Greg Abel ist seit dem 1. Januar 2026 Präsident und Vorstandsvorsitzender (CEO) von Berkshire Hathaway. Der Kanadier übernahm die operative Führung des Konglomerats von Warren Buffett, der das Unternehmen fast sechs Jahrzehnte lang geprägt hatte. Abel gilt als Manager mit tiefem Verständnis für Energie- und Industriegeschäfte, der Berkshire seit über einem Vierteljahrhundert von innen kennt.
Wie die Übergabe an der Spitze im Einzelnen ablief und wie Buffett sein Vermögen aufbaute, beschreibt der Beitrag über Warren Buffett. Hier geht es um Abel selbst: seinen Werdegang, seine Aufgaben und die Prinzipien, die er für Berkshire formuliert hat.
Werdegang
Gregory Edward Abel wurde 1962 in Edmonton in der kanadischen Provinz Alberta geboren. Er studierte an der University of Alberta, schloss 1984 mit einem Bachelor in Rechnungswesen ab und wurde Wirtschaftsprüfer. Seine berufliche Laufbahn begann er bei Price Waterhouse, zunächst in Edmonton, später in San Francisco.
| Jahr | Station |
|---|---|
| 1984 | Abschluss an der University of Alberta, Einstieg bei Price Waterhouse |
| 1992 | Wechsel zum Energieunternehmen CalEnergy |
| 1999 | CalEnergy übernimmt MidAmerican Energy, Berkshire steigt mehrheitlich ein |
| 2008 | CEO von MidAmerican Energy Holdings |
| 2014 | Umbenennung in Berkshire Hathaway Energy |
| Januar 2018 | stellvertretender Vorsitzender für alle Geschäfte außerhalb der Versicherung, Einzug in den Verwaltungsrat |
| Mai 2025 | Verwaltungsrat bestimmt ihn einstimmig zum künftigen CEO |
| 1. Januar 2026 | Präsident und CEO von Berkshire Hathaway |
Unter seiner Führung wurde Berkshire Hathaway Energy zu einem der größten Strom- und Gasversorger der USA mit Netzen, Pipelines und einem großen Bestand an Wind- und Solaranlagen. Ab 2018 verantwortete er zusätzlich Bahn, Industrie, Handel und Konsumgüter, also den Großteil der operativen Tochterfirmen.
Der Weg an die Spitze
Buffett kündigte am 3. Mai 2025 auf der Hauptversammlung in Omaha an, dem Verwaltungsrat Abel als Nachfolger vorzuschlagen. Das Gremium stimmte am folgenden Tag einstimmig zu. Buffett blieb zunächst Vorsitzender des Verwaltungsrats. Im September 2026 gab er auch diesen Posten ab und wurde Ehrenvorsitzender. Den Vorsitz übernahm sein Sohn Howard Buffett, während Abel die Geschäfte führt.
Am 28. Februar 2026 veröffentlichte Abel seinen ersten Brief an die Aktionäre. Die Hauptversammlung am 2. Mai 2026 war die erste mit ihm als Konzernchef.
Die Grundsätze aus dem ersten Aktionärsbrief
Abel stellte in seinem Brief klar, dass Kultur und Werte von Berkshire unverändert bleiben sollen. Die wichtigsten Punkte:
- Dezentrale Führung: Die Chefs der Tochterfirmen behalten weitgehende Freiheit, die Holding greift nur bei Kapitalverteilung und Risikosteuerung ein.
- Kapitalverteilung: Investiert wird nur in Geschäfte, die Berkshire versteht, mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen und integrem Management. Kapital soll auf wenige Ideen mit hoher Überzeugung konzentriert werden.
- Aktienrückkäufe: Nur wenn der Kurs unter einem vorsichtig geschätzten inneren Wert liegt, damit verbleibende Aktionäre profitieren.
- Keine Dividende: Solange einbehaltene Gewinne voraussichtlich mehr als einen Dollar Marktwert je Dollar schaffen, wird nicht ausgeschüttet. Der Verwaltungsrat überprüft das jährlich.
- Verantwortung für das Aktienportfolio: Die Letztverantwortung liegt beim CEO, zudem übernahm Abel die Rolle des obersten Risikoverantwortlichen.
Zu den großen Beteiligungen zählen weiterhin Apple, American Express, Coca-Cola und die Ratingagentur Moody’s, deren Geschäftsmodell im Beitrag zum Credit Rating erklärt wird, sowie Anteile an fünf japanischen Handelshäusern.
