posten können anfallen.

KostenartKlassischer FondsETFWann sie anfällt
Ausgabeaufschlagbis 5 % der Anlagesummeentfälltbeim Kauf über Bank oder Berater
Laufende Kosten0,80 bis 1,63 %0,08 bis 0,50 %jährlich aus dem Fondsvermögen
Erfolgsgebührbei manchen Fonds 10 bis 20 % des Mehrertragssehr seltenwenn eine Messlatte übertroffen wird
Ordergebührentfällt meist0 bis 10 € je Kaufbei Kauf und Verkauf über die Börse
Handelsspanneentfällt0,05 bis 0,3 %beim Börsenhandel
Depotgebührje nach Bankje nach Brokerlaufend, bei vielen Anbietern kostenlos

Der Ausgabeaufschlag ist der auffälligste Posten. Bei 10.000 Euro Anlage gehen fünf Prozent – also 500 Euro – ab, bevor der erste Euro arbeitet. Über Direktbanken entfällt er meist ganz.

Die Erfolgsgebühr wird oft übersehen. Sie kann die ausgewiesene Kostenquote deutlich erhöhen, taucht aber erst im Jahresbericht auf.

Rechenbeispiel 1: Einmalanlage von 25.000 Euro

Angenommen sieben Prozent Rendite vor Kosten, keine weiteren Einzahlungen, Kauf über eine Direktbank ohne Ausgabeaufschlag.

ZeitraumKlassischer Fonds (1,45 %)ETF (0,12 %)Differenz
nach 10 Jahrenrund 42.900 €rund 48.600 €rund 5.700 €
nach 20 Jahrenrund 73.700 €rund 94.500 €rund 20.800 €
nach 30 Jahrenrund 126.500 €rund 183.700 €rund 57.200 €
nach 40 Jahrenrund 217.200 €rund 357.200 €rund 140.000 €

Die Differenz wächst nicht gleichmäßig, sondern beschleunigt sich. Grund ist der Zinseszins: Die gesparte Gebühr bleibt im Depot und erwirtschaftet selbst wieder Erträge – nachzulesen im Beitrag zum Zinseszins.

Rechenbeispiel 2: Sparplan mit 200 Euro monatlich

Gleiche Annahmen, aber monatliche Einzahlung statt Einmalanlage.

ZeitraumEingezahltKlassischer FondsETFDifferenz
nach 10 Jahren24.000 €rund 32.100 €rund 34.400 €rund 2.300 €
nach 20 Jahren48.000 €rund 89.400 €rund 102.900 €rund 13.500 €
nach 30 Jahren72.000 €rund 191.200 €rund 243.700 €rund 52.500 €
nach 40 Jahren96.000 €rund 372.000 €rund 525.000 €rund 153.000 €

Nach 30 Jahren beträgt der Unterschied rund 52.500 Euro – bei insgesamt 72.000 Euro Einzahlung. Die gesparten Gebühren entsprechen damit fast drei Vierteln der eingezahlten Summe.

Rechenbeispiel 3: mit Ausgabeaufschlag

Wer in der Filiale kauft, zahlt zusätzlich fünf Prozent auf jede Einzahlung. Beim Sparplan trifft das jede einzelne Rate.

VarianteWas ankommtEndwert nach 30 Jahren
ETF ohne Aufschlag200 € je Raterund 243.700 €
Fonds über Direktbank200 € je Raterund 191.200 €
Fonds mit 5 % Aufschlag190 € je Raterund 181.600 €
Fonds mit Aufschlag und Erfolgsgebühr190 € je Raterund 172.000 €

Zwischen der günstigsten und der teuersten Variante liegen rund 71.700 Euro. Wer bei einem aktiven Fonds bleiben möchte, sollte ihn deshalb zumindest über eine Direktbank kaufen – der Aufschlag entfällt dort meist vollständig.

Was die Fonds inhaltlich unterscheidet

Kosten sind nicht alles. Die folgende Übersicht zeigt, worin sich die Anlageformen sonst unterscheiden.

MerkmalKlassischer FondsETF
Auswahl der Wertedurch das Fondsmanagementfolgt einem Index
Anzahl der Positionenoft 50 bis 150je nach Index 40 bis über 1.500
Reaktion auf AbschwüngeQuote kann gesenkt werdenbleibt voll investiert
Transparenzmonatliche Berichtetägliche Zusammensetzung
Handeleinmal täglich zum Anteilswertlaufend an der Börse
Abhängigkeit von Personenhochkeine
Ergebnis gegenüber dem Indexkann darüber oder darunter liegenfolgt ihm abzüglich Kosten

Die dritte Zeile ist das Hauptargument für aktive Fonds: Ein Manager kann in Krisen Aktien verkaufen. Ob er den richtigen Zeitpunkt trifft, ist die offene Frage – Studien zeigen, dass dies über lange Zeiträume selten gelingt.

Die sechste Zeile wird unterschätzt. Wechselt das Fondsmanagement, ändert sich die Grundlage der bisherigen Wertentwicklung. Bei einem Indexfonds gibt es diese Abhängigkeit nicht.

Steuern beim Wechsel

Wer bestehende Fondsanteile verkauft, um in einen ETF zu wechseln, löst Steuern auf die angesammelten Gewinne aus.

SituationSteuerliche Folge
Verkauf mit Gewinn25 % Abgeltungsteuer plus Soli auf den Gewinn
Teilfreistellung bei Aktienfonds30 % des Gewinns bleiben steuerfrei
Sparerpauschbetrag1.000 € Gewinn je Person jährlich steuerfrei
Verkauf mit VerlustVerluste lassen sich mit Gewinnen verrechnen
Alte Bestände vor 2009Bestandsschutz entfiel 2018, Freibetrag von 100.000 €

Ein Wechsel kostet also zunächst Geld. Die Faustregel lautet: Je länger der verbleibende Anlagehorizont, desto eher lohnt er sich. Bei zwanzig Jahren Restlaufzeit ist die Steuerzahlung meist schnell wieder eingespielt, bei fünf Jahren selten.

Eine Alternative ist, den Altbestand liegen zu lassen und nur neue Einzahlungen in einen ETF zu lenken. Dann fällt keine Steuer an, und die Kostenquote des Gesamtdepots sinkt allmählich.

Einordnung

Die Rechnungen zeigen ein eindeutiges Bild: Bei gleicher Marktentwicklung entscheidet die Kostenquote über einen erheblichen Teil des Endvermögens.

Aus Sicht der Marktteilnehmer bleibt trotzdem Raum für aktive Fonds – etwa in geförderten Verträgen, bei gewünschter Beratung oder wenn jemand bewusst auf eine Anlagephilosophie setzt. Wer sich dafür entscheidet, sollte die Kosten aber kennen und den Kauf über eine Direktbank abwickeln. Eigene Szenarien lassen sich im ETF-Rechner durchrechnen, die Anbieter im Beitrag zu Fonds vergleichen.

Quellen

  • Basisinformationsblätter der genannten Fonds – Kosten und Gebühren
  • BVI – Marktdaten zu Publikumsfonds
  • Bundesfinanzministerium – Investmentsteuergesetz und Teilfreistellung

Stand: 27. September 2026. Alle Rechenbeispiele sind Modellrechnungen mit sieben Prozent jährlicher Rendite vor Kosten; tatsächliche Ergebnisse weichen ab. Steuern sind in den Beispielen nicht berücksichtigt. Keine Anlageberatung.

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