Ein Straddle ist eine Optionsstrategie, bei der ein Anleger gleichzeitig eine Call- und eine Put-Option auf denselben Basiswert mit gleichem Basispreis und gleichem Verfallstag kauft. Damit setzt er nicht auf eine Richtung, sondern darauf, dass sich der Kurs stark bewegt, egal ob nach oben oder unten.
So funktioniert der Long Straddle
Steigt der Kurs stark, gewinnt der Call deutlich an Wert, während der Put verfällt. Fällt der Kurs stark, ist es umgekehrt. Bleibt der Kurs dagegen in der Nähe des Basispreises, verlieren beide Optionen an Zeitwert, und der Anleger verliert einen Teil oder die gesamte gezahlte Prämie.
Ein Beispiel
Eine Aktie notiert vor den Quartalszahlen bei 100 Euro. Ein Anleger kauft einen Call und einen Put mit Basispreis 100 Euro und einem Monat Laufzeit für zusammen 8 Euro je Aktie.
| Kurs am Verfallstag | Wert Call | Wert Put | Ergebnis je Aktie |
|---|---|---|---|
| 80 € | 0 € | 20 € | +12 € |
| 92 € | 0 € | 8 € | 0 € |
| 100 € | 0 € | 0 € | −8 € |
| 108 € | 8 € | 0 € | 0 € |
| 125 € | 25 € | 0 € | +17 € |
Die Gewinnschwellen liegen bei Basispreis plus und minus Gesamtprämie, also bei 108 und 92 Euro. Der Kurs muss sich um mehr als 8 Prozent bewegen, damit der Straddle Gewinn bringt. Der maximale Verlust ist auf die Prämie begrenzt.
Wann Anleger einen Straddle nutzen
- Vor Quartalszahlen, Zulassungsentscheidungen oder Gerichtsurteilen, wenn ein großer Kurssprung erwartet wird.
- Vor wichtigen Notenbankentscheidungen oder Konjunkturdaten bei Index-Optionen.
- Wenn die Optionen im Verhältnis zur erwarteten Bewegung günstig erscheinen.
Die Falle: der Volatilitätseinbruch
Vor bekannten Ereignissen erwarten alle Marktteilnehmer eine große Bewegung, deshalb sind die Optionen dann teuer. Nach der Veröffentlichung sinkt die erwartete Schwankung schlagartig, im Englischen IV Crush genannt. Selbst wenn sich der Kurs deutlich bewegt, kann der Straddle Verlust machen, weil der Zeitwert der Optionen einbricht. Ein Indikator für die erwartete Schwankung am Gesamtmarkt ist der VIX.
Short Straddle und Strangle
Beim Short Straddle verkauft der Anleger Call und Put und kassiert die Prämie. Er gewinnt, wenn der Kurs ruhig bleibt, trägt aber bei großen Bewegungen ein sehr hohes, auf der Oberseite theoretisch unbegrenztes Risiko. Eine günstigere Variante des Long Straddle ist der Strangle: Dabei werden Call und Put mit unterschiedlichen Basispreisen außerhalb des aktuellen Kurses gekauft. Er kostet weniger, braucht aber eine noch größere Bewegung.
Fazit
Der Straddle ist eine Wette auf Bewegung statt auf Richtung. Er eignet sich für Situationen, in denen ein großer Kurssprung erwartet wird, wird aber oft durch hohe Optionspreise vor dem Ereignis teuer. Wie der Handel mit Optionen praktisch abläuft, erklärt der Ratgeber Optionen handeln.
Fragen und Antworten
Was ist ein Straddle?
Der gleichzeitige Kauf einer Call- und einer Put-Option mit gleichem Basispreis und Verfallstag.
Wann lohnt sich ein Straddle?
Wenn sich der Kurs stärker bewegt als die gezahlte Gesamtprämie, egal in welche Richtung.
Was ist der maximale Verlust beim Long Straddle?
Die gezahlte Prämie für Call und Put.
Was ist der Unterschied zwischen Straddle und Strangle?
Beim Straddle haben Call und Put denselben Basispreis, beim Strangle unterschiedliche Basispreise außerhalb des aktuellen Kurses.
Quellen
- Options Industry Council, Long Straddle – optionseducation.org
- Eurex, Optionen – eurex.com
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.