Eine Butterfly Option ist keine einzelne Option, sondern eine Kombination aus vier Kontrakten auf drei Basispreise. Der Long Butterfly gewinnt, wenn der Basiswert am Verfall nahe am mittleren Basispreis steht. Die Strategie hat einen fest begrenzten Einsatz und zielt auf einen ruhigen Markt. Im Unterschied zum Iron Condor wird sie zu Beginn bezahlt und nutzt nur Calls oder nur Puts. Der Name leitet sich vom Gewinnprofil ab, dessen spitzer Körper von zwei Flügeln flankiert wird.
Aufbau: Körper und Flügel
Ein Long Call Butterfly besteht aus drei Schritten, alle mit gleichem Verfallstermin:
- Kauf eines Calls mit niedrigem Basispreis (unterer Flügel)
- Verkauf von zwei Calls mit mittlerem Basispreis (Körper)
- Kauf eines Calls mit hohem Basispreis (oberer Flügel)
Die Abstände zwischen Flügeln und Körper sind gleich groß. Rechnerisch handelt es sich um einen Bull Call Spread und einen Bear Call Spread, die sich den mittleren Basispreis teilen. Dasselbe Profil entsteht mit Puts. Auch dort stehen zwei verkaufte Optionen zwei gekauften gegenüber, sodass keine Seite ungedeckt bleibt.
Formeln für das Gewinnprofil
Mit der Flügelbreite B und der Nettoprämie D ergibt sich je Aktie am Verfallstag:
- Maximaler Verlust = D, außerhalb der beiden Flügel
- Maximaler Gewinn = B − D, genau am mittleren Basispreis
- Untere Gewinnschwelle = unterer Basispreis + D
- Obere Gewinnschwelle = oberer Basispreis − D
Die Gewinnzone ist also ein Dreieck mit der Spitze am mittleren Basispreis. Je weiter sich der Schlusskurs von dort entfernt, desto rascher schmilzt der Ertrag.
Beispiel mit Zahlen
Die fiktive Rivenfels Software steht bei 141,25 Euro. Für die nächsten fünf Wochen stehen keine Termine an, ein Anleger erwartet Kurse um 140 Euro. Er baut einen Butterfly mit zehn Euro Flügelbreite:
- Kauf 1 Call Basispreis 130 Euro zu 14,38 Euro
- Verkauf 2 Calls Basispreis 140 Euro zu je 7,52 Euro
- Kauf 1 Call Basispreis 150 Euro zu 3,29 Euro
Die Nettoprämie beträgt 14,38 + 3,29 − 2 × 7,52 = 2,63 Euro, also 263 € je Kombination. Am Punkt von 140 Euro entsteht ein Gewinn von 737 €. Die Gewinnzone reicht von 132,63 Euro bis 147,37 Euro und umfasst damit rund 10 Prozent des Aktienkurses.
| Kurs am Verfall | Call 130 € | 2 Calls 140 € | Call 150 € | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| 124,00 € | −1.438 € | +1.504 € | −329 € | −263 € |
| 130,00 € | −1.438 € | +1.504 € | −329 € | −263 € |
| 132,63 € | −1.175 € | +1.504 € | −329 € | 0 € |
| 140,00 € | −438 € | +1.504 € | −329 € | +737 € |
| 147,37 € | +299 € | +30 € | −329 € | 0 € |
| 150,00 € | +562 € | −496 € | −329 € | −263 € |
| 158,00 € | +1.362 € | −2.096 € | +471 € | −263 € |
Wie Zeit und Volatilität wirken
Vor dem Verfall sieht die Kurve deutlich flacher aus als im Diagramm. Selbst wenn die Aktie genau am mittleren Basispreis steht, ist das Maximum lange nicht erreichbar, weil die verkauften Optionen noch reichlich Zeitwert enthalten. Der größte Teil des Ertrags entsteht erst in den letzten Tagen. Die Spitze bildet sich also spät.
