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LEAPS: Optionen mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren

von FNE-Redaktion

LEAPS sind Optionen mit besonders langer Laufzeit. Die Abkürzung steht für „Long-Term Equity AnticiPation Securities“, ein Markenname der US-Optionsbörse Cboe. Während gewöhnliche Aktienoptionen meist nach wenigen Wochen oder Monaten verfallen, laufen LEAPS bis zu 39 Monate ab dem Tag ihrer Einführung. Rechtlich und technisch handelt es sich um ganz normale Calls und Puts; der Unterschied liegt allein in der Zeitspanne bis zum Verfall und den Folgen, die diese für Preis und Verhalten der Option hat.

Wie LEAPS aufgebaut sind

Nach den Produktspezifikationen der Cboe verfallen Aktien-LEAPS ausschließlich im Januar. Ein Kontrakt bezieht sich in der Regel auf 100 Aktien, Prämien werden pro Aktie notiert. Die Optionen sind amerikanischen Typs und können damit an jedem Börsentag bis zum Verfall ausgeübt werden. Wird ausgeübt, erfolgt die Lieferung der Aktien in der Regel am dritten Geschäftstag danach. Sobald die Restlaufzeit unter die Spanne der regulären Serien fällt, werden LEAPS wie gewöhnliche Optionen der gleichen Fälligkeit behandelt.

Das Prinzip unterscheidet sich nicht von kürzeren Kontrakten: Ein Call gibt das Recht, den Basiswert zum Basispreis zu kaufen, ein Put das Recht, ihn zu verkaufen. Die Details erklären die Beiträge zur Call-Option und zur Put-Option. An der Eurex gibt es für viele Aktien und Indizes ebenfalls lange Laufzeiten, dort aber ohne den Markennamen LEAPS.

Warum die lange Laufzeit den Preis verändert

Der Preis einer Option setzt sich aus innerem Wert und Zeitwert zusammen. Bei einer Laufzeit von zwei bis drei Jahren ist der Zeitwert hoch, weil der Kurs des Basiswerts bis zum Verfall noch weit wandern kann. Gleichzeitig sinkt dieser Zeitwert anfangs nur langsam. Der typische, sich beschleunigende Wertverfall setzt erst in den letzten Monaten vor Fälligkeit ein. Hinzu kommt, dass bei langen Laufzeiten Zinsen und erwartete Dividenden einen spürbaren Einfluss auf die Prämie haben: Höhere Zinsen verteuern Calls, erwartete Dividenden verbilligen sie.

Ein Beispiel mit Zahlen

Die fiktive Nordwerk AG notiert bei 63,40 US-Dollar. Ein Anleger erwartet über zwei Jahre steigende Kurse und vergleicht zwei Wege: den direkten Kauf von 100 Aktien für 6.340 Dollar oder den Kauf eines LEAPS-Calls mit Basispreis 60 Dollar und Fälligkeit im Januar 2029 zu einer Prämie von 14,85 Dollar je Aktie, also 1.485 Dollar je Kontrakt. Der innere Wert des Calls beträgt 3,40 Dollar, der Zeitwert 11,45 Dollar. Die Gewinnschwelle zur Fälligkeit liegt bei 74,85 Dollar.

Kurs zur Fälligkeit100 Aktien: ErgebnisLEAPS-Call: Ergebnis
88,70 $+2.530 $ (+39,9 %)+1.385 $ (+93,3 %)
74,85 $+1.145 $ (+18,1 %)0 $ (Gewinnschwelle)
57,10 $−630 $ (−9,9 %)−1.485 $ (−100 %)

Das Beispiel zeigt den Hebel: Bei kräftig steigenden Kursen fällt die prozentuale Rendite des Calls deutlich höher aus, obwohl der absolute Gewinn kleiner ist. Bleibt der Kurs unter dem Basispreis, verfällt die Option wertlos, während die Aktie nur einen moderaten Verlust zeigt. Dividenden stehen zudem nur dem Aktionär zu.

