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Strangle: Optionsstrategie für große Kursbewegungen

von FNE-Redaktion

Ein Strangle ist eine Optionsstrategie, bei der gleichzeitig ein Call und ein Put auf denselben Basiswert mit gleicher Fälligkeit, aber unterschiedlichen Basispreisen gekauft oder verkauft werden. In der gekauften Form, dem Long Strangle, setzt der Anleger auf eine große Kursbewegung, ohne sich auf eine Richtung festzulegen. Beide Optionen liegen dabei üblicherweise aus dem Geld: der Call oberhalb, der Put unterhalb des aktuellen Kurses.

Aufbau eines Long Strangle

Der Long Strangle besteht aus einem gekauften Call mit höherem Basispreis und einem gekauften Put mit niedrigerem Basispreis. Weil beide Optionen aus dem Geld liegen, ist die Gesamtprämie niedriger als beim Straddle, bei dem beide Optionen denselben Basispreis am Geld haben. Der Preis für die günstigere Absicherung: Der Kurs muss sich weiter bewegen, bevor die Strategie Gewinn abwirft. Grundlagen zu den Einzelbausteinen stehen in den Beiträgen zur Call-Option und zur Put-Option.

Gewinnschwellen und Auszahlung

  • Obere Gewinnschwelle = Basispreis des Calls + gezahlte Gesamtprämie
  • Untere Gewinnschwelle = Basispreis des Puts − gezahlte Gesamtprämie
  • Maximaler Verlust = gezahlte Gesamtprämie, wenn der Kurs zum Verfall zwischen den beiden Basispreisen liegt
  • Gewinnpotenzial nach oben theoretisch unbegrenzt, nach unten bis zum Basispreis des Puts abzüglich Prämie

Ein Rechenbeispiel

Die Aktie der fiktiven Lindqvist AG notiert bei 81,20 Euro, kurz vor der Vorlage wichtiger Studiendaten. Ein Anleger kauft einen Call mit Basispreis 88 Euro für 2,35 Euro und einen Put mit Basispreis 74 Euro für 1,95 Euro, beide mit gleicher Fälligkeit und auf je 100 Aktien. Die Gesamtprämie beträgt 4,30 Euro je Aktie oder 430 Euro. Die Gewinnschwellen liegen bei 92,30 Euro und 69,70 Euro.

Kurs zum VerfallWert CallWert PutErgebnis je Kontrakt
97,60 €9,60 €0,00 €+530 €
92,30 €4,30 €0,00 €0 €
79,00 €0,00 €0,00 €−430 €
69,70 €0,00 €4,30 €0 €
66,10 €0,00 €7,90 €+360 €

Zum Vergleich ein Straddle mit Basispreis 81 Euro: Bei angenommenen Prämien von 4,90 Euro für den Call und 4,40 Euro für den Put kostet er 9,30 Euro je Aktie. Seine Gewinnschwellen liegen bei 90,30 und 71,70 Euro, also näher am Kurs. Dafür ist der Einsatz mehr als doppelt so hoch, und bei einem Verfallskurs nahe 81 Euro ist der Verlust größer.

Der Short Strangle

Wer beide Optionen verkauft, nimmt die Prämie ein und setzt darauf, dass der Kurs bis zum Verfall zwischen den Basispreisen bleibt. Der Gewinn ist auf die eingenommene Prämie begrenzt, das Verlustrisiko dagegen bei steigenden Kursen theoretisch unbegrenzt und bei fallenden Kursen sehr hoch. Short Strangles erfordern Sicherheitsleistungen beim Broker und sind für unerfahrene Anleger ungeeignet. Ein plötzlicher Kurssprung kann die Einnahmen vieler Monate in einem Schritt aufzehren.

Die Rolle der Volatilität

Der Preis eines Strangle hängt stark von der erwarteten Schwankungsbreite ab, der impliziten Volatilität. Vor angekündigten Ereignissen wie Quartalszahlen oder Zulassungsentscheidungen ist sie meist erhöht, die Optionen sind entsprechend teuer. Nach dem Ereignis sinkt sie oft schlagartig. Selbst wenn sich der Kurs bewegt, kann der Wertverlust durch die fallende Volatilität den Gewinn aus der Bewegung aufzehren. Für Indizes zeigt der VIX, wie hoch die erwartete Schwankung am US-Markt gerade bewertet wird.

