Ein Protective Put ist die Kombination aus einer Aktienposition und einem gekauften Put auf dieselbe Aktie. Der Put legt einen Mindestverkaufspreis fest und wirkt damit wie eine Versicherung mit Selbstbehalt, während Kursgewinne erhalten bleiben. Wie die Put-Option selbst funktioniert, erklärt ein eigener Beitrag. Hier geht es um die praktische Frage, was dieser Schutz kostet und wie er sich gestalten lässt.
Definition: Aktie plus Put
Für jeweils 100 Aktien wird in der Regel ein Put-Kontrakt gekauft. Wird der Put später zu einer bestehenden Position erworben, spricht man vom Protective Put. Erfolgen Aktienkauf und Putkauf zusammen, heißt die Konstruktion Married Put. Am Ergebnisprofil ändert das nichts. Das Recht aus dem Put erlaubt es, die Aktie bis zum Verfall zum Basispreis abzugeben, unabhängig davon, wie tief der Kurs fällt.
Formeln für Gewinn und Verlust
Mit dem Einstandskurs E, dem Basispreis K und der Prämie P gilt je Aktie am Verfallstag:
- Maximaler Verlust = E − K + P
- Gewinnschwelle = E + P
- Maximaler Gewinn: theoretisch unbegrenzt, jeweils abzüglich P
Das Profil gleicht rechnerisch dem eines Long Calls mit Basispreis K. Diese Verwandtschaft folgt aus der Put-Call-Parität und erklärt, warum die Absicherung nicht umsonst zu haben ist: Der Anleger kauft sich die Asymmetrie mit der Prämie.
Beispiel: Absicherung über ein halbes Jahr
Ein Anleger hält 100 Aktien des fiktiven Dorneck Maschinenbau, Kurs 118,60 Euro. Vor einer unsicheren Berichtssaison kauft er einen Put mit Basispreis 110 Euro und sechs Monaten Laufzeit zu 4,74 Euro. Die Prämie macht 474 € aus, also 4,0 Prozent des Positionswerts.
Der größte Verlust liegt nun bei 118,60 − 110 + 4,74 = 13,34 Euro je Aktie, zusammen 1.334 €. Das sind 11,2 Prozent, egal wie weit die Aktie fällt. Die Gewinnzone beginnt bei 123,34 Euro.
| Kurs am Verfall | Aktie allein | Aktie mit Put | Differenz |
|---|---|---|---|
| 75,00 € | −4.360 € | −1.334 € | +3.026 € |
| 96,00 € | −2.260 € | −1.334 € | +926 € |
| 110,00 € | −860 € | −1.334 € | −474 € |
| 118,60 € | 0 € | −474 € | −474 € |
| 123,34 € | +474 € | 0 € | −474 € |
| 142,00 € | +2.340 € | +1.866 € | −474 € |
Basispreis und Laufzeit wählen
Der Basispreis bestimmt das Verhältnis von Selbstbehalt zu Kosten. Für die Beispielaktie könnten die Sechsmonats-Puts folgende Preise aufweisen:
| Basispreis | Prämie | Prämie in % des Kurses | Maximaler Verlust je Aktie | Gewinnschwelle |
|---|---|---|---|---|
| 118 € | 7,92 € | 6,7 % | 8,52 € | 126,52 € |
| 110 € | 4,74 € | 4,0 % | 13,34 € | 123,34 € |
| 102 € | 2,51 € | 2,1 % | 19,11 € | 121,11 € |
Der Put zu 118 Euro schützt fast ab dem ersten Euro, kostet aber am meisten. Der Put zu 102 Euro ist billig, greift jedoch erst nach einem Rückgang von rund 14 Prozent. Hinzu kommt die Laufzeit: Längere Puts kosten absolut mehr, je Monat aber meist weniger, weil der Zeitwert nicht linear mit der Dauer wächst. Wird der mittlere Put jedes Halbjahr erneuert, entstehen bei unveränderten Preisen jährliche Kosten von 8,0 Prozent. Eine solche Dauerabsicherung belastet die Rendite erheblich. Wer die Kosten drücken möchte, verkauft zusätzlich einen Call und baut einen Collar, gibt dann aber Kurschancen ab.
