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Backspread: Call Ratio und Put Ratio Backspread erklärt

von FNE-Redaktion

Ein Backspread ist eine Optionsstrategie, bei der mehr Optionen gekauft als verkauft werden, meist im Verhältnis 2 zu 1. Der Verkauf einer näher am Kurs liegenden Option finanziert zwei weiter entfernte Optionen. Das Ergebnis ist eine Position, die von einem kräftigen Ausbruch profitiert und bei ausbleibender Bewegung nur begrenzt verliert. Sie ist die Umkehrung des Ratio Spread und ähnelt in ihrer Wirkung einem einseitigen Straddle.

Definition und Varianten

  • Call Ratio Backspread: Verkauf eines Calls mit niedrigerem Basispreis, Kauf von zwei Calls mit höherem Basispreis. Zielt auf stark steigende Kurse.
  • Put Ratio Backspread: Verkauf eines Puts mit höherem Basispreis, Kauf von zwei Puts mit niedrigerem Basispreis. Zielt auf stark fallende Kurse.

Alle Optionen haben denselben Verfall. Die Position entsteht oft zu einer kleinen Einnahme oder fast kostenlos. Eine der gekauften Optionen sichert die verkaufte ab, die zweite bleibt als freie Long-Position. In den Unterlagen der Options Industry Council heißt die Struktur Long Ratio Spread, im deutschen Sprachraum sind beide Bezeichnungen üblich.

Formeln am Verfallstag

Die Zahlen gelten für den Call-Fall mit Einnahme E, unterem Basispreis KN und oberem Basispreis KH:

GrößeFormelLage
Maximaler Verlust(KH − KN) − EGenau bei KH
Untere GewinnschwelleKN + EDarunter bleibt E als Gewinn
Obere GewinnschwelleKH + (KH − KN) − EDarüber wächst der Gewinn
Maximaler GewinnUnbegrenztStark steigende Kurse

Bei einer Nettozahlung statt einer Einnahme entfällt die untere Schwelle, die Prämie geht dann bei fallenden Kursen verloren.

Beispiel: Call Ratio Backspread

Die fiktive Falkenried Energie steht bei 69,40 Euro. Vor einer Entscheidung über eine Förderlizenz rechnet ein Anleger mit einem Kurssprung und hält einen Anstieg für deutlich wahrscheinlicher als einen Rückgang:

  • Verkauf 1 Call Basispreis 70 Euro zu 3,94 Euro
  • Kauf 2 Calls Basispreis 76 Euro zu je 1,87 Euro
  • Einnahme 3,94 − 2 × 1,87 = 0,20 Euro je Aktie, also 20 €

Bleibt die Aktie unter 70 Euro, verfallen alle Optionen, und die 20 € bleiben. Am ungünstigsten ist ein Schlusskurs von genau 76 Euro: Der Verlust erreicht (6 − 0,20) × 100 = 580 €. Ab 81,80 Euro überwiegt der Gewinn. Bei einem Sprung auf 92 Euro ergäben sich +1.020 €.

Kurs am VerfallShort Call 70 €2 Long Calls 76 €Gesamt je Kontrakt
64,00 €+394 €−374 €+20 €
70,00 €+394 €−374 €+20 €
70,20 €+374 €−374 €0 €
76,00 €−206 €−374 €−580 €
81,80 €−786 €+786 €0 €
86,00 €−1.206 €+1.626 €+420 €
92,00 €−1.806 €+2.826 €+1.020 €
−8 €−4 €0 €4 €8 €12 €62 €67 €72 €77 €82 €87 €92 €Tiefpunkt −5,80 €

Beispiel: Put Ratio Backspread

Für fallende Kurse wird die Konstruktion gespiegelt. Bei einem Aktienkurs von 66,10 Euro verkauft ein Anleger einen Put mit Basispreis 65 Euro zu 3,38 Euro und kauft zwei Puts mit Basispreis 59 Euro zu je 1,54 Euro. Er erhält 0,30 Euro. Oberhalb von 64,70 Euro bleibt diese Einnahme als Ertrag. Der größte Verlust von 5,70 Euro je Aktie liegt bei genau 59 Euro. Unter 53,30 Euro beginnt die Gewinnzone. Würde die Aktie wertlos, ergäbe das +5.330 € je Kontrakt.

Backspread und Straddle im Vergleich

Beide Positionen setzen auf eine starke Bewegung, sie verhalten sich aber unterschiedlich:

MerkmalBackspreadLong Straddle
RichtungEine SeiteBeide Seiten
EinstiegskostenGering oder EinnahmeZwei volle Prämien
Schlimmster FallKurs am KaufbasispreisKurs am Basispreis
Ergebnis auf der GegenseiteKleine Einnahme oder kleiner VerlustGewinn bei starker Bewegung

Bedeutung für Anleger

Die Strategie lohnt sich rechnerisch, wenn eine große Bewegung bevorsteht und die Richtung einigermaßen klar ist. Durch die zusätzliche gekaufte Option ist die Position netto long Vega: Steigt die implizite Volatilität, gewinnt sie meist an Wert. Der Zeitablauf arbeitet dagegen gegen sie, weil zwei gekauften Optionen nur eine verkaufte gegenübersteht. Wie sich diese Größen im Einzelnen rechnen lassen, erläutert der Beitrag zu den Optionsgriechen.

Bei der Laufzeit gilt: Zu kurz, und die Bewegung kommt vielleicht zu spät. Zu lang, und die Prämien steigen. Da der verkaufte Teil durch eine gekaufte Option abgesichert ist und das Verlustrisiko damit feststeht, verlangen viele Broker weniger Sicherheiten als beim Ratio Spread, die genauen Anforderungen unterscheiden sich aber je Anbieter.

Grenzen und Risiken

  • Verlustzone in der Mitte: Eine mäßige Bewegung in die richtige Richtung ist der schlechteste Fall, weil der Short Call kostet und die Long Calls wertlos enden.
  • Zeitwertverlust: Bleibt die Bewegung aus, schmilzt der Wert der Long-Optionen nahe dem Verfall rasch.
  • Vorzeitige Zuteilung: Die verkaufte Option kann ausgeübt werden, wodurch die Struktur auseinanderfällt.
  • Volatilitätsrückgang: Nach Ereignissen sinken Prämien oft kräftig und treffen die doppelte Long-Seite besonders.

Fazit

Der Backspread finanziert die gekauften Optionen durch den Verkauf einer näher liegenden Option und öffnet den Gewinn in eine Richtung. Sein Tiefpunkt liegt ausgerechnet am Kaufbasispreis, also bei einer Bewegung, die zwar stimmt, aber nicht weit genug geht. Er passt damit nur zu einer klaren Erwartung eines großen Kurssprungs.

Fragen und Antworten

Was ist ein Backspread?

Eine Kombination, bei der mehr Optionen gekauft als verkauft werden, meist zwei gekaufte auf eine verkaufte, mit gleichem Verfall und einem Typ.

Wann verliert ein Backspread am meisten?

Wenn der Kurs am Verfall genau auf dem Basispreis der gekauften Optionen steht. Dort sind diese wertlos, während die verkaufte Option im Geld liegt.

Worin unterscheidet er sich vom Ratio Spread?

Der Ratio Spread verkauft mehr Optionen, als er kauft, und setzt auf begrenzte Bewegung. Der Backspread kauft mehr und setzt auf einen Ausbruch.

Ist der Gewinn unbegrenzt?

Beim Call Ratio Backspread ja, rechnerisch. Beim Put Ratio Backspread ist er durch den Kurs von null begrenzt, kann aber trotzdem hoch ausfallen.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

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