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Cost of Carry: Basis und fairer Wert eines Futures erklärt

von FNE-Redaktion

Cost of Carry bezeichnet die Nettokosten, die entstehen, wenn ein Basiswert vom heutigen Tag bis zu einem späteren Termin gehalten wird: Finanzierung und Lagerung auf der einen Seite, laufende Erträge wie Dividenden oder Kupons auf der anderen. Diese Größe erklärt, warum ein Basiswert und sein Future fast nie exakt gleich notieren und warum der Abstand bis zum Verfall verschwindet. Wer die Rechnung kennt, kann einschätzen, ob ein Aufschlag des Futures tatsächlich eine Markterwartung ausdrückt oder nur Zinsen und Ausschüttungen widerspiegelt.

Definition: drei Begriffe, die zusammengehören

Der Kassapreis ist der aktuelle Preis des Basiswerts, der Terminpreis der Kurs des Futures. Die Differenz heißt Basis. Hier ist Vorsicht geboten: CME Group definiert die Basis als Future minus Kassakurs, in deutschen Lehrbüchern findet sich häufig die umgekehrte Reihenfolge. In diesem Beitrag gilt die Definition der CME. Der faire Wert ist derjenige Terminpreis, bei dem es keinen Unterschied macht, ob man den Basiswert sofort kauft oder per Future später.

Die dahinterstehende Logik ist einfach. Wer den Future kauft statt des Basiswerts, muss den Kaufpreis nicht finanzieren, erhält aber auch keine Erträge. Der Verkäufer des Futures, der den Basiswert hält, verlangt für die gebundenen Mittel eine Entschädigung und gibt die vereinnahmten Erträge weiter. Übrig bleibt der Nettoaufschlag.

Formel für Aktienindizes

CME Group nennt für Aktienindex-Futures eine einfache, linear verzinste Formel:

GrößeBedeutung
F = S × (1 + r × t / 360) − DFairer Wert des Futures
SAktueller Indexstand
rZinssatz für die Laufzeit
tTage bis zum Verfall
DBis zum Verfall erwartete Dividenden in Indexpunkten

Der Zinsteil erhöht den fairen Wert, der Dividendenteil senkt ihn. Sind die Dividenden in der Restlaufzeit größer als die Finanzierungskosten, liegt der faire Wert unter dem Index, die Basis wird negativ. Bei Performance-Indizes wie dem DAX werden Dividenden rechnerisch reinvestiert, sodass der Abzug weitgehend entfällt. Mehr dazu steht im Beitrag zum DAX-Future.

Rechenbeispiel mit Basisverlauf

Ein fiktiver Preisindex steht bei 6.238,40 Punkten, der laufzeitgerechte Zins beträgt 2,05 Prozent, der Verfall ist 47 Tage entfernt. Bis dahin werden Dividenden im Wert von 14,60 Punkten erwartet.

Zinskosten: 6.238,40 × 0,0205 × 47 / 360 = 16,70 Punkte. Fairer Wert: 6.238,40 + 16,70 − 14,60 = 6.240,50 Punkte. Die faire Basis liegt somit bei +2,10 Punkten. Notiert der Future tatsächlich bei 6.247 Punkten, sind 6,50 Punkte Aufschlag nicht durch die Kosten erklärt.

Die folgende Tabelle zeigt die faire Basis bei unverändertem Index für spätere Zeitpunkte. Unterstellt ist, dass die Ausschüttungen schubweise fließen.

Tage bis VerfallZinsteil (Punkte)Restliche Dividenden (Punkte)Faire Basis (Punkte)
4716,7014,60+2,10
3010,669,20+1,46
155,336,40−1,07
00,000,000,00

Das Beispiel zeigt zweierlei. Der Zinsteil schrumpft gleichmäßig, die Dividenden dagegen fallen in Stufen. Dadurch kann die Basis ihr Vorzeichen wechseln, ohne dass sich die Stimmung am Markt geändert hat. Und am letzten Tag laufen Kasse und Termin zwangsläufig zusammen, weil der Future dann auf den Index abgerechnet wird.

