Ein Ratio Spread ist eine Optionskombination, bei der in ungleichem Verhältnis gehandelt wird: Der Anleger kauft eine Option und verkauft mehrere Optionen mit einem weiter entfernten Basispreis, typischerweise im Verhältnis 1 zu 2. Dadurch wird die gekaufte Option billig oder sogar kostenlos. Im Gegenzug bleibt eine verkaufte Option ohne Deckung. Damit unterscheidet sich die Konstruktion grundlegend von Spreads wie dem Bull Call Spread, bei denen das Risiko nach beiden Seiten begrenzt ist. Das Gegenstück mit umgekehrtem Verhältnis ist der Backspread.
Definition und Varianten
| Variante | Gekauft | Verkauft | Passende Erwartung |
|---|---|---|---|
| Ratio Call Spread | 1 Call, niedrigerer Basispreis | 2 Calls, höherer Basispreis | Leichter Anstieg bis KH |
| Ratio Put Spread | 1 Put, höherer Basispreis | 2 Puts, niedrigerer Basispreis | Leichter Rückgang bis KN |
Rechnerisch steckt im Ratio Call Spread ein Bull Call Spread plus ein ungedeckter Short Call am oberen Basispreis. Der Ratio Put Spread ist entsprechend ein Bear Put Spread plus Short Put. Die Bezeichnungen sind nicht einheitlich. Das US-amerikanische Options Industry Council führt den Fall 1 zu 2 etwa als Short Ratio Spread, viele Lehrbücher nennen ihn Front Spread oder schlicht Ratio Spread. Vor einem Handel ist daher zu prüfen, welche Seite tatsächlich verkauft wird.
Formeln am Verfall
Für die Variante 1 zu 2 mit Calls gelten bei einer Nettozahlung D, KN als unterem und KH als oberem Basispreis:
- Maximaler Gewinn = (KH − KN) − D, genau bei KH
- Untere Gewinnschwelle = KN + D
- Obere Gewinnschwelle = KH + (KH − KN) − D
- Maximaler Verlust: unbegrenzt bei steigenden Kursen
Fließt zu Beginn Geld zu, entfällt die untere Schwelle, und die Prämie bleibt auch bei fallendem Kurs erhalten. Die obere Schwelle verschiebt sich um die Einnahme nach oben.
Beispiel: Ratio Call Spread
Die fiktive Kronbach Stahl steht bei 44,60 Euro. Ein Anleger erwartet einen Anstieg bis etwa 50 Euro:
- Kauf 1 Call Basispreis 45 Euro zu 3,17 Euro
- Verkauf 2 Calls Basispreis 50 Euro zu je 1,41 Euro
- Nettozahlung 3,17 − 2 × 1,41 = 0,35 Euro je Aktie, also 35 €
Bei 50 Euro entsteht der Höchstgewinn von 465 €. Die Gewinnzone reicht von 45,35 Euro bis 54,65 Euro. Darüber wachsen die Verluste, denn eine verkaufte Option steht ohne Gegenposition im Markt.
| Kurs am Verfall | Long Call 45 € | 2 Short Calls 50 € | Gesamt je Kontrakt |
|---|---|---|---|
| 41,00 € | −317 € | +282 € | −35 € |
| 45,35 € | −282 € | +282 € | 0 € |
| 48,00 € | −17 € | +282 € | +265 € |
| 50,00 € | +183 € | +282 € | +465 € |
| 54,65 € | +648 € | −648 € | 0 € |
| 60,00 € | +1.183 € | −1.718 € | −535 € |
| 70,00 € | +2.183 € | −3.718 € | −1.535 € |
Der Ratio Put Spread
Spiegelbildlich funktioniert die Put-Seite. Bei demselben Aktienkurs kauft ein Anleger einen Put mit Basispreis 44 Euro zu 2,96 Euro und verkauft zwei Puts mit Basispreis 39 Euro zu je 1,13 Euro. Das ergibt eine Nettozahlung von 0,70 Euro. Der Höchstgewinn von 4,30 Euro je Aktie fällt bei 39 Euro an. Die Gewinnzone liegt zwischen 34,70 Euro und 43,30 Euro.