Bedeutung für Anleger

Der Long Strangle eignet sich für Situationen, in denen eine große Bewegung wahrscheinlich, die Richtung aber offen ist. Er ist günstiger als ein Straddle, verlangt aber eine stärkere Bewegung. Entscheidend ist der Vergleich zwischen der erwarteten Bewegung und den Gewinnschwellen: Liegt die vom Markt eingepreiste Spanne bereits über der eigenen Erwartung, ist die Strategie zu teuer. Wie Optionen an der Börse gehandelt werden, beschreibt der Beitrag Optionen handeln.

Grenzen und Risiken

Beim Long Strangle ist der Totalverlust der Prämie das häufigste Ergebnis, wenn der Kurs ruhig bleibt. Der Zeitwertverfall arbeitet täglich gegen den Käufer, besonders in den letzten Wochen vor Fälligkeit. Breite Spannen zwischen Geld- und Briefkurs bei Optionen weit aus dem Geld verteuern den Einstieg zusätzlich. Beim Short Strangle sind die Risiken asymmetrisch und können den Kontostand deutlich übersteigen.

Wahl der Basispreise und der Laufzeit

Je weiter die Basispreise vom aktuellen Kurs entfernt liegen, desto billiger wird der Strangle und desto größer muss die Bewegung ausfallen. Händler orientieren sich häufig an der vom Markt eingepreisten Bewegung, die sich näherungsweise aus dem Preis eines Straddle am Geld ablesen lässt. Im Beispiel kostet dieser 9,30 Euro, der Markt erwartet also eine Bewegung von rund 11 Prozent bis zum Verfall. Die Basispreise des Strangle liegen bei etwa minus 9 und plus 8 Prozent, die Gewinnschwellen bei rund minus 14 und plus 14 Prozent. Der Käufer setzt somit darauf, dass die tatsächliche Bewegung die Erwartung des Marktes klar übertrifft.

Bei der Laufzeit gilt: Kurze Optionen sind günstiger, verlieren aber schneller an Zeitwert. Längere Laufzeiten geben der erwarteten Bewegung mehr Zeit, kosten jedoch mehr. Viele Händler schließen einen Long Strangle unmittelbar nach dem erwarteten Ereignis, statt bis zum Verfall zu warten.

Steuerlich gelten Gewinne und Verluste aus Optionsgeschäften in Deutschland als Kapitalerträge; die Verrechnung von Termingeschäftsverlusten war zeitweise begrenzt, diese Beschränkung wurde jedoch wieder aufgehoben.

Fazit

Ein Strangle verbindet einen Call und einen Put mit unterschiedlichen Basispreisen. Gekauft ist er eine vergleichsweise günstige Wette auf eine große Bewegung in beliebige Richtung, verkauft eine Wette auf Ruhe mit hohem Risiko. Gewinnschwellen, Volatilität und Zeitwert entscheiden über den Erfolg.

Fragen und Antworten

Was ist ein Strangle?

Die Kombination aus Call und Put auf denselben Basiswert mit gleicher Fälligkeit, aber unterschiedlichen Basispreisen, meist beide aus dem Geld.

Was ist der Unterschied zwischen Strangle und Straddle?

Beim Straddle haben Call und Put denselben Basispreis, beim Strangle unterschiedliche. Der Strangle ist günstiger, braucht aber eine größere Kursbewegung.

Wie hoch ist der maximale Verlust beim Long Strangle?

Er entspricht der gezahlten Gesamtprämie und tritt ein, wenn der Kurs zum Verfall zwischen den beiden Basispreisen liegt.

Wann wird ein Short Strangle eingesetzt?

Wenn ein Händler erwartet, dass der Kurs in einer Spanne bleibt. Das Risiko bei starken Bewegungen ist jedoch sehr hoch.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.

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