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Iron Condor: Optionsstrategie für Seitwärtsmärkte mit begrenztem Risiko

von FNE-Redaktion

Ein Iron Condor ist eine Optionsstrategie aus vier Optionen, die auf einen ruhigen Markt setzt. Der Anleger verkauft einen Put und einen Call, die beide aus dem Geld liegen, und kauft zur Absicherung jeweils eine weiter entfernte Option derselben Art. Bleibt der Basiswert bis zum Verfall zwischen den beiden verkauften Basispreisen, verfallen alle Optionen wertlos, und die eingenommene Nettoprämie ist der Gewinn. Bewegt er sich stark in eine Richtung, ist der Verlust durch die gekauften Optionen begrenzt.

Definition: Vier Optionen, zwei Spreads

Der Iron Condor lässt sich als Kombination zweier Kreditspreads verstehen, die gleichzeitig eröffnet werden und denselben Verfallstermin haben:

  • Bull Put Spread: Verkauf eines Puts mit höherem Basispreis, Kauf eines Puts mit niedrigerem Basispreis. Dieser Teil verliert bei fallenden Kursen.
  • Bear Call Spread: Verkauf eines Calls mit niedrigerem Basispreis, Kauf eines Calls mit höherem Basispreis. Dieser Teil verliert bei steigenden Kursen.

Die verkauften Optionen bilden den Körper, die gekauften die Flügel, daher der Name nach dem Vogel mit großer Spannweite. Die Grundlagen der einzelnen Bausteine stehen in den Beiträgen zum Short Put und zum Short Call. Werden die beiden verkauften Optionen auf denselben Basispreis gelegt, entsteht ein Iron Butterfly mit höherer Prämie, aber schmalerer Gewinnzone.

Formeln: Gewinn, Verlust und Gewinnschwellen

Bei gleich breiten Flügeln gelten am Verfallstag folgende Zusammenhänge:

KennzahlFormel
NettoprämiePrämien der verkauften Optionen − Prämien der gekauften Optionen
Maximaler GewinnNettoprämie
Maximaler VerlustFlügelbreite − Nettoprämie
Untere GewinnschwelleBasispreis Short Put − Nettoprämie
Obere GewinnschwelleBasispreis Short Call + Nettoprämie

Sind die Flügel unterschiedlich breit, bestimmt die breitere Seite den maximalen Verlust. Da der Kurs am Verfall nur auf einer Seite liegen kann, droht der Verlust immer nur auf einem der beiden Spreads, nie auf beiden gleichzeitig. Viele Broker verlangen deshalb nur für eine Seite Sicherheiten.

Beispiel mit Zahlen

Die fiktive Vellmar Software AG notiert bei 118,40 €. Ein Anleger erwartet für die nächsten Wochen eine Seitwärtsbewegung und eröffnet einen Iron Condor mit Flügeln von je 4 €. Ein Kontrakt umfasst 100 Aktien.

BeinBasispreisPrämie je Aktie
Put kaufen100 €−0,58 €
Put verkaufen104 €+1,21 €
Call verkaufen132 €+1,34 €
Call kaufen136 €−0,63 €
Nettoprämie+1,34 €

Die Nettoprämie beträgt 134 € je Kontrakt. Der maximale Verlust liegt bei 4 € − 1,34 € = 2,66 €, also 266 €. Die Gewinnschwellen liegen bei 102,66 € und 133,34 €. Der Kurs darf damit um gut 13 % fallen oder um gut 12,6 % steigen, bevor am Verfall ein Verlust entsteht.

Kurs am VerfallErgebnis je Kontrakt
96,00 €−266 €
101,50 €−116 €
102,66 €0 €
104,00 € bis 132,00 €+134 €
133,34 €0 €
134,80 €−146 €
140,00 €−266 €

Das Verhältnis von möglichem Gewinn zu möglichem Verlust liegt bei etwa 1 zu 2. Das ist typisch: Eine breite Gewinnzone wird mit einem ungünstigen Chance-Risiko-Verhältnis bezahlt. Ob sich die Strategie rechnet, hängt davon ab, wie oft der Kurs tatsächlich in der Spanne bleibt, und nicht von der Höhe der Prämie allein.