Rohstoffe: Lagerkosten statt Dividenden

Bei lagerfähigen Waren entfällt die Dividende, dafür kommen Lager- und Versicherungskosten hinzu. Eine fiktive Tonne Aluminium kostet 2.486 US-Dollar, der Zins beträgt 3,9 Prozent, die Lagerung 96 US-Dollar pro Jahr. Für 180 Tage ergeben sich 48,48 US-Dollar Zinsen und 48,00 US-Dollar Lagerkosten, der rechnerische Terminpreis liegt bei 2.582,48 US-Dollar. Die Obergrenze dieser Rechnung ist im Beitrag zu Contango und Backwardation näher beschrieben, ebenso der Nutzen, Ware sofort verfügbar zu haben.

Auch Anleihen haben eine Carry. Dem Finanzierungszins steht hier der laufende Kupon gegenüber. Beim Bund-Future kommt die Besonderheit hinzu, dass mehrere Anleihen lieferbar sind. Für Devisen ersetzt die Zinsdifferenz der beiden Währungen den Dividendenteil, wie das Beispiel im Beitrag zum Forward zeigt.

Bedeutung für Anleger

Die Kennzahl ist vor allem aus drei Gründen wichtig. Erstens lassen sich Vorbörsenkurse besser lesen. Liegt ein Index-Future vor der Eröffnung 40 Punkte über dem Vortagesschluss, ist nur der Teil oberhalb der fairen Basis eine echte Kurserwartung. Das gilt auch für die Einschätzung der Vorbörse in den USA.

Zweitens kosten laufende Positionen Geld oder bringen welches. Wer ein Future-Engagement von Termin zu Termin weiterrollt, zahlt oder erhält bei jedem Wechsel den Abstand der Kontrakte. Über Jahre addiert sich das zu einer spürbaren Abweichung vom Kassamarkt. Bei Rohstoff-ETCs ist dies einer der wichtigsten Renditebestandteile.

Drittens ist die Abweichung vom fairen Wert das Signal für Arbitrageure. Sie kaufen die günstigere Seite und verkaufen die teurere. Ihre Tätigkeit hält Future und Kasse eng beieinander. Ein Überblick über dieses Geschäft findet sich unter Arbitrage.

Grenzen der Rechnung

Der faire Wert ist kein Prognosewert, sondern eine Gleichgewichtsrechnung. Er sagt nichts darüber, wo der Markt in 47 Tagen steht. Die Eingangsgrößen sind außerdem unsicher: Dividenden werden geschätzt und können gekürzt werden, der Finanzierungszins eines Händlers liegt über dem Referenzzins, und Leerverkäufe kosten Leihgebühren. Deshalb gibt es in der Praxis keinen Punkt, sondern ein Band um den fairen Wert, innerhalb dessen sich keine Arbitrage lohnt.

Bei Waren versagt die Rechnung nach unten, weil sich knappe Rohstoffe nicht leerverkaufen lassen. Der Terminpreis kann daher deutlich unter die Kosten-Rechnung fallen. In Stresslagen steigen zudem die Margin-Anforderungen, sodass Händler Positionen schließen müssen, obwohl der Abstand attraktiv erscheint.

Fazit

Cost of Carry ist die Brücke zwischen Kassa- und Terminmarkt. Zins, Lagerkosten und Erträge bestimmen zusammen den fairen Wert, und nur die Abweichung davon enthält Information. Wer Future-Kurse liest oder Positionen rollt, sollte diese Rechnung zumindest grob im Kopf haben.

Fragen und Antworten

Was ist die Basis bei Futures?

Die Differenz zwischen Terminpreis und Kassapreis. Nach der Definition von CME Group gilt Future minus Kassa, manche Lehrbücher rechnen umgekehrt.

Warum notiert ein Future manchmal unter dem Index?

Wenn die erwarteten Dividenden bis zum Verfall die Finanzierungskosten übersteigen, ist die Carry negativ und der faire Wert liegt unter dem Kassakurs.

Wird die Basis immer null?

Ja, spätestens zum Verfall. Der Future wird dann auf den Basiswert abgerechnet oder der Basiswert geliefert.

Ist ein Future über dem Index ein Kaufsignal?

Nein. Der Aufschlag kann vollständig aus Zinsen bestehen. Aussagekräftig ist erst die Abweichung vom fairen Wert.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

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