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Earnings Yield: Die Gewinnrendite einer Aktie berechnen

von FNE-Redaktion

Die Earnings Yield, auf Deutsch Gewinnrendite, gibt an, wie viel Gewinn ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem Börsenkurs erwirtschaftet. Sie wird in Prozent angegeben und ist der Kehrwert des Kurs-Gewinn-Verhältnisses. Ein KGV von 20 entspricht damit einer Gewinnrendite von 5 Prozent. Der Vorteil dieser Darstellung: Die Kennzahl lässt sich direkt mit Zinsen und Anleiherenditen vergleichen, die ebenfalls in Prozent angegeben werden.

Die Formel

Die Grundformel lautet: Earnings Yield = Gewinn je Aktie ÷ Aktienkurs × 100. Auf Unternehmensebene ergibt sich dasselbe Ergebnis, wenn der Jahresüberschuss durch die Marktkapitalisierung geteilt wird. Für den Gewinn je Aktie gilt in der Rechnungslegung nach IFRS der Standard IAS 33, der festlegt, wie das Ergebnis auf die durchschnittlich ausstehenden Aktien verteilt und wie verwässernde Effekte etwa aus Wandelanleihen berücksichtigt werden.

Je nach Zeitbezug unterscheidet man die historische Gewinnrendite auf Basis des letzten Geschäftsjahres, die Variante auf Basis der letzten zwölf Monate und die erwartete Gewinnrendite auf Basis von Prognosen. Für Vergleiche ist wichtig, immer dieselbe Variante zu verwenden.

Rechenbeispiele

Ein fiktives Unternehmen meldet einen verwässerten Gewinn je Aktie von 3,74 Euro, die Aktie notiert bei 61,30 Euro. Die Gewinnrendite beträgt 3,74 ÷ 61,30 = 6,10 Prozent. Das KGV liegt entsprechend bei rund 16,4. Der Vergleich mit zwei weiteren fiktiven Werten zeigt, wie sich die Kennzahl unterscheidet:

UnternehmenGewinn je AktieKursEarnings YieldKGV
Aldhaus AG3,74 €61,30 €6,10 %16,4
Brettner SE2,18 €49,60 €4,40 %22,8
Corvana AG5,05 €58,20 €8,68 %11,5

Auf den ersten Blick wirkt die Corvana AG am günstigsten, weil sie je investiertem Euro den meisten Gewinn ausweist. Ob das gerechtfertigt ist, hängt von Wachstum, Verschuldung und Stabilität der Gewinne ab. Ein Unternehmen mit hoher Gewinnrendite kann schlicht in einer Branche mit schwankenden Erträgen tätig sein.

Vergleich mit Anleiherenditen

Die Gewinnrendite wird häufig der Rendite von Staatsanleihen gegenübergestellt. Die Differenz wird als Risikoprämie der Aktie interpretiert: Liegt die Gewinnrendite deutlich über der Anleiherendite, erhalten Aktionäre einen Aufschlag für das höhere Risiko. Bei einer angenommenen Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von 2,70 Prozent hätte die Aldhaus AG einen Abstand von 3,40 Prozentpunkten. Diese Gegenüberstellung wird oft als „Fed-Modell“ bezeichnet. Aktuelle Renditen deutscher Staatsanleihen veröffentlicht die Deutsche Bundesbank in ihrer Zinsstatistik.

Der Vergleich hat eine methodische Schwäche: Anleihezinsen sind nominal und fest, Unternehmensgewinne dagegen wachsen im Idealfall mit der Inflation mit. Die Gewinnrendite ähnelt daher eher einer realen Größe. Für den Gesamtmarkt glättet das Shiller-KGV konjunkturelle Schwankungen über zehn Jahre; sein Kehrwert ergibt eine langfristige Gewinnrendite des Index.

Die Variante mit EBIT und Unternehmenswert

Eine erweiterte Form setzt das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ins Verhältnis zum Enterprise Value, also Marktkapitalisierung plus Nettoverschuldung. Diese Variante macht Unternehmen mit unterschiedlicher Verschuldung und Steuerlast besser vergleichbar. Beispiel: Ein Konzern mit einem EBIT von 412 Millionen Euro und einem Unternehmenswert von 5.180 Millionen Euro kommt auf eine Gewinnrendite von 7,95 Prozent. Ein Unternehmen, das sich stark über Kredite finanziert, wirkt nach der klassischen Formel oft günstiger, als es nach dieser Rechnung ist.

