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Vega: Volatilitätsempfindlichkeit einer Option

von FNE-Redaktion

Das Vega einer Option gibt an, um wie viel sich ihr Preis ändert, wenn die implizite Volatilität um einen Prozentpunkt steigt oder fällt. Als einzige der bekannten Optionsgriechen trägt die Kennzahl keinen echten griechischen Buchstaben. Wer Optionen handelt, setzt deshalb nie nur auf eine Kursrichtung, sondern immer auch darauf, wie unruhig der Markt künftig sein wird. Was hinter der Größe selbst steckt, erklärt der Beitrag zur impliziten Volatilität. Dieser Text behandelt die Frage, wie stark der Preis darauf reagiert.

Definition

Vega ist die Ableitung des Optionspreises nach der Volatilität, üblicherweise je Prozentpunkt angegeben. Ein Vega von 0,13 bedeutet: Steigt die implizite Volatilität von 29 auf 30 Prozent, gewinnt die Option rechnerisch 13 Cent. Der Wert ist für Calls und Puts mit gleichem Basispreis und gleicher Laufzeit gleich hoch und bei gekauften Optionen positiv. Der Options Industry Council hält fest, dass Prämien bei steigender impliziter Volatilität für beide Optionsarten zulegen und bei fallender schrumpfen. Wer eine Option verkauft, hat entsprechend ein negatives Vega.

Rechenbeispiel: Laufzeit und Basispreis

Die fiktive Lindentaler Papierwerke notieren bei 57,90 Euro. Der Zins liegt annahmegemäß bei 2,5 Prozent, die implizite Volatilität bei 29 Prozent, Dividenden gibt es keine. Die erste Tabelle zeigt einen Call mit Basispreis 58 Euro für verschiedene Laufzeiten nach dem Black-Scholes-Modell.

RestlaufzeitOptionspreisVega je PunktVega in Prozent des Preises
30 Tage1,93 €0,066 €3,4 %
120 Tage4,01 €0,131 €3,3 %
365 Tage7,29 €0,225 €3,1 %

Das Vega wächst mit der Laufzeit, und zwar ungefähr mit der Quadratwurzel der Zeit. In Euro reagiert die Jahresoption also mehr als dreimal so stark wie die Monatsoption. Relativ zum eingesetzten Kapital ist der Unterschied dagegen gering.

Die zweite Tabelle hält die Laufzeit bei 120 Tagen fest und verändert den Basispreis.

BasispreisZustandOptionspreisVega je Punkt
50 €Im Geld9,15 €0,079 €
58 €Am Geld4,01 €0,131 €
66 €Aus dem Geld1,37 €0,107 €

Am Geld ist das Vega am höchsten, denn dort entscheidet die Schwankung am ehesten darüber, ob die Option am Ende wertvoll ist. Die Option aus dem Geld kommt in Euro nicht ganz heran, reagiert aber prozentual am stärksten: Ein Punkt Volatilität bewegt sie um fast acht Prozent.

Steigt die implizite Volatilität der 120-Tage-Option von 29 auf 35 Prozent, erhöht sich der Modellpreis von 4,01 auf 4,80 Euro. Die Näherung mit dem Vega (0,131 × 6 = 0,79 Euro) trifft das sehr genau. Bei einem Rückgang auf 24 Prozent fällt er auf 3,36 Euro.

Der Volatilitätseinbruch nach Quartalszahlen

Das auffälligste Praxisbeispiel für das Vega sind Berichtstermine. Vor Quartalszahlen steigt die implizite Volatilität, weil der Markt eine größere Kursbewegung einpreist, und danach fällt sie schlagartig zurück.

Ein fiktives Papier notiert bei 83,70 Euro, einen Tag vor den Zahlen kostet der Call mit Basispreis 84 Euro und zwölf Tagen Laufzeit bei 46 Prozent impliziter Volatilität 2,67 Euro. Am Tag nach den Zahlen steigt die Aktie auf 85,90 Euro, ein Plus von 2,6 Prozent. Zugleich sinkt die Volatilität auf 31 Prozent.

GrößeVor den ZahlenNach den Zahlen
Aktienkurs83,70 €85,90 €
Implizite Volatilität46 %31 %
Preis des Calls2,67 €2,97 €

Der Käufer hatte mit der Richtung recht und gewinnt trotzdem nur 0,30 Euro. Wäre die Aktie unverändert geblieben, läge der Call bei 1,68 Euro, ein Verlust von 37 Prozent, obwohl sich der Kurs nicht bewegt hätte. Bei einem etwas kleineren Anstieg kann das Ergebnis trotz korrekter Prognose negativ sein.

Bedeutung für Anleger

Die Kennzahl zeigt, ob eine Position von ruhigen oder unruhigen Märkten lebt. Gekaufte Optionen, gekaufte Straddles und Backspreads profitieren von steigender Volatilität, Stillhalter und Iron Condors von fallender. Die Einzelwerte lassen sich addieren und ergeben das Vega des Gesamtdepots.

Sinnvoll ist auch der Vergleich mit dem aktuellen Marktniveau. Indizes wie VIX und VDAX zeigen, ob implizite Volatilitäten gerade hoch oder niedrig sind. Hohe Stände verteuern Optionen für Käufer. Volatilität neigt dazu, zu ihrem Mittelwert zurückzukehren, ohne dass sich der Zeitpunkt vorhersagen ließe.

Ein Calendar Spread ist typischerweise vega-positiv, weil die längere gekaufte Option stärker reagiert als die kürzere verkaufte. Vega-neutrale Depots versuchen dagegen, diesen Einfluss auszuschalten, indem sich Long- und Short-Positionen ausgleichen.

Grenzen und Risiken

Vega unterstellt, dass die Volatilität über alle Basispreise und Laufzeiten gleich ist. Tatsächlich existiert ein Smile, und die Punkte der Kurve bewegen sich nicht parallel. Kurzfristige Volatilität schwankt stärker als langfristige, sodass das rechnerisch höhere Vega der Langläufer nicht automatisch das größere Risiko bedeutet.

Außerdem bewegen sich Kurs und Volatilität nicht unabhängig. Bei Aktienindizes steigt die implizite Volatilität oft dann, wenn die Kurse fallen. Ein Verkäufer von Puts erleidet in einem Abverkauf daher zwei Verluste auf einmal, über Delta und über Vega. Außerdem ist das Vega selbst nicht konstant, sondern verändert sich mit Kurs und Zeit. Bei großen Sprüngen der Volatilität ist die lineare Näherung zu ungenau, hier hilft nur die vollständige Neubewertung.

Fazit

Vega trennt den Kurs einer Option von der Erwartung an den Markt. Es ist am Geld und bei langen Laufzeiten am größten und erklärt, warum eine richtige Prognose nach Quartalszahlen trotzdem Geld kosten kann. Wer Optionen hält, sollte vor dem Kauf prüfen, wie hoch die Volatilität im historischen Vergleich steht.

Fragen und Antworten

Was bedeutet ein Vega von 0,10?

Die Option wird rechnerisch um zehn Cent teurer, wenn die implizite Volatilität um einen Prozentpunkt steigt.

Ist Vega ein griechischer Buchstabe?

Nein. Der Name hat sich trotzdem im Kreis der Optionsgriechen durchgesetzt.

Wann ist das Vega am größten?

Bei Optionen nahe am Geld und mit langer Restlaufzeit.

Warum fallen Optionen trotz gestiegener Aktie?

Häufig sinkt die implizite Volatilität gleichzeitig, und dieser Effekt ist größer als der Kursgewinn.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: November 2026.

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