Unterhalb von 34,70 Euro entstehen Verluste, die im Extrem bis zur Pleite der Aktie reichen: Bei einem Kurs von null ergeben sich −3.470 € je Kontrakt. Anders als bei Calls ist das Risiko damit zwar rechnerisch begrenzt, im Verhältnis zum Einsatz aber sehr hoch.
Bedeutung für Anleger
Der Ratio Spread eignet sich, wenn eine Bewegung bis zu einem bestimmten Niveau erwartet wird, ein Durchbruch aber unwahrscheinlich erscheint. Zeitablauf hilft, weil die beiden verkauften Optionen mehr Zeitwert verlieren, als die eine gekaufte einbüßt. Eine sinkende Volatilität wirkt ebenfalls günstig, eine steigende belastet. Wegen des ungedeckten Teils verlangen Broker dafür eine erweiterte Handelsfreigabe und Margin, die in Krisen deutlich steigen kann. Für Privatanleger ist das die größte Hürde.
Ein häufiger Anwendungsfall ist die Kombination mit vorhandenen Aktien. Hält der Anleger die Aktie bereits, ist der zweite verkaufte Call gedeckt, und aus dem Risiko wird entgangener Gewinn, wie beim Covered Call. Das Verhältnis ist zudem nicht auf 1 zu 2 festgelegt. Auch 2 zu 3 ist möglich, was das ungedeckte Risiko im Verhältnis zur gekauften Seite verringert. Allerdings fließt dann auch weniger Prämie je gekaufter Option zu.
Grenzen und Risiken
- Ungedecktes Risiko: Beim Call-Ratio ist der Verlust nach oben offen, beim Put-Ratio reicht er bis zum Totalausfall der Aktie.
- Kurslücken: Eine Übernahme oder überraschende Zahlen können den Bereich über Nacht überspringen, ohne dass ein Ausstieg möglich ist.
- Margin-Calls: Bei steigender Volatilität kann der Broker zusätzliche Sicherheiten fordern oder Positionen schließen.
- Zuteilung: Die verkauften Optionen können vorzeitig ausgeübt werden. Das schafft bei amerikanischen Kontrakten ein zusätzliches Handlungsrisiko.
Fazit
Der Ratio Spread verbilligt die gekaufte Option durch den Verkauf mehrerer weiter entfernter Optionen. Die Rechnung sieht vor dem Durchbruch freundlich aus, das offene Risiko jenseits des oberen Niveaus verlangt aber ständige Überwachung. Das Profil passt nur zu erfahrenen Anlegern mit klaren Ausstiegsregeln und ausreichend Sicherheiten.
Fragen und Antworten
Was ist ein Ratio Spread?
Eine Optionskombination mit ungleichem Verhältnis, meist eine gekaufte und zwei verkaufte Optionen desselben Typs und gleicher Laufzeit.
Wie unterscheidet sich der Ratio Spread vom Backspread?
Beim Ratio Spread werden mehr Optionen verkauft als gekauft, beim Backspread ist es umgekehrt. Damit kehrt sich auch das Risikoprofil um.
Ist der Ratio Call Spread riskanter als der Bull Call Spread?
Ja. Der Bull Call Spread begrenzt das Risiko auf die Prämie. Der Ratio Call Spread enthält einen ungedeckten Short Call mit unbegrenztem Verlustpotenzial.
Braucht man dafür Margin?
In aller Regel ja, weil ein Teil der verkauften Optionen ungedeckt ist. Die Höhe legt der Broker fest und kann sie ändern.
Quellen
- Options Industry Council: Short Ratio Call Spread
- Options Industry Council: Short Ratio Put Spread
- OCC: Characteristics and Risks of Standardized Options
- FINRA: Trading Options – Understanding Assignment
- Eurex Clearing: Risikoparameter
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.