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Forward: Terminkontrakt außerbörslich und Unterschied zum Future

von FNE-Redaktion

Ein Forward-Kontrakt ist eine außerbörsliche Vereinbarung zwischen zwei Parteien, einen Basiswert an einem festgelegten künftigen Tag zu einem heute vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Die BaFin beschreibt den Forward in ihrem Merkblatt zu Derivaten knapp als nicht standardisierten Terminkauf, den Future dagegen als standardisierte Variante mit festen Vertragsbedingungen. Dieser Unterschied klingt formal, hat aber handfeste Folgen für Kosten, Absicherung und Ausfallrisiko.

Definition

Rechtlich gehört der Forward zu den Termingeschäften, also zu Fest- oder Optionsgeschäften, die zeitlich verzögert erfüllt werden und deren Wert sich vom Preis eines Basiswerts ableitet. So steht es in § 1 Absatz 11 des Kreditwesengesetzes. Anders als bei einer Option sind beide Seiten gebunden: Der Käufer muss abnehmen, der Verkäufer muss liefern. Eine Prämie fällt bei Abschluss normalerweise nicht an.

Basiswert kann fast alles sein: Devisen, Zinsen, Rohstoffe, Strom oder einzelne Aktienpakete. Am häufigsten begegnet der Forward in zwei Formen. Das Devisentermingeschäft fixiert einen Wechselkurs, das Forward Rate Agreement einen Zinssatz für einen künftigen Zeitraum. Auch das Forward-Darlehen der Baufinanzierung folgt diesem Prinzip, indem es heute den Zins für einen späteren Kredit festlegt.

Forward und Future im Vergleich

MerkmalForwardFuture
HandelsplatzAußerbörslich (OTC)Börse
VertragsinhaltFrei verhandeltStandardisiert
Betrag und TerminExakt nach BedarfFeste Kontraktgröße und Verfallstermine
GegenparteiBank oder UnternehmenZentrale Clearingstelle
AusfallrisikoBeim VertragspartnerWeitgehend durch Margin abgedeckt
ZahlungsstromMeist erst bei FälligkeitTäglicher Gewinn- und Verlustausgleich
Vorzeitiger AusstiegNur per Gegengeschäft mit PartnerJederzeit über die Börse
ErfüllungOft physischOft Barausgleich oder Glattstellung

Beim Future sorgt die tägliche Abrechnung dafür, dass Gewinne und Verluste sofort als Geld fließen. Beim Forward wächst dagegen ein Marktwert heran, der erst am Ende bezahlt wird. Über welche Mechanik die Sicherheiten beim Börsenhandel laufen, zeigt der Beitrag zur Margin.

Preisbildung: die Zinsparität

Der Terminkurs ist keine Prognose. Er folgt aus der Überlegung, dass Terminkauf und sofortiger Kauf mit Finanzierung dasselbe kosten müssen. Grundlage ist die Cost of Carry. Bei Devisen ergibt sich aus den Zinsen beider Währungen die sogenannte gedeckte Zinsparität:

Terminkurs = Kassakurs × (1 + Zins Quotierungswährung × Tage / 360) / (1 + Zins Basiswährung × Tage / 360)

Die Währung mit dem höheren Zins notiert auf Termin also schwächer. Das ist die Kompensation dafür, dass ihr Inhaber zwischenzeitlich mehr Zinsen erhält.

Beispiel: ein Importeur sichert Dollar

Ein fiktiver Möbelimporteur aus Ostwestfalen muss in 152 Tagen eine Rechnung über 1.870.000 US-Dollar bezahlen. Der angenommene Kassakurs liegt bei 1,1620 Dollar je Euro, der Dollarzins bei 3,85 Prozent, der Eurozins bei 2,35 Prozent. Daraus folgt:

1,1620 × (1 + 0,0385 × 152/360) / (1 + 0,0235 × 152/360) = 1,1693 Dollar je Euro.

Der Importeur vereinbart mit seiner Bank einen Forward zu 1,1693. Sein Aufwand steht damit fest: rund 1.599.247 Euro. Im Vergleich zum sofortigen Kauf zu Kasse (1.609.294 Euro) spart er rund 10.047 Euro, weil der Euro wegen der niedrigeren Zinsen auf Termin fester notiert.

