Ein Dividenden-Future ist ein Terminkontrakt, dessen Wert allein von den Dividenden eines Index oder einer Aktie in einem bestimmten Zeitraum abhängt. Damit lässt sich der Ausschüttungsstrom getrennt von der Kursentwicklung handeln. Das bekannteste Beispiel ist der Euro Stoxx 50 Index Dividend Future der Eurex. Die Börse sieht sich selbst als weltweit größten Handelsplatz für Dividendenderivate, und nach Angaben von STOXX wurden 2023 über 5,3 Millionen Kontrakte dieses Typs gehandelt.
Definition
Basiswert ist nicht der Index selbst, sondern die Summe seiner Dividenden in Indexpunkten. STOXX berechnet dafür mit dem Euro Stoxx 50 DVP einen eigenen Zählerstand. An jedem Tag, an dem eine Aktie des Index ex Dividende notiert, wächst er um den entsprechenden Punktwert. Der Zähler läuft vom Tag nach dem dritten Freitag im Dezember bis einschließlich zum dritten Freitag des folgenden Dezembers und beginnt dann wieder bei null. Ein Dezember-Kontrakt bezieht sich folglich auf genau eine solche Jahresperiode.
Maßgeblich sind die ordentlichen Bruttodividenden. Sonderausschüttungen und Kapitalrückzahlungen gehen laut STOXX-Leitfaden nur mit dem Betrag der darauf erhobenen Quellensteuer ein. Eine hohe Sonderdividende hebt den Kontrakt also in der Regel kaum.
Der Unterschied zum gewöhnlichen Index-Future ist grundlegend: Dort sind Dividenden ein Abzugsposten in der Cost of Carry, hier sind sie der eigentliche Handelsgegenstand.
Kontraktdaten
| Merkmal | Euro Stoxx 50 Index Dividend Future (FEXD) |
|---|---|
| Kontraktwert | 100 Euro je Indexpunkt |
| Notierung | Punkte |
| Mindestpreisänderung | 0,1 Punkte (10 Euro) |
| Erfüllung | Barausgleich am ersten Börsentag nach der Schlussabrechnung |
| Letzter Handelstag | Dritter Freitag des Fälligkeitsmonats |
| Handelsschluss am letzten Tag | 12:00 Uhr deutscher Zeit |
| Schlussabrechnung | Kumulierte Bruttodividenden der Kontraktperiode |
| Laufzeiten | Fünf nächste Quartalsmonate, zwei folgende Halbjahresmonate, acht folgende Jahresmonate (Dezember) |
Die fernen Fälligkeiten reichen damit rund zehn Jahre in die Zukunft. Zusätzlich listet die Eurex Dividenden-Futures auf Branchenindizes wie Banken oder Versicherungen sowie auf mehr als 80 große Einzelwerte aus der Eurozone und Europa. Im Februar 2024 kamen Optionen auf die Dividenden-Futures hinzu.
Beispiel mit Zahlen
Ein fiktiver Anleger kauft im Frühjahr sechs Kontrakte mit Fälligkeit im folgenden Dezember zu je 171,3 Punkten. Bezogen auf einen unterstellten Indexstand von 5.870 Punkten entspricht das einer eingepreisten Dividendenrendite von 2,92 Prozent. Die Sicherheiten, die er stellen muss, werden in dieser Rechnung nicht berücksichtigt.
| Szenario | Summe der Dividenden | Veränderung | Ergebnis für sechs Kontrakte |
|---|---|---|---|
| Dividenden über Erwartung | 183,9 Punkte | +12,6 Punkte | +7.560 € |
| Wie eingepreist | 171,3 Punkte | 0,0 Punkte | 0 € |
| Dividenden gekürzt | 158,4 Punkte | −12,9 Punkte | −7.740 € |
Die Rechnung ist einfach: Punkte mal 100 Euro mal Kontraktzahl. Der Kurs des Index selbst spielt keine direkte Rolle. Fällt er zum Beispiel um 15 Prozent, die Unternehmen schütten aber wie geplant aus, ändert sich am Endergebnis nichts. Während der Laufzeit wird der Kontrakt allerdings mit den neuesten Erwartungen bewertet, und ein großer Teil der jährlichen Ausschüttungen im Euro Stoxx 50 fällt erfahrungsgemäß auf das Frühjahr. Wurden diese Dividenden gezahlt, steht ein großer Teil des Endwerts fest, und die Schwankung des Kontrakts nimmt ab.
