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Call-Option: Recht auf Kauf zum festen Preis

von FNE-Redaktion

Eine Call-Option gibt ihrem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, einen bestimmten Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen, entweder bis zu einem Verfallstermin oder genau an diesem Tag. Für dieses Recht zahlt der Käufer dem Verkäufer eine Prämie. Steigt der Kurs des Basiswerts deutlich über den vereinbarten Preis, gewinnt die Option an Wert. Bleibt er darunter, verfällt sie wertlos und der Käufer verliert die gezahlte Prämie.

Die Call-Option ist das Gegenstück zur Put-Option, die ein Verkaufsrecht verbrieft. Wie der Handel an Terminbörsen grundsätzlich abläuft und welche Voraussetzungen Broker stellen, erklärt der Beitrag Optionen handeln. Hier geht es um die Käuferseite, den sogenannten Long Call.

Die wichtigsten Begriffe

BegriffBedeutung
BasiswertAktie, Index oder anderes Instrument, auf das sich die Option bezieht, mehr dazu im Beitrag zum Basiswert
Basispreis (Strike)Preis, zu dem gekauft werden darf
PrämiePreis der Option, den der Käufer zahlt
Verfallstagletzter Tag, an dem das Recht besteht
KontraktgrößeZahl der Aktien je Kontrakt, bei US-Aktienoptionen meist 100
innerer WertKurs des Basiswerts minus Basispreis, mindestens null
ZeitwertPrämie minus innerer Wert

Gewinn und Verlust beim Kauf

Am Verfallstag hängt das Ergebnis eines Long Call nur vom Kurs des Basiswerts ab:

Kurs am VerfallErgebnis je Aktie
unter oder gleich dem BasispreisVerlust der vollen Prämie
zwischen Basispreis und Basispreis plus PrämieTeilverlust
genau Basispreis plus PrämieGewinnschwelle (Break-even)
darüberGewinn, nach oben theoretisch unbegrenzt

Der maximale Verlust ist also auf die Prämie begrenzt, der mögliche Gewinn nicht.

Ein Rechenbeispiel

Die fiktive Aktie der Marlowe Systems notiert bei 71,85 $. Ein Anleger kauft eine Call-Option mit Basispreis 75 $ und drei Monaten Laufzeit für eine Prämie von 2,63 $ je Aktie. Bei 100 Aktien je Kontrakt kostet die Option 263 $. Die Gewinnschwelle liegt bei 75 + 2,63 = 77,63 $.

Zum Vergleich kauft ein zweiter Anleger direkt 100 Aktien für 7.185 $.

Kurs am VerfallWert der OptionErgebnis Callin % der PrämieErgebnis 100 Aktienin % des Einsatzes
68,20 $0 $−263 $−100 %−365 $−5,08 %
74,10 $0 $−263 $−100 %+225 $+3,13 %
77,63 $263 $0 $0 %+578 $+8,04 %
79,90 $490 $+227 $+86,3 %+805 $+11,20 %
82,40 $740 $+477 $+181,4 %+1.055 $+14,68 %
88,15 $1.315 $+1.052 $+400,0 %+1.630 $+22,69 %

Die Tabelle zeigt den Hebel: Bei 82,40 $ verdient der Optionskäufer rund 181 % auf seinen Einsatz, der Aktionär knapp 15 %. Gleichzeitig steht der Optionskäufer bei 74,10 $ mit Totalverlust da, obwohl die Aktie gestiegen ist. Der Aktionär liegt dort im Plus.

Was den Preis einer Call-Option bestimmt

Mehrere Faktoren beeinflussen die Prämie. Für Calls gilt:

  • Kurs des Basiswerts: Steigt er, steigt der Call.
  • Basispreis: Je niedriger, desto teurer der Call.
  • Restlaufzeit: Längere Laufzeit bedeutet mehr Zeitwert.
  • Volatilität: Höhere erwartete Schwankungen verteuern Calls.
  • Zinsen: Höhere Zinsen erhöhen den Wert eines Calls leicht, weil der Kaufpreis erst später gezahlt wird.
  • Dividenden: Erwartete Ausschüttungen senken den Wert, weil der Aktienkurs am Ex-Tag um die Dividende fällt.