Kurs am FälligkeitstagKosten ohne AbsicherungKosten mit ForwardVorteil des Forwards
1,10 $/€1.700.000 €1.599.247 €+100.753 €
1,1693 $/€1.599.247 €1.599.247 €0 €
1,21 $/€1.545.455 €1.599.247 €−53.792 €

Die letzte Zeile zeigt das Prinzip: Ein Forward schützt vor Nachteilen, nimmt aber auch die Chance. Wer sich die Chance erhalten will, braucht eine Option und zahlt dafür eine Prämie. Eine allgemeine Darstellung der Absicherungsstrategien bietet der Beitrag zum Hedging. Mit einem Börsen-Future wäre der exakte Betrag übrigens nicht abbildbar gewesen, denn die Kontraktgrößen sind fest und die Termine vorgegeben.

Bedeutung für Anleger

Privatanleger schließen Forwards selten selbst ab. Sie begegnen ihnen aber indirekt. Währungsgesicherte Fonds rollen in der Regel Devisentermingeschäfte, und die Zinsdifferenz bestimmt die Kosten dieser Absicherung. Liegt der Dollarzins deutlich über dem Eurozins, kostet die Sicherung eines Dollar-Portfolios für den Euro-Anleger laufend Rendite.

Daneben hilft das Forward-Prinzip beim Verständnis anderer Produkte. Eine Kombination aus gekauftem Call und verkauftem Put wirkt wie ein Terminkauf, wie unter synthetische Positionen beschrieben. Auch Terminkurse in Geldmarktdaten lassen sich als Forward-Sätze lesen, etwa beim Euribor-Future, der als Börsenvariante einer Zinsfestschreibung dient.

Wer Terminkurse selbst nachvollziehen möchte, braucht nur Kassakurs, beide Zinssätze und die Tage bis zur Fälligkeit. Weicht ein angebotener Kurs deutlich von diesem Ergebnis ab, steckt die Differenz in der Marge der Bank oder im Kreditaufschlag. Gerade kleinere Unternehmen können damit Angebote mehrerer Banken vergleichen.

Grenzen und Risiken

Das zentrale Risiko ist der Ausfall des Vertragspartners. Fällt er aus, wenn der Forward im Gewinn liegt, ist der Anspruch gefährdet. Der Markt hat darauf reagiert: Nach der Finanzkrise schrieb die EU-Verordnung EMIR für bestimmte Klassen außerbörslicher Zinsderivate ein zentrales Clearing und für weitere OTC-Geschäfte Meldepflichten sowie Sicherheiten vor. Der klassische Forward ist damit stärker reguliert als früher, aber nicht jedes Geschäft läuft über eine Clearingstelle.

Hinzu kommt die geringe Handelbarkeit. Ein individueller Vertrag lässt sich nicht an der Börse verkaufen, ein Ausstieg kostet die Spanne der Bank. Die Preise sind weniger transparent als an einem öffentlichen Orderbuch. Und falls das Grundgeschäft entfällt, etwa weil die Rechnung storniert wird, bleibt die Verpflichtung bestehen und wird zur offenen Spekulation.

Fazit

Der Forward ist das ursprüngliche Termingeschäft: flexibel, ohne laufende Zahlungen und exakt auf den Bedarf zugeschnitten. Dafür trägt er das Risiko des Vertragspartners und lässt sich schwer vorzeitig auflösen. Der Future tauscht diese Flexibilität gegen Standardisierung, Liquidität und Clearing.

Fragen und Antworten

Was ist der Hauptunterschied zwischen Forward und Future?

Der Forward wird individuell außerbörslich vereinbart, der Future ist ein standardisierter Börsenkontrakt mit täglichem Gewinn- und Verlustausgleich.

Muss beim Abschluss eines Forwards etwas gezahlt werden?

In der Regel nicht. Der Terminkurs wird so gewählt, dass der Vertrag zu Beginn einen Wert von ungefähr null hat. Banken verlangen je nach Bonität Sicherheiten.

Ist der Terminkurs eine Prognose?

Nein. Er ergibt sich rechnerisch aus Kassakurs und Zinsen.

Können Privatanleger Forwards nutzen?

Direkt kaum. Baufinanzierer nutzen Forward-Darlehen, Anleger begegnen Termingeschäften meist über währungsgesicherte Fonds.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

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