Wofür Dividenden-Futures genutzt werden
Banken, die strukturierte Produkte begeben, tragen aus ihren Absicherungsgeschäften häufig Dividendenrisiken. Ein Verkauf künftiger Dividenden per Future verringert sie. Auf der Gegenseite stehen Investoren, die gezielt Ausschüttungen kaufen möchten, ohne das Kursrisiko des Aktienmarkts zu tragen. Für Einzelwerte gilt das analog. Wer Aktien hält, kann die erwartete Dividende eines Jahres sichern, ohne die Papiere zu verkaufen.
Auch die Markterwartung selbst ist interessant. Weil der Kontrakt direkt zeigt, welche Ausschüttungssumme eingepreist ist, liefert er einen Abgleich zu Analystenschätzungen. Lange Laufzeiten zeigen, was der Markt über mehrere Jahre für die Gewinne der Index-Unternehmen erwartet. Für die Auswahl einzelner Aktien sind dagegen Kennzahlen wie die Dividendenrendite und der Dividendenkalender die passenden Werkzeuge.
Die Preise der einzelnen Jahreskontrakte ergeben nebeneinander eine Dividendenkurve. Liegen die fernen Kontrakte unter den nahen, rechnet der Markt mit sinkenden Ausschüttungen oder verlangt einen Risikoabschlag für die Unsicherheit der fernen Jahre. Ein solcher Abschlag ist häufig, sodass die Kurve nicht wörtlich als Prognose gelesen werden sollte. Der Abstand zwischen zwei Jahren lässt sich als Spread handeln.
Grenzen und Risiken
Der Handel erfolgt nur über Broker mit Terminmarktzugang, und ein Kontrakt setzt die üblichen Margin-Anforderungen voraus. Verluste können über die Sicherheitsleistung hinausgehen und sind nur dadurch begrenzt, dass die Dividendensumme nicht unter null fallen kann. Für Käufer entspricht der Maximalverlust daher dem vollen Kaufpreis in Punkten, für Verkäufer ist er rechnerisch nach oben offen.
Die Gefahr plötzlicher Kürzungen ist real. Im März 2020 forderte die EZB-Bankenaufsicht die von ihr beaufsichtigten Banken auf, wegen der Pandemie zunächst bis Oktober keine Dividenden zu zahlen. Solche Eingriffe treffen Kontrakte auf Banken besonders hart. Selbst Unternehmen mit langer Tradition können Ausschüttungen aussetzen.
Weitere Einflüsse kommen von Rechtsänderungen, etwa bei der Besteuerung von Ausschüttungen, oder von Änderungen in der Indexzusammensetzung. Ferne Laufzeiten sind außerdem weniger liquide und mit höheren Spannen verbunden. Der Bezug auf die Bruttodividende bedeutet zudem, dass der Wert nicht dem entspricht, was ein Anleger nach Steuern erhalten würde.
Fazit
Dividenden-Futures machen aus einem Kursbestandteil ein eigenes Handelsobjekt. Sie sind bar abgerechnet, einfach zu rechnen und zeigen die eingepreiste Ausschüttung offen. Für professionelle Marktteilnehmer sind sie ein wichtiges Absicherungsinstrument, für Privatanleger vor allem eine Informationsquelle über die Dividendenerwartung des Marktes.
Fragen und Antworten
Was wird bei einem Dividenden-Future gehandelt?
Die Summe der Dividenden eines Index oder einer Aktie in einem festen Zeitraum, nicht der Kurs.
Was ist der Punktwert?
Beim Euro Stoxx 50 Index Dividend Future 100 Euro je Punkt, die kleinste Preisänderung beträgt 0,1 Punkte oder 10 Euro.
Zählen Sonderdividenden mit?
In der Regel nur in Höhe der darauf einbehaltenen Quellensteuer. Ordentliche Dividenden gehen brutto ein.
Ist ein Dividenden-Future dasselbe wie eine Dividendenaktie?
Nein. Der Future enthält kein Kursrisiko des Index und keine Aktionärsrechte, dafür aber Hebel und Nachschussrisiko.
Quellen
- Eurex: EURO STOXX 50 Index Dividend Futures (FEXD)
- Eurex: Dividend Products
- STOXX: DVP Guide
- STOXX: Eurex führt Optionen auf Dividenden-Futures ein
- EZB-Bankenaufsicht: Pressemitteilung vom 27. März 2020
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.