Steht der Körper am Geld, hilft der Zeitablauf der Position, weil die beiden verkauften Optionen den stärksten Zeitwertverlust aufweisen. Liegt er abseits des aktuellen Kurses, kehrt sich das um. Eine steigende implizite Volatilität wirkt meist leicht negativ, ein Rückgang nach einem Ereignis leicht positiv. Hinter diesen Reaktionen stehen die Optionsgriechen der vier Einzeloptionen.
Bedeutung für Anleger
Der Reiz liegt im Verhältnis von Einsatz und Chance: Im Beispiel stehen 263 € Risiko einem möglichen Gewinn von 737 € gegenüber. Dieses Verhältnis täuscht jedoch, weil die Spitze selten genau getroffen wird. Realistisch ist ein Teilgewinn innerhalb der Zone. Die Konstruktion bietet sich an, wenn der Anleger einen Zielkurs für einen bestimmten Termin vor Augen hat. Wer dagegen nur eine Handelsspanne erwartet, bekommt mit dem Long Condor eine breitere, dafür ertragsärmere Zone.
Das Gegenteil zum Straddle ist die Butterfly-Struktur nur teilweise: Beide reagieren auf die Stärke der Bewegung, aber der gekaufte Straddle setzt auf Unruhe. Der Butterfly lässt sich als verkaufter Straddle lesen, dessen offene Enden durch die Flügel geschlossen wurden. Darum ist der Verlust bei einem Ausbruch begrenzt.
Die Flügelbreite steuert dabei das Profil: Breitere Flügel kosten mehr und dehnen die Gewinnzone, schmale Flügel sind billiger, verlangen aber eine genauere Prognose. Der Körper lässt sich außerdem oberhalb oder unterhalb des aktuellen Kurses platzieren. Die Position erhält dann eine leichte Richtungskomponente und kostet meist weniger.
Grenzen und Risiken
- Geringe Trefferquote: Das Maximum gilt nur für einen einzigen Schlusskurs.
- Vier Ausführungen: Gebühren und Geld-Brief-Spannen fallen viermal an, beim Ein- wie beim Ausstieg. Das kann bei kleinen Prämien einen großen Teil des Ertrags kosten.
- Vorzeitige Zuteilung: Bei amerikanischen Optionen kann einer der verkauften Calls ausgeübt werden, besonders vor Dividendenterminen.
- Verfallsrisiko: Schließt der Kurs nahe am Körper, ist unklar, wie viele Short-Optionen ausgeübt werden. Das kann eine unerwartete Aktienposition auslösen.
Fazit
Der Long Butterfly ist ein preiswerter Weg, auf eine Kursruhe rund um ein Zielniveau zu setzen. Der Einsatz ist klein und begrenzt, der mögliche Ertrag hoch, die Zone aber schmal. Vor allem Gebühren und die späte Entfaltung des Gewinns entscheiden darüber, was am Ende übrig bleibt.
Fragen und Antworten
Was bedeutet Butterfly bei Optionen?
Es handelt sich um eine Kombination aus vier Optionen auf drei Basispreise. Zwei verkaufte Optionen liegen in der Mitte, je eine gekaufte darunter und darüber.
Wann erzielt ein Long Butterfly den höchsten Gewinn?
Wenn der Basiswert am Verfallstag genau auf dem mittleren Basispreis schließt. Der Gewinn entspricht dann der Flügelbreite abzüglich Nettoprämie.
Ist der Verlust begrenzt?
Ja, auf die gezahlte Nettoprämie plus Kosten. Das gilt für starke Bewegungen in beide Richtungen, solange die Position vollständig bestehen bleibt.
Worin unterscheidet sich der Iron Butterfly?
Er kombiniert Puts und Calls und bringt zu Beginn eine Prämie ein. Das Profil ist ähnlich, die Zahlungsströme sind aber umgekehrt.
Quellen
- Options Industry Council: Long Call Butterfly
- Options Industry Council: Long Put Butterfly
- Cboe: Advanced Options Trading Strategies
- OCC: Characteristics and Risks of Standardized Options
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.