Unternehmensanleihen: Mehr Rendite, mehr Risiko

von user

Unternehmensanleihen sind Kredite an Konzerne und Mittelständler. Sie bringen mehr Zinsen als Staatspapiere – als Ausgleich für ein Risiko, das viele Anleger unterschätzen: Ein Unternehmen kann insolvent werden, ein Staat praktisch nicht.

Das Wichtigste in Kürze

Emittentenbörsennotierte Konzerne, Banken, Mittelständler
Laufzeitenmeist 3 bis 10 Jahre
Verzinsungfester Kupon, höher als bei Staatsanleihen gleicher Laufzeit
Stückelung1.000 Euro bei Privatanlegeranleihen, sonst oft 100.000 Euro
Rangfolgevor Aktionären, hinter besicherten Gläubigern
Wichtigste Kennzahlder Risikoaufschlag gegenüber Staatsanleihen
Für Privatanlegereinzeln oder über Anleihe-ETFs

Der Risikoaufschlag

Was ein Unternehmen für seinen Kredit zahlt, ergibt sich aus zwei Bestandteilen: dem Zins, den ein Staat höchster Bonität zahlt, plus einem Aufschlag für das zusätzliche Risiko. Diesen Aufschlag nennt man Spread.

BonitätTypischer AufschlagEinordnung
AA0,3 bis 0,8 Prozentpunktesehr solide Konzerne
A0,6 bis 1,2 Prozentpunkteetablierte Unternehmen
BBB1,0 bis 2,0 Prozentpunktenoch Investmentqualität, unterste Stufe
BB2,5 bis 4,0 Prozentpunktespekulativ
B und darunter5 Prozentpunkte und mehrhohes Ausfallrisiko

Die Werte schwanken erheblich mit der Marktlage. In ruhigen Phasen verengen sich die Aufschläge, in Krisen weiten sie sich binnen Tagen aus – oft stärker, als es die tatsächliche Ausfallwahrscheinlichkeit rechtfertigt.

Für Anleger ist der Spread deshalb doppelt relevant: Er bestimmt die laufende Rendite und er bewegt den Kurs. Weitet er sich nach dem Kauf, fällt der Kurs, auch wenn die Marktzinsen unverändert bleiben.

Warum Unternehmen Anleihen ausgeben

Der Bankkredit ist nicht die einzige Möglichkeit, an Geld zu kommen – und für größere Summen oft nicht die günstigste.

VorteilErläuterung
Größere Voluminaam Kapitalmarkt lassen sich Milliardenbeträge auf einmal aufnehmen
Längere Laufzeitenzehn Jahre und mehr, während Bankkredite meist kürzer laufen
Keine Sicherheitenanders als beim Bankkredit werden selten Vermögenswerte verpfändet
Unabhängigkeitdie Finanzierung verteilt sich auf viele Gläubiger statt auf eine Bank
Kein Stimmrechtanders als bei einer Kapitalerhöhung ändern sich die Eigentumsverhältnisse nicht

Der letzte Punkt erklärt, warum Unternehmen Anleihen häufig einer Kapitalerhöhung vorziehen: Neue Aktien verwässern die Anteile der bisherigen Eigentümer, eine Anleihe nicht.

Für Anleger folgt daraus eine nützliche Beobachtung: Gibt ein Unternehmen laufend neue Anleihen aus, um alte zurückzuzahlen, ist das normal. Steigt die Verschuldung dabei kontinuierlich, lohnt ein genauerer Blick in die Bilanz.

Die wichtigsten Kennzahlen

KennzahlWas sie zeigtOrientierung
VerschuldungsgradNettoschulden im Verhältnis zum operativen Ergebnisunter 3 gilt als solide
Zinsdeckungwie oft das Ergebnis die Zinslast decktüber 4 ist komfortabel
Fälligkeitsprofilwann welche Schulden zurückzuzahlen sindgleichmäßig verteilt ist besser
Liquiditätverfügbare Mittel und Kreditliniensollte die nächsten Fälligkeiten abdecken

Diese Zahlen stehen im Geschäftsbericht und sagen oft mehr aus als das Rating, das ihnen mit Verzögerung folgt. Wer einzelne Anleihen kauft, sollte sie prüfen – wer einen Fonds wählt, überlässt das dem Fondsmanagement.

Die Grenze bei BBB

Zwischen BBB und BB verläuft die wichtigste Linie des Anleihemarkts. Oberhalb spricht man von Investmentqualität, unterhalb von Hochzinsanleihen.

Der Unterschied ist mehr als eine Bezeichnung. Viele Versicherer, Pensionskassen und Fonds dürfen nach ihren Anlagerichtlinien nur oberhalb dieser Grenze investieren. Wird ein Unternehmen herabgestuft, müssen sie verkaufen – unabhängig davon, wie sie die Lage einschätzen.