Protective Put oder Stop-Order?
Auch ein Trailing Stop soll Verluste begrenzen, wirkt aber anders. Er kostet keine Prämie, garantiert jedoch keinen Preis: Eröffnet die Aktie nach schlechten Nachrichten mit einer Kurslücke tiefer, wird weit unter dem Stoppkurs verkauft. Der Put sichert dagegen den Basispreis bis zum Verfall, auch über Nacht. Außerdem verlässt der Anleger die Aktie nicht zwangsläufig und bleibt bei einer Erholung investiert. Die Tabelle fasst die Unterschiede zusammen:
| Merkmal | Protective Put | Stop-Order |
|---|---|---|
| Kosten | Prämie im Voraus | Keine, nur beim Auslösen Handelskosten |
| Preisgarantie | Basispreis | Keine |
| Kurslücken | Abgedeckt | Nicht abgedeckt |
| Zeitraum | Bis zum Verfall | Solange die Order gilt |
| Position nach Einbruch | Bleibt bestehen | Verkauft |
Bedeutung für Anleger
Sinnvoll wird die Absicherung vor allem für zeitlich klar abgegrenzte Risiken: anstehende Zahlen, ein bevorstehendes Gerichtsurteil oder eine Position mit hohem Buchgewinn, die aus steuerlichen Gründen vorerst nicht verkauft werden soll. Liegt die implizite Volatilität bereits hoch, ist der Schutz aber teuer, denn der Markt verlangt gerade dann eine höhere Prämie. Ganze Depots lassen sich statt mit vielen Einzelputs über Indexoptionen absichern, das bringt allerdings ein Basisrisiko mit sich, weil das Depot vom Index abweichen kann. Wer die Entscheidung prüft, stellt die Prämie dem Verlust gegenüber, den die Position im Ernstfall tatsächlich verursachen würde. Bei einer kleinen Beimischung fällt diese Abwägung anders aus als bei einer großen Einzelposition.
Grenzen und Risiken
- Laufende Kosten: Bleibt der befürchtete Einbruch aus, verfällt die Prämie teilweise oder ganz.
- Selbstbehalt: Bis zum Basispreis trägt der Anleger Kursverluste selbst.
- Befristung: Mit dem Verfallstag endet der Schutz. Für eine Verlängerung ist ein neuer Put zum dann gültigen Preis nötig.
- Dividenden: Erwartete Ausschüttungen sind im Putpreis schon enthalten. Die Kontraktgröße kann bei Kapitalmaßnahmen angepasst werden.
Fazit
Der Protective Put setzt eine feste Untergrenze unter eine Aktie, ohne das Aufwärtspotenzial zu kappen. Dieser Schutz ist einfach zu verstehen und im Maximum exakt berechenbar, verlangt aber eine Prämie, die sich bei häufiger Wiederholung summiert. Am besten begründen lässt er sich für befristete, gut benennbare Risiken.
Fragen und Antworten
Was ist der Unterschied zwischen Protective Put und Married Put?
Nur der Zeitpunkt. Beim Married Put werden Aktie und Put zusammen gekauft, beim Protective Put kommt der Put später zu einer vorhandenen Aktie hinzu.
Wie viele Puts braucht ein Anleger?
In der Regel einen Kontrakt je 100 Aktien. Bei einer anderen Kontraktgröße oder kleineren Positionen ist nur eine Teilabsicherung möglich.
Muss der Put am Ende ausgeübt werden?
Nein. Er lässt sich auch verkaufen, wenn die Aktie behalten werden soll. Der Gewinn aus dem Put gleicht dann den Buchverlust der Aktie teilweise aus.
Lohnt sich eine dauerhafte Absicherung?
Das hängt von der Situation ab. Rollierende Puts kosten über Jahre einen merklichen Teil der Rendite, weshalb viele Anleger den Schutz auf einzelne Risikophasen beschränken.
Quellen
- Options Industry Council: Protective Put
- OCC: Characteristics and Risks of Standardized Options
- Eurex: Equity Options
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.