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Gamma einer Option: Wie schnell sich das Delta ändert

von FNE-Redaktion

Das Gamma einer Option misst, wie stark sich ihr Delta ändert, wenn der Basiswert um einen Euro steigt. Es ist also die Geschwindigkeit, mit der sich der Kurshebel selbst verschiebt. Für Käufer ist diese Eigenschaft ein Vorteil, weil die Position bei richtigen Bewegungen immer stärker mitläuft. Für Verkäufer ist sie das zentrale Risiko, gerade in den letzten Tagen vor dem Verfall.

Definition

Gamma ist die zweite Ableitung des Optionspreises nach dem Kurs des Basiswerts. Ein Gamma von 0,07 bedeutet, dass ein Delta von 0,40 bei einem Euro Kursanstieg auf etwa 0,47 steigt. Der Wert ist für gekaufte Calls und Puts gleich hoch und immer positiv, für verkaufte Optionen negativ. Der Options Industry Council beschreibt die Kennzahl als Veränderung des Deltas je Dollar Bewegung des Basiswerts und weist darauf hin, dass die Ergebnisse Näherungen sind.

Das Bild der Beschleunigung passt gut: Wenn das Delta die Geschwindigkeit eines Optionspreises ist, dann ist das Gamma die Beschleunigung. Ein Auto mit hohem Tempo kann trotzdem kaum beschleunigen, und auch eine Option tief im Geld hat ein hohes Delta bei niedrigem Gamma.

Rechenbeispiel: Gamma, Kurs und Laufzeit

Die fiktive Tessiner Logistik notiert bei 41,80 Euro. Für einen Call mit Basispreis 42 Euro bei 33 Prozent Volatilität und 2,5 Prozent Zins ergibt das Black-Scholes-Modell folgende Werte. Zum Vergleich steht das Gamma, falls der Kurs bei 38,30 Euro oder 46,10 Euro läge.

RestlaufzeitGamma bei 38,30 €Gamma bei 41,80 €Gamma bei 46,10 €
70 Tage0,0630,0660,045
21 Tage0,0710,1210,051
6 Tage0,0250,2250,017

Drei Muster fallen auf. Das Gamma ist am höchsten, wenn der Kurs nahe am Basispreis liegt. Es steigt am Basispreis stark an, je näher der Verfall rückt: Von 70 auf 6 Tage hat es sich mehr als verdreifacht. Und abseits des Basispreises fällt es zum Ende hin in sich zusammen, weil die Option dort entweder fast sicher wertlos oder fast sicher im Geld endet.

Was das für die Position bedeutet

Bei sechs Tagen Restlaufzeit beträgt das Delta des Calls am Basispreis 0,47. Ein Euro Kursanstieg hebt es nach der Näherung auf 0,69, die volle Neubewertung liefert 0,68. Dieselbe Bewegung ändert das Delta bei 70 Tagen Laufzeit nur von 0,53 auf 0,59.

Für eine Gesamtposition rechnet man das Gamma auf die Stückzahl um. Fünf gekaufte Kontrakte mit je 100 Aktien kommen bei 6 Tagen Laufzeit auf rund 112 Aktien zusätzliches Delta je Euro Kursbewegung. Wer dieselben Kontrakte verkauft hat und abgesichert ist, muss bei jeder Bewegung um einen Euro entsprechend viele Aktien nachkaufen oder abgeben, und zwar in Richtung des Trends.