Die Kennzahl Delta gibt an, um wie viel sich der Call ungefähr verändert, wenn der Basiswert um eine Einheit steigt. Ein Call am Geld hat ein Delta von etwa 0,5. Die Kennzahl Theta beschreibt den täglichen Verlust an Zeitwert, der sich zum Verfall hin beschleunigt.

Wofür Anleger Calls nutzen

  • Spekulation auf steigende Kurse mit begrenztem Kapitaleinsatz und begrenztem Verlust.
  • Kaufpreis sichern: Wer in einigen Monaten Geld für einen Aktienkauf erwartet, kann sich über einen Call einen Höchstpreis sichern.
  • Absicherung von Leerverkäufen: Wer eine Aktie leerverkauft hat, begrenzt mit einem Call das Risiko eines starken Anstiegs, etwa bei einem Short Squeeze.
  • Kombinationen: Calls sind Bestandteil von Strategien wie dem Straddle, bei dem gleichzeitig ein Put gekauft wird.

Die Verkäuferseite

Wer einen Call verkauft (Short Call), erhält die Prämie und verpflichtet sich, den Basiswert bei Ausübung zum Basispreis zu liefern. Ohne eigenen Aktienbestand ist das Verlustrisiko theoretisch unbegrenzt. Mit eigenen Aktien im Depot spricht man vom Covered Call, der zusätzliche Erträge bringt, aber den Kursgewinn oberhalb des Basispreises abgibt.

Bedeutung für Anleger

Calls ermöglichen es, mit kleinem Einsatz an Kurssteigerungen teilzuhaben. Der Preis dafür ist der Zeitwertverlust: Die Aktie muss nicht nur steigen, sondern schnell und weit genug steigen. Statistisch verfallen viele Optionen, die aus dem Geld gekauft werden, wertlos. Wer Calls einsetzt, sollte deshalb nur einen kleinen Teil seines Vermögens dafür verwenden und Laufzeit und Basispreis bewusst wählen.

Laufzeit und Basispreis wählen

Ein Call tief im Geld verhält sich fast wie die Aktie selbst und enthält wenig Zeitwert. Ein Call weit aus dem Geld ist billig, braucht aber einen starken Anstieg. Kurze Laufzeiten verlieren besonders schnell an Wert, lange Laufzeiten sind teurer, lassen der erwarteten Entwicklung aber mehr Zeit. Optionen mit Laufzeiten von über einem Jahr werden in den USA als LEAPS bezeichnet.

Grenzen und Risiken

Der Totalverlust der Prämie ist bei Optionen kein Ausnahmefall, sondern ein häufiges Ergebnis. Hinzu kommen Spreads zwischen An- und Verkaufskurs, die bei wenig gehandelten Serien beträchtlich sein können. Nach Quartalszahlen fällt oft die implizite Volatilität, sodass ein Call trotz steigender Aktie an Wert verlieren kann. Gewinne aus Optionsgeschäften unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer.

Fazit

Die Call-Option ist das Recht, einen Basiswert zu einem festen Preis zu kaufen. Der Käufer riskiert nur die Prämie, profitiert aber erst ab der Gewinnschwelle aus Basispreis plus Prämie. Der Hebel wirkt in beide Richtungen, und die Zeit arbeitet gegen den Käufer.

Fragen und Antworten

Was passiert mit einer Call-Option am Verfallstag?

Liegt der Kurs über dem Basispreis, wird sie ausgeübt oder bar abgerechnet. Liegt er darunter, verfällt sie wertlos.

Wie berechnet man die Gewinnschwelle eines Calls?

Basispreis plus gezahlte Prämie. Bei einem Basispreis von 75 $ und einer Prämie von 2,63 $ liegt sie bei 77,63 $.

Kann man mit einer Call-Option mehr verlieren als die Prämie?

Als Käufer nein. Der Verlust ist auf die gezahlte Prämie plus Gebühren begrenzt. Für Verkäufer eines Calls gilt das nicht.

Was ist der Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Calls?

Amerikanische Optionen können jederzeit bis zum Verfall ausgeübt werden, europäische nur am Verfallstag.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.

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