Wofür Anleger LEAPS nutzen

  • Aktienersatz mit begrenztem Kapitaleinsatz: Ein Call im Geld bildet die Kursentwicklung einer Aktie teilweise nach, bindet aber weniger Kapital.
  • Langfristige Absicherung: Ein LEAPS-Put kann ein Depot über ein bis zwei Jahre gegen starke Kursrückgänge schützen, ohne dass die Absicherung alle paar Wochen erneuert werden muss.
  • Kombinationen: Erfahrene Händler kaufen einen langen Call und verkaufen fortlaufend kurze Calls darauf, um Prämien zu vereinnahmen. Diese Strategie ist komplex und setzt Erfahrung im Optionshandel voraus.

Grenzen und Risiken

Der Totalverlust der Prämie ist möglich, wenn der Kurs am Verfallstag ungünstig steht. Lange Laufzeiten sind häufig weniger liquide als kurze; die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs kann daher breit ausfallen. Sinkt die erwartete Schwankungsbreite des Marktes, verliert die Option an Wert, selbst wenn der Kurs des Basiswerts unverändert bleibt. Wer in Euro rechnet, trägt bei US-LEAPS zusätzlich ein Währungsrisiko. Die Optionsrisikoschrift der Options Clearing Corporation beschreibt diese Punkte ausführlich und ist für den Handel an US-Börsen Pflichtlektüre.

Die Wahl des Basispreises

Bei LEAPS-Calls entscheidet der Basispreis darüber, wie sich die Position verhält. Ein Call tief im Geld besteht überwiegend aus innerem Wert und bewegt sich fast im Gleichschritt mit der Aktie; der Hebel ist gering, der Zeitwertanteil klein. Ein Call am Geld bietet mehr Hebel, enthält aber einen hohen Zeitwert, der bis zum Verfall vollständig verloren geht. Ein Call weit aus dem Geld ist billig, verfällt aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wertlos. Wie stark der Optionspreis auf eine Kursänderung des Basiswerts reagiert, misst das Delta: Ein Delta von 0,80 bedeutet, dass die Option bei einem Kursanstieg um einen Dollar etwa 80 Cent gewinnt.

Auch der Verfallstermin spielt eine Rolle. Viele Händler verkaufen oder rollen LEAPS, sobald die Restlaufzeit unter etwa ein Jahr fällt, um den beschleunigten Zeitwertverlust der letzten Monate zu vermeiden. Den Ablauf an Verfallstagen beschreibt der Beitrag zum Hexensabbat.

Für Puts gilt die Logik spiegelbildlich: Ein LEAPS-Put mit Basispreis nahe dem aktuellen Kurs schützt umfassend, kostet aber viel; ein Put deutlich darunter ist günstiger und greift erst bei größeren Verlusten.

Fazit

LEAPS sind Calls und Puts mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren und Verfall im Januar. Ihr hoher Zeitwert macht sie teurer als kurze Optionen, dafür verlieren sie anfangs langsamer an Wert. Sie eignen sich für langfristige Erwartungen oder Absicherungen, bergen aber wie jede gekaufte Option das Risiko, dass der gesamte Einsatz verloren geht.

Fragen und Antworten

Was bedeutet LEAPS?

LEAPS steht für „Long-Term Equity AnticiPation Securities“. Gemeint sind börsengehandelte Optionen mit Laufzeiten von bis zu 39 Monaten.

Wann verfallen LEAPS?

Aktien-LEAPS an der Cboe verfallen nur im Januar, am Verfallstag der regulären Januar-Serie.

Sind LEAPS günstiger als Aktien?

Der Kapitaleinsatz ist niedriger, die Option kostet aber Zeitwert. Steigt der Kurs nicht ausreichend, ist der Verlust prozentual höher als bei der Aktie.

Erhält man mit einem LEAPS-Call Dividenden?

Nein. Dividenden erhält nur, wer die Aktie selbst besitzt. Erwartete Ausschüttungen sind im Preis des Calls bereits berücksichtigt.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.

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