Abonnieren

Theta: Zeitwertverfall einer Option mit Rechenbeispiel

von FNE-Redaktion

Das Theta einer Option gibt an, wie viel Wert sie pro Tag allein dadurch verliert, dass die Restlaufzeit kürzer wird, wenn alle anderen Einflussgrößen gleich bleiben. Für den Käufer ist es ein stetiger Kostenfaktor, für den Verkäufer die wichtigste Ertragsquelle. Wie sich der Optionspreis in inneren Wert und Zeitwert aufteilt, erklärt der Beitrag zum inneren Wert. Hier geht es darum, wie schnell der Zeitwert schwindet und welche Muster sich daraus ergeben.

Definition

Theta ist die Ableitung des Optionspreises nach der Zeit und wird meist in Euro je Kalendertag angegeben. Ein Wert von −0,05 bedeutet, dass die Option rechnerisch nach einem Tag fünf Cent weniger wert ist. Das Vorzeichen ist bei gekauften Optionen in aller Regel negativ, bei verkauften positiv. Der Options Industry Council beschreibt den Zeitwertverfall als anfangs langsam und zum Verfall hin zunehmend. Am Verfallstag selbst bleibt nur der innere Wert übrig.

Rechenbeispiel: Verlauf bis zum Verfall

Die fiktive Moosbacher Brauerei notiert bei 112,60 Euro. Betrachtet wird ein Call mit Basispreis 114 Euro, angenommen sind 24 Prozent Volatilität, 2,5 Prozent Zins und keine Dividende. Das Black-Scholes-Modell ergibt bei unverändertem Aktienkurs folgende Werte:

RestlaufzeitOptionspreisTheta je Tag
90 Tage5,02 €−0,033 €
60 Tage3,94 €−0,040 €
30 Tage2,56 €−0,054 €
14 Tage1,54 €−0,077 €
7 Tage0,92 €−0,103 €
2 Tage0,29 €−0,160 €

Die letzten 30 der 90 Tage kosten die Option 51 Prozent ihres gesamten Anfangswerts. In einem Drittel der Zeit verschwindet also gut die Hälfte des Werts. Das Theta hat sich zwischen dem 90. und dem 2. Tag fast verfünffacht. Der Grund liegt in der Wurzel: Der Zeitwert wächst ungefähr mit der Quadratwurzel der Restlaufzeit, was zum Ende hin eine immer steilere Kurve ergibt.

Für eine Position bedeutet das: Zwölf gekaufte Kontrakte zu je 100 Aktien verlieren bei 30 Tagen Restlaufzeit rechnerisch rund 65 Euro pro Tag, ohne dass sich der Kurs bewegt.

Theta nach Basispreis

Nicht jede Option verliert gleich schnell. Der folgende Vergleich gilt für dieselbe Aktie und 30 Tage Laufzeit:

BasispreisZustandOptionspreisTheta je Tag
100 €Weit im Geld12,92 €−0,017 €
114 €Nahe am Geld2,56 €−0,054 €
128 €Weit aus dem Geld0,11 €−0,010 €

Am höchsten ist der tägliche Verlust in Euro nahe am Geld, weil dort der größte Zeitwert steckt. Relativ zum Preis sieht es anders aus. Die Option weit aus dem Geld verliert jeden Tag fast ein Zehntel ihres Werts, die Option im Geld nur gut ein Zehntelprozent. Billige Optionen wirken wie Lose: Ihr geringer Preis besteht nur aus Zeitwert.

Bedeutung für Käufer

Wer Optionen kauft, muss nicht nur mit der Richtung recht haben, sondern auch mit dem Zeitpunkt. Eine Kursprognose, die erst nach dem Verfall eintrifft, ist wertlos. Das Delta gleicht den Zeitwertverlust nur dann aus, wenn die Bewegung schnell genug kommt. Aus diesem Grund greifen manche Käufer zu längeren Laufzeiten, etwa zu LEAPS, und verkaufen sie, bevor die steile Phase beginnt. Die Prämie ist dann höher, der tägliche Verlust aber niedriger.