Das führt zu einem Verstärkungseffekt: Die Herabstufung löst Zwangsverkäufe aus, die den Kurs zusätzlich drücken. Unternehmen an der Schwelle verteidigen ihr Rating deshalb mit großem Aufwand, etwa durch Dividendenkürzungen oder den Verkauf von Geschäftsteilen.

Was bei einer Insolvenz passiert

Anleihegläubiger stehen in der Rangfolge vor den Aktionären, aber hinter besicherten Gläubigern wie Banken mit Grundpfandrechten.

RangGruppeTypische Aussicht
1Besicherte Gläubigerhohe Quote, oft vollständige Bedienung
2Vorrangige AnleihenQuote je nach Verfahren, häufig 30 bis 60 Prozent
3Nachrangige Anleihengeringe Quote
4Aktionäremeist Totalverlust

Entscheidend ist die Ausgestaltung. Nachrangige Anleihen bringen höhere Zinsen, werden im Ernstfall aber erst nach allen anderen Gläubigern bedient. Bei Banken gibt es zusätzlich Papiere, die im Krisenfall in Eigenkapital umgewandelt werden – mit entsprechendem Risiko.

Wie Anleger vorgehen

Die Stückelung prüfen. Viele Unternehmensanleihen werden erst ab 100.000 Euro gehandelt. Für Privatanleger bleiben Papiere mit 1.000 Euro Stückelung oder Fonds.

Nicht auf einen Schuldner setzen. Der Ausfall einer einzelnen Anleihe kostet einen erheblichen Teil des Einsatzes. Wer einzeln kauft, braucht mehrere Papiere verschiedener Branchen – was schnell größere Summen erfordert.

Auf die Verschuldung achten. Aussagekräftiger als das Rating allein ist das Verhältnis von Schulden zum operativen Ergebnis. Liegt es über dem Vierfachen, wird es anspruchsvoll.

Die Branche einordnen. Versorger und Konsumgüterhersteller haben planbare Erträge, Zykliker wie Automobilzulieferer nicht. Bei gleichem Rating ist die Anleihe des stabileren Geschäfts vorzuziehen.

Mittelstandsanleihen

Eine deutsche Besonderheit sind Anleihen kleinerer Unternehmen, die seit etwa 2010 gezielt an Privatanleger vermarktet wurden. Sie boten Kupons von sieben Prozent und mehr.

Die Bilanz fiel ernüchternd aus: Ein erheblicher Teil dieser Emissionen endete in Zahlungsschwierigkeiten oder Insolvenz. Die hohen Kupons waren kein Geschenk, sondern der Preis für ein Risiko, das viele Käufer nicht einschätzen konnten.

Wer solche Papiere erwägt, sollte den Jahresabschluss lesen können und verstehen, wofür das Geld verwendet wird. Ohne diese Grundlage ist ein breit gestreuter Fonds die vernünftigere Wahl.

Häufige Fragen

Wie finde ich die Rendite einer Anleihe?

Die Rendite ergibt sich aus Kaufkurs, Kupon und Restlaufzeit. Banken und Börsenportale weisen sie als Rendite bis Endfälligkeit aus.

Sind Bankanleihen sicher?

Das hängt stark von der Art ab. Vorrangige Papiere sind vergleichsweise solide, nachrangige und wandelbare Instrumente können im Krisenfall ausfallen – auch wenn die Bank fortbesteht.

Was ist eine Anleihe mit Kündigungsrecht?

Manche Emittenten dürfen vorzeitig zurückzahlen. Sie tun das, wenn die Zinsen gefallen sind – genau dann, wenn der Anleger sein Papier gern behalten hätte.

Lohnen sich Hochzinsanleihen?

Sie bringen deutlich mehr Rendite, fallen aber in Rezessionen gehäuft aus. Als Beimischung über einen breit gestreuten Fonds vertretbar, als Einzelposition riskant.

Einordnung

Unternehmensanleihen füllen die Lücke zwischen sicheren Staatspapieren und Aktien. Sie liefern höhere Zinsen als Bundesanleihen, ohne die Schwankungen des Aktienmarkts mitzumachen.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist die entscheidende Frage nicht die Höhe des Kupons, sondern ob er das Risiko angemessen vergütet. Ein Aufschlag von einem Prozentpunkt kann bei einem soliden Konzern attraktiv und bei einem angeschlagenen Unternehmen zu wenig sein. Grundlagen stehen im Beitrag Anleihen.

Quellen

Stand: 26. September 2026. Angaben zu Risikoaufschlägen sind Richtwerte und schwanken mit der Marktlage. Keine Anlageberatung.

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