Wie Zeit und Volatilität wirken

Vor dem Verfall wird ein Iron Condor zu Marktpreisen bewertet. Zwei Einflüsse dominieren. Erstens arbeitet die Zeit für den Verkäufer: Mit jedem Tag sinkt der Zeitwert der verkauften Optionen, besonders in den letzten Wochen vor dem Verfall. Zweitens arbeitet steigende Volatilität gegen ihn. Nimmt die erwartete Schwankung zu, etwa vor Quartalszahlen oder in einer Marktkorrektur mit steigendem VIX, verteuern sich alle vier Optionen, die verkauften aber stärker. Die Position gerät dann ins Minus, selbst wenn der Kurs noch in der Mitte steht.

Viele Anwender eröffnen Iron Condors deshalb eher, wenn die implizite Volatilität hoch ist und ein Rückgang erwartet wird, und schließen sie vor dem Verfall, sobald ein Großteil der Prämie verdient ist. Das letzte Stück Prämie bringt wenig zusätzlichen Ertrag, aber das volle Risiko eines späten Ausbruchs.

Bedeutung für Anleger

Der Iron Condor ist die Gegenposition zu Strategien, die auf große Bewegungen setzen, etwa dem gekauften Straddle oder Strangle. Gegenüber einem verkauften Strangle hat er einen entscheidenden Vorteil: Das Verlustrisiko ist von vornherein begrenzt und bekannt. Dafür fällt die Prämie geringer aus, weil die gekauften Flügel Geld kosten. Für Anleger, die bereits mit Optionen vertraut sind, ist er ein Werkzeug, um Seitwärtsphasen zu nutzen. Wer neu einsteigt, findet die Grundlagen unter Optionen handeln.

Grenzen und Risiken

  • Vier Transaktionen: Jedes Bein kostet Gebühren und Spread. Bei engen Flügeln und kleinen Prämien können die Kosten einen großen Teil des möglichen Gewinns aufzehren.
  • Vorzeitige Ausübung: Bei amerikanischen Optionen kann eine verkaufte Option vor dem Verfall ausgeübt werden. Dann entsteht kurzfristig eine Aktienposition, die gesondert gesteuert werden muss.
  • Pin-Risiko: Liegt der Kurs am Verfallstag genau an einem verkauften Basispreis, ist unklar, ob ausgeübt wird. Über das Wochenende kann eine ungewollte Position offen bleiben.
  • Kurssprünge: Unternehmensnachrichten, Übernahmen oder Sonderdividenden können den Kurs abrupt aus der Spanne treiben.
  • Ungünstiges Verhältnis: Wenige Verlustphasen können die Gewinne vieler ruhiger Monate auslöschen.

Fazit

Der Iron Condor verkauft einen Put-Spread und einen Call-Spread gleichzeitig und verdient, wenn der Basiswert ruhig bleibt. Gewinn und Verlust sind von Anfang an begrenzt und lassen sich mit einfachen Formeln berechnen. Die Strategie profitiert vom Zeitwertverfall und leidet unter steigender Volatilität. Der Preis für die breite Gewinnzone ist ein Chance-Risiko-Verhältnis, bei dem ein einzelner Verlust mehrere Gewinne kosten kann.

Fragen und Antworten

Was ist ein Iron Condor?

Eine Optionsstrategie aus einem verkauften Put-Spread und einem verkauften Call-Spread mit gleichem Verfall. Sie gewinnt, wenn der Basiswert zwischen den verkauften Basispreisen bleibt.

Wie hoch ist der maximale Verlust?

Flügelbreite minus Nettoprämie, multipliziert mit der Kontraktgröße. Bei unterschiedlich breiten Flügeln zählt die breitere Seite.

Wann ist ein Iron Condor sinnvoll?

Wenn ein Anleger eine Seitwärtsbewegung erwartet und die implizite Volatilität eher hoch ist. Bei erwarteten großen Kursbewegungen ist er ungeeignet.

Was ist der Unterschied zum Iron Butterfly?

Beim Iron Butterfly liegen Short Put und Short Call auf demselben Basispreis. Die Prämie ist höher, die Gewinnzone aber deutlich schmaler.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.

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