Theta ist dabei die Kehrseite des Gamma: Je höher die mögliche Beschleunigung, desto mehr kostet sie pro Tag.

Bedeutung für Verkäufer

Stillhalter erhalten das Theta als täglichen Ertrag. Stillhaltergeschäfte zielen genau darauf ab. Eine verbreitete Regel lautet deshalb, Optionen mit 30 bis 45 Tagen Laufzeit zu verkaufen, weil der Zeitwert dort schneller schwindet als bei langen Laufzeiten, das Risiko plötzlicher Delta-Sprünge aber noch moderater ist als in der Schlusswoche. Eine solche Regel ist keine Garantie, sondern eine Abwägung. Der Ertrag ist begrenzt, das Risiko aus einer Kursbewegung kann ein Vielfaches davon betragen.

Spreads nutzen den Unterschied in den Zeitverläufen gezielt. Beim Calendar Spread steht der schnelle Verfall einer kurzen Option dem langsameren einer längeren gegenüber. Die Berechnung des Nettothetas einer Position erfolgt durch Addition der Einzelwerte unter Beachtung der Vorzeichen.

Grenzen und Risiken

Theta ist eine Momentaufnahme unter der Annahme, dass Kurs und Volatilität stillstehen. In der Realität ändern sich beide täglich, weshalb die Option am nächsten Tag selten genau um den angezeigten Betrag fällt. Steigt die implizite Volatilität, zum Beispiel vor Quartalszahlen, kann der Wert trotz Theta sogar zulegen. Danach fällt er umso schneller.

Rechenweise und Kalender sorgen für weitere Unterschiede. Die Tabellen hier rechnen mit Kalendertagen. Modelle verteilen den Zeitwertverlust jedoch häufig auf Handelstage, sodass das Wochenende nicht als sprunghafter Verlust am Montag auftritt, sondern bereits am Freitag eingepreist sein kann. Ein vermeintlich geschenkter Wochenend-Ertrag für Verkäufer ist daher oft schon im Preis enthalten.

In Ausnahmefällen kann das Theta auch positiv sein. Das betrifft Puts weit im Geld bei hohen Zinsen: Weil der Inhaber erst später den Basispreis erhält, kostet ihn jeder Tag Zinsen, und europäische Puts können unter ihrem inneren Wert notieren. Mit nahendem Verfall steigt ihr Preis dann. Auch Dividenden verändern den Verlauf.

Schließlich ist für Stillhalter das Bild trügerisch. Ein stetiger kleiner Ertrag kann über Monate wie ein zuverlässiges Einkommen aussehen, bis eine einzelne Kurslücke die gesammelten Prämien mehrfach aufzehrt.

Fazit

Theta macht Zeit zum Preisfaktor. Der Verlust ist kein gleichmäßiger Abzug, sondern beschleunigt sich zum Verfall hin und trifft Optionen nahe am Geld am stärksten. Käufer müssen schnell genug recht bekommen, Verkäufer müssen wissen, dass die tägliche Einnahme eine Risikoprämie ist und kein Zins.

Fragen und Antworten

Was bedeutet ein Theta von −0,05?

Die Option verliert rechnerisch fünf Cent je Tag, wenn Kurs und Volatilität gleich bleiben. Bei 100 Aktien je Kontrakt sind das fünf Euro.

Wann ist der Zeitwertverfall am stärksten?

In den letzten Wochen vor dem Verfall, besonders bei Optionen nahe am Geld.

Verlieren Optionen auch am Wochenende Wert?

Rechnerisch ja. Der Effekt wird aber meist schon vorher in den Preisen berücksichtigt.

Kann das Theta positiv sein?

Für Verkäufer von Optionen ja. Beim Kauf nur in Ausnahmefällen, etwa bei Puts weit im Geld und hohen Zinsen.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

Das könnte Sie auch interessieren