Bedeutung für Anleger

  • Die Gewinnrendite erleichtert den Vergleich von Aktien mit Zinsanlagen und anderen Renditegrößen wie der Dividendenrendite.
  • Sie lässt sich auch bei negativen Gewinnen sinnvoll darstellen, nämlich als negative Prozentzahl, während das KGV dann nicht aussagekräftig ist.
  • Die Differenz zwischen Gewinnrendite und Dividendenrendite zeigt, welcher Teil des Gewinns im Unternehmen verbleibt.
  • Kombiniert mit Wachstumskennzahlen wie dem PEG-Ratio oder der Eigenkapitalrendite entsteht ein vollständigeres Bild.

Grenzen und Risiken

Die Gewinnrendite ist keine tatsächliche Auszahlung. Sie beruht auf dem Buchgewinn, der durch Sondereffekte, Abschreibungen oder Bilanzierungsentscheidungen beeinflusst wird. Eine hohe Gewinnrendite kann ein Warnsignal sein, wenn der Markt sinkende Gewinne erwartet. Bei zyklischen Unternehmen ist sie am Höhepunkt des Zyklus oft am höchsten, kurz bevor die Gewinne einbrechen. Prognosebasierte Werte hängen zudem von Schätzungen ab, die sich schnell ändern können.

Gewinnrendite und Zinsniveau im Zeitverlauf

Die Gewinnrendite eines Index bewegt sich über die Jahre in einem breiten Band. In Phasen hoher Zinsen verlangen Anleger in der Regel eine höhere Gewinnrendite, Aktien werden mit niedrigeren KGVs bewertet. Sinken die Zinsen, akzeptiert der Markt oft niedrigere Gewinnrenditen, die Bewertungen steigen. Der Zusammenhang ist aber nicht mechanisch: Erwartungen an das Gewinnwachstum, die Inflation und die allgemeine Risikobereitschaft verschieben ihn ständig. Ein einfacher Rechenansatz verbindet Gewinnrendite und Wachstum: Erwartete Aktienrendite ≈ Gewinnrendite + reales Gewinnwachstum, sofern Bewertungen konstant bleiben. Bei einer Gewinnrendite von 6,10 Prozent und einem angenommenen realen Wachstum von 1,5 Prozent ergäbe sich eine rechnerische Realrendite von etwa 7,6 Prozent. Diese Faustformel liefert eine Größenordnung, keine Prognose.

Für den Vergleich zwischen Branchen gilt Vorsicht. Versorger, Banken und Versicherer weisen traditionell höhere Gewinnrenditen auf als Software- oder Medizintechnikunternehmen, weil der Markt ihnen weniger Wachstum zutraut oder ihre Gewinne als stärker reguliert ansieht. Ein sinnvoller Vergleich stellt daher Unternehmen derselben Branche nebeneinander oder vergleicht ein Unternehmen mit seiner eigenen Historie über mehrere Jahre. Ergänzend lohnt der Blick darauf, ob der Gewinn durch Aktienrückkäufe je Aktie steigt, obwohl der Gesamtgewinn stagniert.

Fazit

Die Earnings Yield ist der Kehrwert des KGV und zeigt den Gewinn je Aktie in Prozent des Kurses. Ihre Stärke liegt im direkten Vergleich mit Zinsen und zwischen Unternehmen. Für eine fundierte Bewertung braucht sie Ergänzung durch Wachstums-, Schulden- und Qualitätskennzahlen.

Fragen und Antworten

Wie berechnet man die Earnings Yield?

Gewinn je Aktie geteilt durch den Aktienkurs, multipliziert mit 100. Alternativ Jahresüberschuss geteilt durch Marktkapitalisierung.

Was ist eine gute Gewinnrendite?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Aussagekräftig ist der Vergleich mit Branchenwerten, der eigenen Historie und dem aktuellen Zinsniveau.

Wie hängen Earnings Yield und KGV zusammen?

Die Earnings Yield ist der Kehrwert des KGV. Ein KGV von 25 entspricht 4 Prozent, ein KGV von 10 entspricht 10 Prozent.

Ist die Gewinnrendite das Gleiche wie die Dividendenrendite?

Nein. Die Dividendenrendite misst nur den ausgeschütteten Teil, die Gewinnrendite den gesamten Gewinn im Verhältnis zum Kurs.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.

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