Gamma und Theta: zwei Seiten einer Rechnung

Ein hohes Gamma hat einen Preis. Die Kursbeschleunigung bezahlt der Käufer mit einem höheren täglichen Theta. Das lässt sich konkret berechnen. Der Gewinn aus der Krümmung einer delta-neutralen Position beträgt ungefähr 0,5 × Gamma × Kursbewegung im Quadrat. Dagegen steht der Zeitwertverlust pro Tag. Setzt man beide gleich, erhält man die tägliche Bewegung, die die Position zum Ausgleich braucht:

RestlaufzeitGammaTheta je TagNötige Tagesbewegung
70 Tage0,066−0,019 €0,75 €
6 Tage0,225−0,060 €0,73 €

Die Schwelle ist in beiden Fällen ähnlich und entspricht ziemlich genau dem, was die Volatilität von 33 Prozent als Tagesbewegung einpreist (rund 0,72 Euro). Kurzläufer bieten daher keine kostenlose Beschleunigung, sondern mehr Gamma gegen mehr Zeitwertverlust. Bewegt sich die Aktie im Mittel stärker als eingepreist, lohnt sich die Long-Gamma-Position, bewegt sie sich weniger, verliert sie.

Auf diesem Zusammenhang beruht das Gamma Scalping: Ein Händler hält Optionen, sichert sie mit Aktien delta-neutral ab und handelt bei jeder Bewegung nach, kauft also tief und verkauft hoch. Die Gewinne dieser Nachsteuerung sollen den Zeitwertverlust übersteigen. Ein gängiges Vehikel ist der Straddle.

Bedeutung für Anleger

Käufer profitieren von positivem Gamma, weil sich die Position bei Gewinnen vergrößert und bei Verlusten verkleinert. Der Strangle und alle Kaufstrategien liegen auf dieser Seite. Verkäufer, etwa beim Short Call oder Short Put, haben negatives Gamma: Ihr Risiko wächst, wenn der Kurs gegen sie läuft. Wer Prämien einnimmt, sollte daher wissen, dass die letzten Tage vor dem Verfall zwar den schnellsten Zeitwertverfall, aber auch die stärksten Delta-Sprünge bringen.

Bei breiten Indexverfällen rechnen Marktteilnehmer außerdem die Gamma-Positionen der Marktmacher hoch. Ist deren Gamma negativ, müssen sie bei fallenden Kursen verkaufen und bei steigenden kaufen, was Bewegungen verstärken kann. Bei positivem Gamma handeln sie gegen den Markt und dämpfen. Solche Schätzungen beruhen jedoch auf Annahmen darüber, wer welche Seite hält, und sind keine verlässlichen Signale.

Grenzen und Risiken

Gamma beschreibt nur kleine Bewegungen. Bei einem Kurssprung von mehreren Euro passt die Näherung nicht mehr, weil sich auch das Gamma selbst ändert. Am Verfallstag selbst kann der Wert am Basispreis extrem hoch werden. Liegt der Kurs dann zufällig genau dort, kann eine Bewegung um wenige Cent über Ausübung oder Verfall entscheiden. Für verkaufte Positionen ohne Absicherung folgen daraus unter Umständen plötzlich volle Aktienrisiken. Bei Einzelaktien kommen Kurslücken hinzu, gegen die auch eine laufende Nachsteuerung nicht schützt.

Fazit

Gamma zeigt, wie stabil das Delta ist. Es ist am Basispreis und kurz vor dem Verfall am höchsten, und es wird vom Theta bezahlt. Käufer gewinnen damit Beweglichkeit, Verkäufer tragen ein wachsendes Risiko, das sich in den letzten Handelstagen am stärksten bemerkbar macht.

Fragen und Antworten

Was sagt das Gamma aus?

Um wie viel sich das Delta bei einem Euro Kursbewegung ändert. Es zeigt, wie schnell eine Position ihr Kursrisiko verändert.

Wann ist das Gamma am höchsten?

Bei Optionen am Geld kurz vor dem Verfall.

Ist hohes Gamma gut?

Für Käufer bei starken Bewegungen ja, es kostet aber Zeitwert. Für Verkäufer bedeutet es höheres Risiko.

Was ist Gamma Scalping?

Ein Verfahren, bei dem gekaufte Optionen delta-neutral gehalten werden, um durch Nachsteuern an Schwankungen zu verdienen.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

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