Zahlen zum Start
| Kennzahl | Wert laut Aktionärsbrief |
|---|---|
| operatives Ergebnis 2025 | 44,5 Mrd. $ |
| operatives Ergebnis 2024 | 47,4 Mrd. $ |
| Veränderung | −6,1 % |
| Barmittel und US-Staatsanleihen | über 370 Mrd. $ |
Den hohen Barbestand bezeichnete Abel ausdrücklich nicht als Rückzug aus dem Investieren, sondern als Reserve für Gelegenheiten.
Beispiel: Warum Rückkäufe nur unter dem inneren Wert sinnvoll sind
Die Rückkaufregel lässt sich an einer fiktiven Holding nachrechnen. Sie hat 100 Mio. Aktien, der geschätzte innere Wert liegt bei 31,2 Mrd. €, also 312 € je Aktie. Das Unternehmen kauft 2 Mio. eigene Aktien zurück.
| Szenario | Kosten | innerer Wert je verbleibender Aktie | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Rückkauf zu 268,50 € | 537 Mio. € | 312,89 € | +0,28 % |
| Rückkauf zu 344,00 € | 688 Mio. € | 311,35 € | −0,21 % |
Liegt der Kaufpreis unter dem inneren Wert, steigt der Wert je Aktie für die verbleibenden Eigentümer. Wird zu teuer gekauft, verlieren sie. Genau diese Logik hat Abel aus der Buffett-Ära übernommen.
Bedeutung für Anleger
Für Aktionäre der Berkshire-Hathaway-Aktie ist vor allem wichtig, ob der Konzern unter Abel ähnlich diszipliniert Kapital verteilt wie zuvor. Die Grundsätze des Value Investing bleiben das Fundament, die Rolle des Chefs verschiebt sich aber stärker hin zum operativen Manager. Beobachter achten darauf, wie Abel den großen Barbestand einsetzt, ob größere Übernahmen folgen und wie sich die Rückkaufpolitik entwickelt.
Abels Rolle im Vergleich zu Buffett
Buffett verstand sich vor allem als Kapitalverteiler, der Beteiligungen auswählte und die Führung der Töchter weitgehend deren Managern überließ. Abel kommt dagegen aus dem operativen Geschäft. In seiner Zeit als Verantwortlicher für die Nicht-Versicherungssparten war er direkter Ansprechpartner der Chefs der Tochterfirmen und gilt als Manager, der sich stärker in operative Fragen einbringt. Für die Aktienanlagen arbeitet er mit dem langjährigen Portfoliomanager Ted Weschler zusammen, der laut Aktionärsbrief rund 6 % der Investments verwaltet.
Grenzen und Risiken
Ein Führungswechsel nach Jahrzehnten birgt immer Unsicherheit. Buffetts Ruf hat Berkshire über Jahre Zugang zu Geschäften verschafft, die andere nicht bekamen. Ob dieser Vorteil unter einem neuen Chef in gleichem Maß besteht, wird sich erst über Jahre zeigen. Hinzu kommt die schiere Größe des Konzerns: Je größer das Kapital, desto schwerer lassen sich Investitionen finden, die das Ergebnis spürbar bewegen.
Fazit
Greg Abel ist ein Konzernchef, der Berkshire aus dem operativen Geschäft heraus kennt und nicht aus der Kapitalanlage. Er hat zugesagt, die Kultur und die Regeln zur Kapitalverteilung beizubehalten. Wie gut ihm das gelingt, lässt sich an Kennzahlen wie operativem Ergebnis, Buchwert je Aktie und der Verwendung des Barbestands über die kommenden Jahre ablesen.
Fragen und Antworten
Seit wann ist Greg Abel CEO von Berkshire Hathaway?
Seit dem 1. Januar 2026. Der Verwaltungsrat hatte ihn im Mai 2025 einstimmig zum Nachfolger von Warren Buffett bestimmt.
Woher kommt Greg Abel?
Er stammt aus Edmonton in Kanada und studierte an der University of Alberta.
Zahlt Berkshire unter Greg Abel eine Dividende?
Nein. Laut seinem ersten Aktionärsbrief wird nicht ausgeschüttet, solange einbehaltene Gewinne mehr Wert schaffen. Der Verwaltungsrat prüft das jährlich.
Wer ist Vorsitzender des Verwaltungsrats von Berkshire?
Seit September 2026 Howard Buffett, Warren Buffett ist Ehrenvorsitzender. Greg Abel führt als CEO das operative Geschäft.
Quellen
- Berkshire Hathaway – Brief an die Aktionäre 2025 (veröffentlicht 28. Februar 2026)
- Berkshire Hathaway – Pressemitteilung zur Nachfolge, Anlage zum Form 8-K, SEC EDGAR
- Berkshire Hathaway – Investor Relations
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.